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Nur „Geräuschzaun“ kann Wildunfälle verhindern

Pilotprojekt Nur „Geräuschzaun“ kann Wildunfälle verhindern

Vor drei Jahren haben Heinz-Sielmann-Stiftung, Polizei und Jägerschaft Duderstadt den Versuch gestartet, die hohe Zahl an Wildunfällen im Bereich Rote Warte durch Warnreflektoren zu minimieren. Erfolge haben sich eingestellt, als Zahl und Dichte der Geräte erhöht wurden. Eine weitere Strecke bei Nesselröden sollmit Reflektoren gespickt werden.

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Mit Leitpfosten samt Reflektor: Axel Kerschnitzki, Helmut Dammann-Tamke sowie Hans-Georg Kracht, Thomas Ehbrecht (Jägerschaft Duderstadt) und Michael Kirbas von der Heinz-Sielmann-Stiftung (v. l.).

Quelle: Pförtner

 Bis zu 15 Wildunfälle pro Jahr haben sich auf der Landesstraße zwischen Duderstadt und Fuhrbach im Waldstück an der Roten Warte in der Vergangenheit ereignet. Angesichts der hohen  Zahl von Wildunfällen im Landkreis  bot sich die neuralgische Stelle an, um ein neues Verfahren auszuprobieren. Als Partner der Polizeiinspektion Göttingen installierten die Jägerschaft Duderstadt und die Sielmann-Stiftung zehn akustische Wildwarnreflektoren an Straßenleitpfählen der 450 Meter langen Waldstrecke. 

Erfolge blieben jedoch zunächst aus – selbst nach einer Umpositionierung der Geräte. Nur in unmittelbarer Nähe der Reflektoren schien es weniger Unfälle zu geben, Wildwechsel und Unfallgeschehen verlagerten sich auf die Lücken zwischen den Geräten. 

Reflektorenanzahl verdoppelt

Anfang vergangenen Jahres wurde deshalb die Zahl der  von einer Thüringer Firma vertriebenen Reflektoren verdoppelt. Diesmal mit durchschlagendem Erfolg: 2008 gab es keine Wildunfälle mehr bei Dunkelheit. Lediglich am Tag und in der Dämmerung ereigneten sich zwei Unfälle mit Reh- und Schwarzwild am Beginn und am Ende des Kernbereichs. Ansonsten haben die Wildunfälle auch an den Grenzen des Streckenabschnitts nicht zugenommen. Und das Wild ist auch nicht verdrängt worden. Fazit aller Beteiligten: Die Reflektoren lohnen sich, aber nur als engmaschiger „Geräuschzaun“ bei konzentriertem Wildwechsel.

Von überraschend positiven Erfahrungen mit dem bislang nur sporadisch eingesetzen System spricht auch Helmut Dammann-Tamke. Der Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen und CDU-Landtagsabgeordnete, der heute den Landesjägertag in Duderstadt leitet, hat gestern Zwischenstation an der Roten Warte gemacht. „Anders als den Geruchssinn ansprechende Vergrämungsmittel haben die Reflektoren den Vorteil, nicht permanent abzuschrecken“, sagt Damman-Tamke: „Bei fehlendem Verkehr kann das Wild ungestört wechseln.“ Auch Tierschutzaspekte führt er an: „Das Auto jagt 365 Tage im Jahr, kennt keine Schonzeiten und erwischt auch Muttertiere.“ Menschliches Leid und volkswirtschaftlichen Schaden durch Wildunfälle gibt Axel Kerschnitzki vom Präventionsteam der Polizeiinspektion zu bedenken: „Für einen Schwerverletzten fallen 80000 Euro Kosten an.“ 

Mit Unterstützung der Jägerschaft Duderstadt soll das Projekt jetzt ausgeweitet werden. Die Reflektoren sollen auch auf der Landesstraße 569 bei Nesselröden im Bereich der ehemaligen Grenze zum Altkreis Duderstadt als 900 Meter langer „Geräuschzaun“ in vier aneinander grenzenden Revieren zum Einsatz kommen.

Ein künftiger Krötenzaun deutet sich zwischen Desingerode und Werxhausen an: Dort begleitete Damman-Tamke gestern den Spatenstich der Jägerschaft für ein 12000 Quadratmeter großes Feuchtbiotop inklusive 2500 Quadratmeter Wasserfläche.

Von Kuno Mahnkopf

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