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(Nicht nur) nachts im Museum: Die Schüler-AG

Freiwilligen Arbeit im Grenzlandmuseum (Nicht nur) nachts im Museum: Die Schüler-AG

Als Kind habe ich mich immer gefragt, was das für ein komisches Haus ist“, sagt Benedikt Schum. Gemeint war das ehemalige Kontrollgebäude am einstigen Grenzübergang zwischen Gerblingerode und Teistungen.

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Engagiert in der Museums AG : Martin Ehrhardt, Niklas Richard, Daniel Fröhlich, Benedikt Schum, Tessa Gallenkämper, Sergio Schulz-Schierwater und Konstantin Iggena (v.l.)

Quelle: Thiele

Heute weiß der Zehntklässler des Eichsfeldgymnasiums Duderstadt (EGD), was es mit diesem Gebäude auf sich hat: Aus dem vor 20 Jahren nutzlos gewordenen grauen Klotz ist das Grenzlandmuseum Eichsfeld entstanden, ausgestattet mit modernster Technik und vielfältigen Exponaten.

Benedikt ist Mitglied der Museums AG, die Geschichts- und Politiklehrer Ben Thustek am EGD vor einem Jahr ins Leben gerufen hat. Die Schüler aus dem 10. und 13. Jahrgang haben zur Wiedereröffnung des Grenzlandmuseums und zu den Eichsfeldtagen mit ihrer freiwilligen Arbeit in der AG beigetragen. Seit Monaten waren sie mit verschiedenen Projekten beschäftigt, wie zum Beispiel einer Umfrage in der Duderstädter Fußgängerzone. Hier wurden Passanten zum Thema Grenze befragt (Tageblatt berichtete).

Zu den Eichsfeldtagen haben die AG-Mitglieder einen eigenen Raum im Grenzlandmuseum gestaltet, wo sie als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Schwarze Wandtafeln regen zum Nachdenken und Weiterdenken an: Ein Cluster um den Begriff „Grenze“ zeigt Assoziationen wie SED, BRD, Stacheldraht, Minen, Überwachung. Ein Video informiert anschaulich, wie es zur deutschen Teilung kam und wie diese überwunden wurde. Auf einer anderen Tafel hängen Beispiele aus den Fragebögen, und in einem Quiz können die Besucher ihr Wissen über die Grenze und die beiden deutschen Staaten überprüfen.

Von der Öffentlichkeit fast unbemerkt fanden die umfangreichen Vorbereitungen statt. „Gestern Nacht sind wir einfach nicht fertig geworden. Um vier haben wir uns hier im Museum zum Schlafen hingelegt, nach Hause fahren hätte sich nicht mehr gelohnt“, sagt Martin Ehrhardt. Mit einigen AG-Teilnehmern habe man noch die letzten Feinarbeiten wie Boden wischen und Aufräumen erledigt vor der offiziellen Wiedereröffnung des Grenzlandmuseums nach der Umbauphase. „Der Medienpool sah aus wie ein Schlachtfeld. Da standen Kisten bis an die Decke gestapelt, die noch weggeräumt werden mussten“, erzählt Tessa Gallenkämper, die erst seit kurzem an der AG teilnimmt.

Dass die Teamarbeit allerdings Spaß macht, ist den Schülern anzumerken. Nicht nur eigenes Interesse an der jüngeren deutschen Geschichte hat sie zur Teilnahme an der AG bewogen. „Wir können uns so einbringen, dass man mit den Themen andere Jugendliche erreichen kann“, nennt Konstantin Iggena wesentliche Aspekte. Sein Team-Kollege Sergio Schulz-Schierwater ergänzt: „Für die gesamte Ausstellung haben wir die Info-Texte auf ihre Verständlichkeit überprüft.“ Lehrer Ben Thustek bestätigt: „Man hat einiges verändert, damit auch junge Menschen, die damals noch nicht geboren waren, die Inhalte verstehen.“
Auch die Mitglieder der Museums AG kennen die Grenze nur aus Erzählungen und aus dem Fernsehen. „Als Kind habe ich Angst gekriegt, wenn wir am ehemaligen Todesstreifen entlang gewandert sind und mein Vater mir von der Grenze erzählt hat. Ich dachte, auf dem Wachturm sitzt noch einer, oder eine Mine wurde übersehen und geht hoch“, erinnert sich Tessa. Solche lebendigen Vorstellungen werden möglich durch die Gedenkstätte, die sichtbar macht, wie es damals war. Allerdings haben die AG-Teilnehmer festgestellt, dass junge Leute, die nicht so dicht an der ehemaligen Grenze wohnen, oft weniger darüber wüssten.

„Mit den neuen Medien finden wir eine Sprache, mit der sich Jugendliche die Grenze und die deutsche Teilung besser vorstellen können“, sieht Sergio die Vorteile der Neugestaltung des Grenzlandmuseums. In der Vorbereitung auf die Wiedereröffnung habe man viel gelesen und geordnet, um einen Überblick zu bekommen, sagt Oberstufenschüler Daniel Fröhlich. Er erläutert, dass nun ein wesentliches Projektziel erreicht sei, aber mit der Museums AG ginge es auf jeden Fall weiter.
Einig ist man sich, dass es heute für Jugendliche keine Rolle spielen würde, ob jemand aus dem Osten oder aus dem Westen käme. „Danach fragt man gar nicht“, sagt Konstantin. Mit der jungen Generation scheint die Grenze Geschichte geworden zu sein.

Von Claudia Nachtwey

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