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Oskar Müller stellt Werke im Rathaus aus

Duderstadt Oskar Müller stellt Werke im Rathaus aus

Von des Bundeshauptstadt in die Provinz verschlagen hat es den Künstler Oskar Müller vor 14 Jahren. Seitdem bereichert er die Duderstädter Kulturszene. "Querschnitt" nennt sich eine Ausstellung mit einer Auswahl seiner Werke im Rathaus, die am Freitag, 14. Juli, um 18 Uhr eröffnet wird.

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Quelle: ku

Duderstadt. "14 Jahre Oskar M" lautet der Untertitel der Ausstellung. Mit seinem Nachnamen fremdelt Oskar ein wenig. Müller klingt ihm zu altbacken. Weniger altbacken als erwartet hat er das Eichsfeld erlebt, das ihm zur neuen Heimat geworden ist. In seinem Atelier "Stadtgeflüster" experimentiert der 67-Jährige mit verschiedenen Stilen und Materialien, kokettiert mit Surrealismus, Kubismus und Pop Art, schafft Gemälde, Skulpturen und Installationen.

In der Region bekannt geworden ist der gebürtige Mannheimer spätestens mit einer spektakulären Nacht-und-Nebel-Aktion auf dem Duderstädter Stadtwall: Vor drei Jahren hat er in luftiger Höhe auf einem Totholzstamm eine als "blaues Männchen" in die Stadtannalen und Schlagzeilen eingegangene Figur installiert. Die Guerilla-Kunst auf dem Wall rief Fernsehteams auf den Plan und führte zu Anfragen im Stadtrat. Das Rätselraten war groß, bis sich Müller als Urheber der Kunstaktion outete.

Schöpfer des "blauen Männchens"

Der Skulpturtitel "Der Himmel über Duderstadt" war an den Wim-Wenders-Film "Der Himmel über Berlin" angelehnt. Bevor er aus familiären Gründen nach Duderstadt kam, hat Oskar mit seiner Frau Doris in Berlin mit eigenen Bildern ausgestattete Hotels betrieben, in denen Rainer Werner Fassbinder Filme drehte, David Bowie und Lou Reed Gäste waren. Müller war außerdem Restaurator für Kirchenmalerei, hat in Berlin als Illusions- und Fassadenmaler Spuren hinterlassen. Das "blaue Männchen", das er noch - diesmal im Licht der Öffentlichkeit - um ein "gelbes Mädchen" ergänzte, wollte er eigentlich versteigern. So wie Oskar in Duderstadt hat es dann aber Wurzeln auf dem Totholzstamm geschlagen: "Als Wallkunstwerk ist es auf so große Resonanz gestoßen, dass es jetzt doch dort stehen bleiben soll." Über die Anregung, es nachts mit einer Solarlampe anzustrahlen, will Oskar noch nachdenken.

Termin

Die Ausstellung "Querschnitt" mit Gemälden, Skulpturen und Installationen, die zwischen 2004 und 2017 in Duderstadt entstanden sind, wird vom 15. Juli bis 6. August im Bürgersaal des Rathauses gezeigt. In Augenschein genommen werden kann sie täglich von 11 bis 16 Uhr.

Derzeit ist er enttäuscht, dass ein weiteres Projekt an Sicherheitsfragen vorerst gescheitert ist: Zwischen den Schornsteinen der alten Duderstädter Ziegelei wollte er eine Skulptur aus Plastikmüll mit einer 3,50 Meter langen Stange auf einer Weltkugel balancieren lassen. Die globalen Probleme wie der Plastikmüll in den Weltmeeren, das Versagen von Politik, die populistischen Potentaten und narzisstischen Nationalisten, die "die Welt verfinstern", treiben den 67-Jährigen um  - und fließen in seine Arbeiten ein. Von Zwangsheirat bis Trump, der eine Steilvorlage bietet, arbeitet er auch politische Themen ab. Die Ausstellung im Rathaus sollen die Besucher über eine Fußmatte betreten, die eine Dollar-Note mit Trump samt Nimbus aus zerbeulten Cola-Dosen zeigt. Als Installation plant er eine Waschmaschine mit US-Flagge und Trump-Perücke. Auch eine Ecke mit Duderstädter Motiven - zum Teil Leihgaben bereits verkaufter Bilder - soll es im Rathaus geben. Müllers Duderstadt-Zyklus spielt im Stil des magischen Realismus mit Fachwerkgebäuden, den Anreischken als Symbolfigur der Stadt hat er mit Rock-Ikone Keith Richards verschmolzen. In einer Reihe mit kubistischen Bildern hat er die Stones ebenso wie Duderstädter Touristen verfremdet.

Für alle Stile offen

Ob gegenständlich oder abstrakt - stilistisch festlegen will sich Müller ebensowenig wie bei Technik und Material: "Ich bin da völlig schmerzfrei und setze auf verschiedene Art um, was mich gerade beschäftigt." Zurzeit arbeitet er mit Betonspachtel auf Leinwand, wenn er nicht als Brotjob Fachwerkhäuser gestaltet. Die Kunst beschränkt sich bei Oskar Müller nicht aufs Atelier. Seine Wohnung an der Marktstraße gleicht einem Gesamtkunstwerk. Der TV-Flachbildschirm steht auf einer Staffelei, der Kronleuchter steckt im Vogelkäfig. An die Zeit, als er passionierter Taucher war, knüpfen die Aquarius-Skulpturen an, in denen er unter anderem Tintenfisch, Frosch und Anglerfisch mit einem Scrotum kombiniert. Wie auf dem Cover des Sgt.-Pepper-Albums der Beatles tummeln sich überall Figuren der Zeitgeschichte, von Müller in Szene gesetzt und verfremdet: Salvador Dali, Charlie Chaplin, Andy Warhol, Marilyn Monroe, Prince, die Queen, Dagobert und Donald Duck. Und auf der Außenfassade des Ateliers kehrt in Anlehnung an Graffiti-Künslter Bansky ein Dienstmädchen die Evolutions- und Menschheitsgeschichte unter den Teppich.

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