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Neues Buch beleuchtet Sondergericht Kalisch mit Duderstädter Beteiligung

Richter im NS-Staat Neues Buch beleuchtet Sondergericht Kalisch mit Duderstädter Beteiligung

Die Urteilspraxis des Sondergerichts in der polnischen Stadt Kalisch zur Zeit des Nationalsozialismus und die Beteiligung des Duderstädter Richters Ferdinand Trümper hat Götz Hütt, Leiter der Duderstädter Geschichtswerkstatt, in seinem neuen Buch beleuchtet.

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Götz Hütt

Quelle: Richter/Archiv

Duderstadt. Dabei geht der Autor der Frage nach, „wie ein Mensch, der in einem streng katholischen Umfeld erzogen wurde und ein humanistisches Gymnasium besuchte, derart in die Fänge des Nationalsozialismus geraten konnte, dass er zum Täter wurde“, so Hütt. Als Quellen nennt er unter anderem die Akten im Staatsarchiv Kalisch (Kalisz) sowie Fachliteratur über Urteile gegen NS-Richter seit 1948.

 
Ferdinand Trümper wird in seinem Lebenslauf als durchschnittlicher, eher unsicherer Mann dargestellt, der seit dem frühen Tod seiner Eltern mit einigen Schwierigkeiten in seinem Werdegang zu kämpfen hatte. Eine Karriere in der Justiz bot sich ihm nur in seiner Bereitschaft, in den Oberlandesbezirk Posen abkommandiert zu werden. Dort wurde ihm bescheinigt, dass er den NS-Staat aus innerer Überzeugung bejahe und eine tadellose Führung zeige. Trümper war von 1941 bis 1943 im Reichsgau Wartheland, einer durch das Dritte Reich annektierten Region Polens, als Richter tätig, wo er als Herrschaftsinstrument des NS-Staates wirkte, so Hütt. Er habe in seiner Rechtsprechung Enteignung, Folterung, Deportation und Zwangsarbeit zugelassen und unterstützt.

 
Nach dem Krieg sei die Lebensgeschichte Trümpers gefälscht worden. Zeugnisse von Duderstädter Bürgern verhalfen dem Richter zu einer Einstufung als Gegner des Nationalsozialismus, und er sei unbehelligt zum Leiter des Duderstädter Amtsgerichts aufgestiegen. „Bei seiner Verabschiedung im Jahr 1969 betonte Ferdinand Trümper, er habe immer nur seine Pflicht getan“, schreibt Hütt. Mit seinem Buch über die Urteile des Sondergerichts Kalisch und den Richter Trümper wolle der Autor auf die Aufgabe eines jeden hinweisen, die Rechtsstaatlichkeit unbedingt zu achten, zu wahren und zu schützen.

 
Das etwa 130-seitige Werk „Urteile des Sondergerichts Kalisch und der Richter Ferdinand Trümper aus Duderstadt“ ist in der Schriftreihe der Geschichtswerkstatt Duderstadt im Verlag Books on Demand, Norderstedt, erschienen. ny

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