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Papst erhebt Duderstädter Kirche St. Cyriakus zur Basilika

„Kleinere Basilika“ Papst erhebt Duderstädter Kirche St. Cyriakus zur Basilika

Papst Franziskus hat der Duderstädter Kirche St. Cyriakus, die auch als Oberkirche oder Eichsfelder Dom bekannt ist, den Ehrentitel Basilica minor („Kleinere Basilika“) verliehen. Das Bistum Hildesheim und die Deutsche Bischofskonferenz hatten einen entsprechenden Antrag der Gemeinde unterstützt. Bischof Norbert Trelle kommt am Sonnabend, 3. Oktober, für einen Gottesdienst nach Duderstadt.

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Duderstädter Kirche St. Cyriakus ist neuerdings eine Basilika.

Quelle: Richter

Duderstadt. „Propst Bernd Galluschke hat viele Nächte über den Antragsformularen gesessen“, berichtet Notar Hans-Peter Menge. Die Idee, für die Duderstädter Kirche St. Cyriakus den Ehrentitel einer Basilika zu beantragen, sei nach dem Papstbesuch 2011 im Eichsfeld aufgekommen, erinnert sich Menge. Der historisch versierte Jurist arbeitete Galluschke bei der Antragstellung zu.

„Die gotische Hallenkirche St. Cyriakus, die einen romanischen Vorgängerbau ersetzt hat, ist um 1500 vollendet worden“, berichtet Konservatorin Monika Tontsch von der Denkmalspflege des Bistums in Hildesheim. Im Bistum verfügten die Katholiken nur über wenig vergleichbare Gebäude. Sie hätten während der Reformation viele ihrer repräsentativen Gotteshäuser, wie den Dom zu Verden an der Aller, an die evangelischen Christen verloren.

„Das Gotteshaus verfügt zudem über eine reiche Ausstattung“, erklärt Tontsch. Viele der gotischen und barocken Schätze, die im Laufe von Jahrhunderten zusammengekommen seien, hätten sich erhalten. Anderswo seien Kirchen dagegen geplündert oder gar zerstört worden.

„Maria Kapp hat die wertvollen Bestände in einem 285 Seiten starken Inventar beschrieben“, berichtet die Konservatorin. Sie hebt das Nordhäuser Kreuz hervor, das Kaiser Otto III. um das Jahr 1000 dem Frauenstift in Nordhausen vermachte. Es soll einen Partikel jenes Kreuzes enthalten, an dem Jesus Christus gestorben ist, und machte die Reichsstadt zu einem Wallfahrtsziel. Nachdem die Region evangelisch geworden war, vermachte das Stift das Kreuz 1675 den Duderstädtern. 

Tontsch erwähnt auch den Hochaltar, der Anfang des 16. Jahrhunderts entstand und seit der Neugestaltung des Altarraums wieder vom Kirchenschiff aus gut sichtbar ist. Andere wertvolle Objekte sind das spätgotische Relief der heiligen Sippe, das die Verwandtschaft Jesu darstellt, die zehn Gildeleuchter, die einst von Gilden bei Prozessionen mitgeführt wurden, oder die einzigartige, 2006 sanierte Barockorgel von Johannes Creutzburg.

Die Ausstattung spiegelt die Bedeutung der Kirche wider:  „In Duderstadt residierte von 1636 bis 1783 der Bischöfliche Kommissarius des Erzbistums Mainz“, sagt Notar Menge. Der Kommissarius sei vom Erzbischof mit großer Entscheidungsgewalt ausgestattet worden. „Nachdem das Untereichsfeld im 19. Jahrhundert zum Bistum Hildesheim kam, hat der gebürtige Duderstädter Georg Kardinal von Kopp dafür gesorgt, dass St. Cyriakus Propsteikirche wurde“, so Menge weiter. Im Bistum gebe es nur vier solcher Gotteshäuser. Der Papst habe die Oberkirche aber auch wegen ihres sozialen Engagements und ihres lebendigen kirchlichen Lebens zur Basilika erhoben.

