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Neue Offenheit im Chorraum dr Duderstädter Kirche St. Cyriakus

Gestaltung von Ambo und Altar Neue Offenheit im Chorraum dr Duderstädter Kirche St. Cyriakus

„Ein Altar ist nicht einfach ein Möbel“, sagt Claus Kilian. Der Braunschweiger hat den neuen Altar in der Duderstädter Kirche St. Cyriakus gestaltet und dabei nicht allein künstlerische und optische Überlegungen angestellt: Seine Entwürfe haben theologischen Tiefgang, wollen ein Beitrag sein zur Liturgie. Somit handele es sich bei dem am vergangenen Sonnabend durch Bischof Norbert Trelle geweihten Altar und dem Ambo um mehr als Tisch und Rednerpult.

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Gläserne Mensa ruht auf steinernen Tischbeinen, die in eine kreuzförmige Bodenplatte übergehen: Der neue Altar in St. Cyriakus.

Quelle: Thiele

Duderstadt. Grundlage seiner Überlegungen sei gewesen, dass mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil die Gemeinde stärker in das Gottesdienstgeschehen einbezogen werden sollte, indem der Geistliche nicht mehr länger mit dem Rücken zu den Gläubigen zelebrieren sollte.

„Aus Unsicherheit darüber, wie man mit der neuen Maßgabe umgehen sollte, hat man deshalb die Erhöhung in der Mitte des Altarraumes erbaut und darauf den Zelebrationsaltar aufgestellt“, vermutet der Künstler hinsichtlich der bisherigen Variante. Durch den steinernen Podest mit Sitzgelegenheiten und einem massiven Steinaltar sei der eigentliche Hauptaltar mit dem kunstvollen Tryptichon optisch verdeckt und die geistlichen auf einen thronähnlichen Sitz gehoben worden.

Im Unterschied zu einem Opferaltar, in dem Opfergaben oder zeremonielles Gerät untergebracht werden, handele es sich bei dem Tisch der Funktion nach um einen Zelebrationsaltar für die Eucharistiefeier. Er diene zur Liturgie, müsse sich aber gegenüber dem Hauptaltar zurücknehmen.

„Der Entwurf ist auf die Zukunft hin geplant“

Sein Entwurf, dem verschiedene Modelle und Möglichkeiten zugrunde gelegen hätten, wolle nun dem Prinzip der Öffnung im Sinne des Konzils näherkommen. „Ich habe eine leichte Tischform gewählt“, erklärt der Künstler: Die Bodenplatte lasse durch ihre Kreuzform den Einblick von allen Seiten hin zur Mitte zu. Mittig könne, je nachdem ob dies gewünscht sei, das Reliquiar untergebracht werden.

Von den Schenkeln des Kreuzes aus ragen vier Steinplatten als Stipes, als Beine, in die Höhe, die den Sandstein des Kirchengemäuers und des nach dem Abriss des Podestes neu gestalteten Bodens aufnehmen und als symbolisches wie auch physisches Fundament dienen.

Auf dem Stein ruht die Mensa, die Tischplatte des Altars. Sie ist gestaltet aus drei übereinanderliegenden Glasplatten, von denen die untere durch eine Sandstrahltechnik mattiert wurde.  Mit einem zarten, geschliffenen Kreuz aus durchlässigem Glas in der Mitte nimmt auch die Mensa das Prinzip der  Durchlässigkeit auf.

Der theologische Hintergrund für die Kombination der Materialien liege darin, ein Spannungsfeld herzustellen, „wie es auch während der Eucharistiefeier geschieht“: Passion und Auferstehung sollen zugleich sichtbar gemacht werden.

Wenn das in Planung befindliche Lichtkonzept in St. Cyriakus umgesetzt ist, solle „die Lichtführung zu voller Geltung kommen“, sagt Kilian. „Der Entwurf ist auf die Zukunft hin geplant“, erläutert Kilian. Die Variante einer gläsernen Tischplatte habe er so bisher in keiner katholischen Kirche gesehen.

Neue Möglichkeiten der Gottesdienstgestaltung

In kleineren Kapellen sei in der Vergangenheit auf das durchsichtige Material zurückgegriffen worden, in dem Zusammenhang wie es jetzt in St. Cyriakus eingesetzt werde, handele es sich aber um ein Novum.

Was für die Gläubigen heute wie eine Neuerung scheint, ist eigentlich eine Rückbesinnung auf eine Tradition: Der Ambo, das Pult, an dem gottesdienstliche Lesungen gehalten und gepredigt wird, befindet sich nun auf der anderen Seite, wie es in gotischen Kirchen üblich ist.

In der Gestaltung hat sich Kilian am Prinzip des Altars orientiert, allerdings nicht, um eine gefällige Optik herzustellen, sondern ebenfalls aus theologischen Gründen: Auch dies sei im Zuge der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanum festgelegt: „Es soll eine Korrespondenz geben zwischen dem Ort der Verkündigung und dem Ort des Sakraments“, erklärt Kilian. Auch hier habe er wieder das Prinzip der Öffnung aufgenommen: Die Heilige Schrift werde nach dem Vortrag des Evangeliums an der Vorderseite des Pultes aufgelegt und bleibe damit „für die Gemeinde sichtbar.“

Diese kann sich zukünftig auf einer Ebene mit den Geistlichen versammelt, denn der Abriss des alten Podestes und der neue Altar ermöglichen einen Zugang des Altars von allen Seiten im Chorraum. Damit böten sich, so Kilian, neue Möglichkeiten der Gottesdienstgestaltung.

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©Richter