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Kampf gegen Schimmel und Silberfische

Papierrestauratorin rettet Kreuzwegbilder Kampf gegen Schimmel und Silberfische

Nach erfolgreicher Sanierung hängen die Kreuzwegbilder wieder in der Kirche „St. Johannes Baptist“ in Immingerode – befreit vom Schimmel sowie mit ausgebesserten Rissen und Fehlstellen. In der Messe zur Kirchweih am Sonntag, 16. Oktober, um 9 Uhr soll Pfarrer George Velooparampil die Bilder segnen.

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Marie-Theres Rathswohl, Kirsten Meyer und Karl Rathswohl (v.l.) mit der renovierten fünften Station der Kreuzwegbilder.

Quelle: RF

Immingerode. Die Chromolithografien, farbige Steindrucke, aus dem Jahr 1893 zeigen Darstellungen der 14 Kreuzwegstationen. „Für jede Farbe wurde ein eigener Stein verwendet“, beschreibt  Papierrestauratorin Kirsten Meyer das Druckverfahren, das auch bei den Immingeröder Bildern Anwendung fand.

Die Feuchtigkeit hatte den Bildern zugesetzt. „In der Kirche herrschen oft große Temperaturschwankungen“, erklärt Kirchengemeinderatsmitglied Marie-Theres Rathswohl. Das Papier habe dem Schimmelpilz zusätzlich als Nahrung gedient, erläutert die Restauratorin. Schädlinge wie Silberfische taten ihr übriges. Die letzten drei Stationen vom Tod am Kreuz, der Abnahme vom Kreuz und der Grablegung hatten an der Wetterseite der Kirche besonders stark gelitten. „Dort stand sogar Wasser in den Rahmen“, berichtet Kirchengemeinderatsmitglied Karl Rathswohl.

Feuchtigkeit durch große Temperaturschwankungen

Auf Empfehlung von Monika Tontsch vom Denkmalpflegeamt in Hildesheim übernahm die Papierrestauratorin aus Visselhövede die Aufgabe, die Bilder zu retten. „Zunächst habe ich den Schimmel, der auf den Bildern saß, mit einem Schwamm aus Naturkautschuk abgenommen“, so Meyer. Anschließend desinfizierte sie das Papier, denn der Pilz war noch aktiv. Mit Japanpapier schloss sie die Fehlstellen und Risse. „Japanpapier lässt sich wegen seiner langen Fasern besser verarbeiten als das kurzfaserige europäische Papier“, erklärt Meyer.

Später passte sie die weißen Stellen im Bild mit Farbe an. „Ich habe den Anspruch, dass meine Ergänzungen sichtbar sind“, sagt sie. „Ich bin schließlich keine Kunstfälscherin.“ Allerdings müsse der Betrachter nah herangehen, denn „von weitem soll es schon ein geschlossenes Bild ergeben“.
Um die Bilder nicht gleich wieder den ungünstigen Bedingungen an den Kirchenwänden auszusetzen, hat die Restauratorin auch für geeignete Rahmen gesorgt. Hingen die Werke vorher mit braunem Paketklebeband auf dünne Holzbretter geklebt in den Rahmen direkt zwischen Glasscheibe und Wand, so kann nun die Luft dank Abstandshaltern zur Glasscheibe zirkulieren. Auf der Rückseite geben nun Weinkorken den Abstand zur kalten Kirchenwand vor.

Nach fast drei Jahrzehnten wiederentdeckt

14 Stationen: Gedruckt wurden die Immingeröder Chromolithografien nach Fotografien, die Johannes Klein Ende des 19. Jahrhunderts von Gemälden des Regensburger Malers Karl Flugl angefertigt hatte. „Während einer Renovierung 1968 wurden die Bilder abgehängt“, erklärt Marie-Theres Rathswohl aus dem Kirchengemeinderat. „Danach hingen dort kleine Bilder, die nun bei der Pietà über dem Opferlichterstock angebracht werden.“ Zu der Zeit sei unter anderem auch die Kanzel ab- und der neue Opferaltar eingebaut worden. Pfarrer Konrad Wersch ließ die Kirche 1995 erneut renovieren. Die Kanzel kam zurück und auch die Kreuzwegbilder, deren Rahmen Ewald Nolte und Hubert Borchardt restaurierten. Sie lagerten fast drei Jahrzehnte auf dem Dachboden.

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©Richter