Von Michael Caspar

Brauchtum und Basilika-Bier

„Das hebt das Ansehen des Eichsfelds“, meint Rhumspringes Pfarrer Markus Grabowski zur Erhebung von St. Cyriakus zur Basilika. Die ganze Region freue sich. Sie schaue aber deswegen nicht auf andere Regionen herab, die keine solche Kirche hätten. „Gott ist den Menschen natürlich auch woanders nahe“, stellt der Pfarrer klar.

Altpropst Wolfgang Damm staunt, wie schnell der Papst dem Duderstädter Basilika-Antrag zugestimmt hat. Es sei naheliegend gewesen, dass sein Nachfolger nach dem Besuch des Heiligen Vaters im Eichsfeld die Verbindung der Oberkirche „nach oben“ deutlicher machen wollte.

„Die Göttinger Katholiken, unter denen es viele Eichsfelder gibt, sind begeistert“, erklärt der Göttinger Dechant Wigbert Schwarze. Er werde bei der Feier mit dem Hildesheimer Bischof Norbert Trelle mit dabei sein.

„Der Papst hat eine lebendige Gemeinde ausgezeichnet, die neue Wege geht, aber auch das alte Brauchtum pflegt“, erklärt Duderstadts lutherische Pastorin Christina Abel. Die Eichsfelder identifizierten sich im besonderen Maße mit ihren Kirchen. Das verdiene Anerkennung.

„Wir reformierten Christen haben ein nüchternes Verhältnis zu unseren Gebäuden“, meint Pastor Markus Kamper aus Sattenhausen. Zu seiner Gemeinde gehören auch 150 Gläubige im Untereichsfeld. Sie würden keine Kirche mit einem Ehrentitel herauszuheben. Allerdings entwickelten auch Reformierte eine besondere Beziehung zu dem Ort, an dem sie getauft, konfirmiert und getraut worden seien. Deshalb könne er die Freude der Duderstädter teilen, so Kamper.

„Die Verleihung des Ehrentitels macht die Vielfalt und den kulturellen Reichtum des Landkreises Göttingen deutlich“, sagt Landrat Bernhard Reuter (SPD). Aus der christlichen Tradition des Eichsfelds heraus erwachse zum Beispiel die beeindruckende Hilfsbereitschaft und der zupackende Pragmatismus bei der Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen. Es sei schön, dass diese spirituelle Kraft Anerkennung finde.

„Der Papst würdigt die besondere Bedeutung, die dem Eichsfelder Dom von jeher zukommt“, erklärt Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU). Er kündigt Verbesserungen im Umfeld der Kirche an. Erste Gespräche mit dem Propst sowie mit der Denkmalpflege hätten stattgefunden.

„Die Erhebung ist ein wichtiger Baustein, um den spirituellen Tourismus in der Region künftig stärker ausbauen zu können“, meint Sebastian Tränkner von der Stadtmarketinginitiative Duderstadt 2020. Andere Elemente seien die Wanderstecken für Pilger oder die Auszeit-Angebote des Duderstädter Ursulinenklosters.

Hans-Georg Kracht, Geschäftsführer der HVE Eichsfeld Touristik, nennt den Effelder Dom und den Eichsfelder Krippenweg als weitere Attraktionen für spirituell interessierte Gäste. In Etzelsbach sei nach dem Papstbesuch ein Informationszentrum entstanden, dass gut besucht werde.

Unterdessen planen zwei regionale Brauereien Basilika-Biere: die Duderstädter Braumanufaktur und die Worbiser Brauerei Neunspringe.

Basilicae minores

„Basilika“ ist ein Ehrentitel, den der Papst katholischen Kirchen von besonderer Bedeutung verleiht. Der Titel ist nicht mit dem kunsthistorischen Basilika-Begriff zu verwechseln, der für ein mehrschiffiges Kirchengebäude steht.

Neben einer Handvoll Basilicae maiores („größere Basiliken“) gibt es weltweit rund 1650 Basilicae minores („kleinere Basiliken“), davon 75 in Deutschland.

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