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Ottobock-Personalchef Carsten Hochwald diskutiert beim Forum Eichsfeld mit

Manager, Macher, Mensch Ottobock-Personalchef Carsten Hochwald diskutiert beim Forum Eichsfeld mit

irector Human Resources. Personalchef. Das klingt nach einstellen und rauswerfen, nach headhunten und kopfrollenlassen. Doch dieses Klischee will Carsten Hochwald, der den Job des Personalers für Ottobock Deutschland bekleidet, so gar nicht erfüllen. Jugendlich, offen, freundlich und dabei ruhig und aufmerksam wirkt der 40-Jährige, als er in seinem gut sitzenden Anzug in den Empfangsbereich des Weltmarktführers für Orthopädie eintritt. Ein Bewerbungsgespräch mit ihm dürfte mehr sein, als das Abfragen von Referenzen und das Herunterbeten von Schlüsselqualifikationen.

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Trägt bei zur Gesundheit der Mitarbeiter im Unternehmen Ottobock: Carsten Hochwald.

Quelle: Richter

Duderstadt. Denn bereits in den ersten Minuten lässt er aufblitzen, was seine Qualität ist: Er hört zu.

Seit der studierte Wirtschaftspädagoge im April 2014 seinen Job in neuer Funktion angetreten hat, hat er den Mitarbeitern bei Ottobock viele Fragen gestellt. Er erkundigte sich nach ihrem Gesundheitszustand, nach ihrer Zufriedenheit im Betrieb, nach Wünschen und Ideen zur Verbesserung. Mit den Ergebnissen einer Umfrage, an der jeder Mitarbeiter im Unternehmen teilnehmen konnte, will er nun dazu beitragen, ihren Arbeitsplatz attraktiv zu gestalten. Dass damit mehr gemeint ist als die Grünpflanze am Schreibtisch, wird schnell klar, wenn er von einem „Meilenstein“ im Jahr 2014 im Unternehmen spricht: Einem Konzept zur Erhaltung seelischer Gesundheit. „Viele Menschen leiden an Stressbelastungen, im Privaten wie auch im Beruflichen“, schildert er den Hintergrund. Ansprüche der Familie, hohes Zeitaufkommen, da beide Partner arbeiten gehen, Ärger mit den Kindern, Leistungsdruck, finanzielle Probleme, Anforderungen der digitalen Welt – die Gründe dafür könnten vielschichtig sein. Bis hin zum Burn-out sei der Weg dann manchmal nicht weit. Doch ohne sich mit dem Thema je beschäftigt zu haben, könnten Führungskräfte möglicherweise nicht adäquat reagieren, wenn ein Mitarbeiter – oder aber sie selbst – betroffen seien. „Stress-Signale müssen erst einmal erkannt werden“. Also habe er die Angestellten in Leitungsfunktionen Seminare besuchen lassen, die darauf trainieren, ebenso auf den Umgang mit Mitarbeitern: „Wertschätzung und Anerkennung“ spielen eine große Rolle dabei“, erklärt Hochwald.

Zudem ließ er eine Hotline einrichten, unter der Mitarbeiter jederzeit jemanden erreichen, der sich mit ihren Sorgen und Nöten beschäftigt – auch wenn diese nichts mit der Firma zu tun haben. Dort fänden sie seit dem vergangenen September Beratung in allgemeinen Lebensfragen. Und nicht nur sie: „Auch Familienmitglieder können sich dort melden“.

Das Gesundheitsmanagement komme den Mitarbeitern ebenso zugute wie dem Unternehmen: Gesunde und zufriedene Mitarbeiter leisten nun einmal bessere Arbeit. Und: Sie bleiben dem Unternehmen erhalten oder ziehen es eher in Erwägung, dafür zu arbeiten, wenn sie auf Jobsuche sind. In Zeiten des Fachkräftemangels ein entscheidender Faktor.

So strebt Hochwald an, auch im laufenden Jahr weiter darauf hin zu arbeiten. Neben der bestehenden Kooperation mit dem Fitmaxx könne es beispielsweise sportliche Betätigungen oder Rückenschulungen auch am Arbeitsplatz geben, schwebt ihm vor.

Außerdem sieht der Vater zweier Kinder, der in Göttingen lebt, die Flexibilisierung von Arbeitszeiten, Möglichkeiten zur Heimarbeit und Angebote zur Familienfreundlichkeit im Unternehmen als Faktoren zur Attraktivitätssteigerung an. Auch Lebensarbeitszeitkonten und ähnliche Modelle zieht der Personalchef, der bereits für Siemens gearbeitet hat, in Betracht. Doch vor allem stehe wieder die Frage nach dem, was die Mitarbeiter brauchen: In einem Workshop wolle er die Bedürfnisse erfragen und anschließend darauf reagieren. Ähnlich, wie dies in der Vergangenheit bereits geschehen sei: Es gab den Bedarf für neue Parkplätze, die nun gebaut sind. Oder aber ganz einfache Maßnahmen wie das Reichen von Mineralwasser und Kaffee in den Produktionsstrecken. Wichtig sei eben, zuzuhören, wenn jemand eine Idee äußert.

Daher falle in seinen Bereich auch das sogenannte Ideenmanagement, in dem Mitarbeiter Verbesserungsvorschläge äußern können und eventuell sogar Premien dafür erhalten.

Insbesondere die jungen Mitarbeiter wolle er hierbei stärker ins Boot holen und plant für den Herbst ein Planspiel unter den Azubis im zweiten Lehrjahr: Sie sollen Geld in die Hand bekommen, um ein eigenes Geschäftsmodell samt Businessplan und Unternehmensstruktur auf die Beine stellen zu können. Dies soll dazu beitragen, eine ganzheitliche Ausbildung zu ermöglichen, die wiederum dem einen großen Ziel dient: Das Unternehmen möglichst attraktiv für die Mitarbeiter zu gestalten. Dann können die jungen Leute selbst einmal ausprobieren, was Hochwalds tägliches Geschäft ist: Mitarbeiter auswählen, motivieren und Konzepte aus Ideen entwickeln.

Hochwald ist einer der Podiumsdiskutanten beim Forum Eichsfeld am Donnerstag, 5. Februar, in der Duderstädter Sparkasse. Die übrigen Teilnehmer der Expertenrunde werden in den nächsten Ausgaben vorgestellt.

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