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Ortsheimatpfleger Josef Engelke hat 17700 Artikel erfasst

Digitales Archiv erstellt Ortsheimatpfleger Josef Engelke hat 17700 Artikel erfasst

„Derart viele Zeitungsartikel hat meines Wissens kein anderer Ortsheimatpfleger im Unterichsfeld in einem digitalen Archiv zusammengetragen“, meint Josef Engelke (68) aus Nesselröden. 17 700 Beiträge, die ältesten erschienen bereits im 19. Jahrhundert, umfasst seine Sammlung.

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Josef Engelke

Quelle: Schauenberg

Nesselröden. Seit elf Jahren wertet Engelke, der früher als Elektrotechniker arbeitete, das Tageblatt, aber auch viele andere Blätter aus. Auf manche bewegende Geschichte ist er dabei gestoßen. Ein Beispiel: Nach dem Krieg lebten 600 Flüchtlinge in Nesselröden. Eine der Flüchtlingsfrauen reiste nach Berlin und war von da an verschwunden. Jahre später kam der Sohn der Frau, der in Kriegsgefangenschaft gewesen war, auf der Suche nach seiner Mutter nach Nesselröden. Der Bürgermeister konnte ihm nicht helfen. Erst 1955 meldete sich die Frau zurück. Sie war in Berlin in russische Gefangenschaft geraten und nach Sibirien deportiert worden. Ihr Sohn lebte mittlerweile in Australien.

Auch aus der Zeit der deutsch-deutschen Teilung gibt es dramatische Zeitungsberichte. Ein Thüringer wollte zur Goldenen Hochzeit seiner Eltern, die es durch dem Krieg nach Nesselröden verschlagen hatte, in den Westen reisen. Die DDR-Autoritäten gewährten ihm keine Ausreisegenehmigung. Vier Wochen später war der Vater tot.

Erst am Beerdigungstag erhielt der Sohn seine Reisepapiere. Ohne einen Pfennig Westgeld in der Tasche machte er sich vom Bahnhof in Westerode zu Fuß auf nach Nesselröden. Unterwegs hörte er die Totenglocke läuten. Als er auf dem Friedhof eintraf, war die Beerdigung bereits vorüber.

Die alten Zeitungsartikel spürt Engelke bei wöchentlichen Besuchen im Duderstädter Stadtarchiv auf. Von 9 bis 11.30 Uhr schaut er Bände durch. Alles, was mit Nesselröden zu tun hat, fotografiert er ab. Die Texte erfasst er mit Überschriften, Erscheinungsdaten und Schlagwörtern in Tabellen. Ausdrucke der Berichte lässt er binden.

Der Ortsheimatpfleger führt die Arbeit seiner Vorgänger fort. Egon Kreißl fing 1977 mit dem Sammeln an. Damals feierte der Ort das 750. Jahr seiner urkundlichen Ersterwähnung. Kreißl, der Konrektor der örtlichen Schule war, dokumentierte alles und fand gefallen an der Arbeit des Ortschronisten. Im Folgejahr setzte ihn der Ortsrat als ersten Ortsheimatpfleger des Dorfes ein. Hermann Böttcher, der das Amt 1991 übernahm, erweiterte die Jahreschroniken um Beiträge aus dem Vereinsleben.

Engelke begann mit der Digitalisierung und der Auswertung alter Zeitungen im Archiv. Die Sammlung bietet mittlerweile einen guten Startpunkt für das Erstellen von Chroniken oder das Erarbeiten von Vorträgen zu heimatkundlichen Themen.  

Von Michael Caspar

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