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Leichtigkeit auf betoniertem Untergrund

Werke von Oskar Müller Leichtigkeit auf betoniertem Untergrund

Das Spiel mit Gegensätzen ist in den Werken des in Duderstadt lebenden Künstlers Oskar Müller ein Leitmotiv. In einer Ausstellung im Hotel „Prinz im Holztal“ hat es tiefe und ernste Einblicke hinter leicht und heiter wirkenden Szenen gegeben. Mehr als 100 Gäste folgten der Einladung zur Vernissage.

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Mehr als 100 Gäste kamen zur Vernissage.

Quelle: NR

Hilkerode. „Man darf nicht zu stark auftragen, sonst wird es zu schwer“, sagte Müller und sprach vom Untergrund. Der Künstler malt auf Beton – nur eben nicht auf Hauswänden, sondern auf Leinwand, die vorsichtig mit Beton überzogen wird. Der Effekt ist der gleiche wie bei Graffiti, nur sind Müllers Bilder nicht ortsgebunden, sondern können transportiert werden.

„Die Hotelinhaberin Yvonne Prinz fragte mich, ob ich hier in Hilkerode ausstellen würde“, erklärte Müller. Das Ambiente passte. Eine sommerliche Leichtigkeit durchströmte den Raum nicht nur durch den offenen Zugang zum Garten, sondern auch mit Easy Listening vom Saxophonisten Lothar Hendorf.

Leichtigkeit suggerierten auch die Bilder trotz ihres betonierten Untergrunds. Neben scheinbar schwebenden Tänzerinnen tauchten vor allem Ikonen des American Dream überall auf: Filmstars, Milliardäre oder Mickey Mouse. Die Disney-Figuren wirken ignorant gegen die einsetzende Auflösung ihres Umfelds, welche sich durch herunterlaufende Farben erahnen lässt.

Die Leichtigkeit bleibt vordergründig. Albert Einstein starrt dem Betrachter beinahe ratlos ins Gesicht: ein einfaches Verkehrsschild neben ihm verweist auf „Stop – War“. Schemenhaft wie hinter einem Gaze-Vorhang stellt sich im Hintergrund das Grauen der Welt dar als stummer, aber sichtbarer Schrei von Figuren, die verstümmelte Tote beklagen. Das Elend hinter dem Stop-Schild scheint weit weg zu sein und nicht zu der Welt im Vordergrund zu passen.

Ein anderes Bild zeigt Charlie Chaplin wie aus einer Szene in „Der große Diktator“, der mit verzweifelten Gesichtsausdruck die amerikanischen Stars and Stripes flickt. Viele von Müllers Werken sind angelehnt an kunstvolle Graffitis, auch mit schriftlichen Botschaften: „Don´t stop the party“ prangt neben dem Apple-Gründer Steve Jobs, und auf der Suche nach dem „Code of Love“ wirkt eine Frauengestalt wie zerspringendes Porzellan. Die sehenswerte Ausstellung wird innerhalb des Hotels nochmal umgelagert und dann an den Wänden in den Gasträumen zu sehen sein.

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©Richter