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Oskar Müller erweitert seine Ausstellung

Rathaus Duderstadt Oskar Müller erweitert seine Ausstellung

 Drei weitere Werke hat der Duderstädter Künstler Oskar Müller in seine Ausstellung "Querschnitt" im Duderstädter Rathaus aufgenommen. Seit Mittwoch sind zwei neue Bilder und eine weitere Skulptur zu sehen.

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Oskar Müller stellt im Duderstädter Rathaus "Querschnitt" aus. Seit Mittwoch, 26. Juli, werden drei neue Werke gezeigt, von denen sich ein Bild und eine Skulptur mit dem türkischen Präsidenten Erdogan beschäftigen.

Quelle: Eckermann

Duderstadt. Die Geschichte ist legendär: Nachdem ein Fan ihm eine Fledermaus auf die Bühne geworfen habe, soll der Black-Sabbath-Sänger Ozzy Osbourne dem Tier den Kopf abgebissen haben. Auch ein Taubenkopf soll während einer Bühnenshow im Mund des Schock-Rockers gesteckt haben. Dieses Motiv hat der Duderstädter Künstler Oskar Müller in einem der Werke aufgegriffen, die seit Mittwoch neu in der Ausstellung im Duderstädter Rathaus zu sehen sind.

Eine graue Mauer trennt die beiden Männer, die das Bild zeigt, voneinander - und Welten hinsichtlich ihrer Weltauffassung, so scheint es. Recep Tayyip Erdoğan am linken Bildrand ist gegenständlich dargestellt, aber überzeichnet. Die Schatten in seinem Gesicht wirken, als habe sich der türkische Präsident beschmutzt. Zumindest im Sinne des Bildes hat er das: Es zeigt ihn mit verzerrtem Gesicht, zwischen den Zähnen kleben die Überreste eines Taubenkopfes, in den Händen hält er die fedrigen Reste des Tieres.

Unrecht in der Türkei

Auch in der Bildmitte spielt das Friedenssymbol eine Rolle. Dort tragen zwei Tauben ein "A". Es ist von einem Schriftzug auf der Mauer entfernt, die Tauben tragen es zu einem weiteren. Aus "WAR" wird dadurch "PEACE". Als würde er sie in ihrem Tun anleiten, hockt vor der Mauer Pablo Picasso, aufgesprüht wie ein Graffitto.
"Das Unrecht, das in der Türkei geschieht, beschäftigt mich intensiv", erklärt Müller, warum er in seiner Ausstellung an mehreren Stellen das Thema aufgreift. So auch in einer Skulptur, die die Ausstellung ebenfalls seit Mittwoch ergänzt. ein halbes Jahr habe er daran gearbeitet, sagt Müller. Mit der Zeit sei das Werk "immer düsterer" geworden. Wie die Gefühle, die die Inhaftierungen beispielsweise von Journalisten bei ihm auslösten, sagt er. "Es ist nicht viel Phantasie nötig, um sich vorzustellen, wie Menschen in den türkischen Gefängnissen behandelt werden", sagt Müller. Er habe dies verdeutlichen wollen, indem er einem aus Holz gefertigtem Bein ein rostiges Aussehen gegeben habe und es zudem mit Stacheldraht überspannte. In den Spitzen: Ausrisse aus Zeitungen, die sich mit den Gefangennahmen von Redakteuren beschäftigen. "Ich hätte noch so viel mehr davon anbringen können", sagt Müller. "Die Gefängnisse reichen doch schon nicht mehr aus. er sperrt sie alle ein."

Politisch und provokant

Auf dem Bein thront ein Rumpf, der mehr einem Automaten gleicht als einem Menschen. Er habe das Militärische damit herausarbeiten wollen, begründet Müller. So bekommt das Sakko bei ihm die Funktion der Uniform. Die Knöpfe darauf zeigen Halbmonde - langsam verblassend. Auch die Krawatte um den kopflosen Hals ist damit gestaltet. Statt eines Einstecktuchs trägt der blecherne Rumpf ein passgroßes Schild, das aussieht wie eine Ausweiskarte: "Welcome to Turkey" steht darauf.
Müllers Werke in "Querschnitt" sind politisch und provokant. So auch das dritte der Werke, die neu aufgenommen worden sind. Graues Baby auf grauem Grund - aufgebracht mit Betonfarbe - darüber ein Mobilé mit knallroten Elementen: Cola-Dosen mit dem klassischen geschwungenen Schriftzug. "Cola gleich nach der Muttermilch", könnte der Titel lauten. "Das ist meine Art der Konsumkritik", sagt Müller. Dass er damit schockiert - wie auch die Reaktionen der Besucher der Ausstellung zeigen, die just den Raum betreten, sei gewollt. Oft weiche der erste Schock schnell einem Lachen - bis dann durchsickere, wie ernst das Thema eigentlich ist, sagt Müller. Sein Konzept werde im alterwürdigen Rathaus git angenommen, berichtet der Künstler. Die Besucherzahlen seien hoch, die Reaktionen positiv.
Noch bis Sonntag, 6. August, zeigt Oskar Müller im Duderstädter Rathaus "Querschnitt" mit Arbeiten aus den Jahren 2004 bis 2017. Zu sehen sind gegenständliche und surrealistische Malerei sowie Skulpturen und Installationen. Geöffnet ist täglich von 11 bis 16 Uhr.

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©Richter