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Perspektiven für den Lebensraum Thema in Duderstadt

Vortrag zum Leader-Programm Perspektiven für den Lebensraum Thema in Duderstadt

Landlust überwiegt Landfrust. Das haben Studien zur Lebensqualität auf dem Land bestätigt. Mit einem Vortrag über Perspektiven für den Lebensraum Dorf hat Fachhochschulprofessor Helmut Ulrich Harteisen bei der Auftaktveranstaltung für die neue Förderperiode des EU-Programms Leader Mut gemacht.

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Ulrich Harteisen

Quelle: MW (Archivbild)

Duderstadt. „Die Dorfgemeinschaft ist eine Ressource, die in Kopplung mit Selbstwirksamkeitserfahrung eine gute Basis für bürgerschaftliches Engagement ist“, lautet ein Fazit von Harteisen, das der Leader-Idee sehr nah kommt: „Die Projekte tragen dazu bei, die Entwicklung lebendiger Dörfer zu unterstützen.“ Es gebe berechtigte Sorgen um die Lebensqualität auf dem Dorf, von Untergangsstimmung könne aber keine Rede sein. Trotz demografischen Wandels und bröckelnder Infrastruktur ist Harteisen überzeugt, dass es auch in 100 Jahren noch eine vielfältige Dorflandschaft in Deutschland gibt. Rund die Hälfte der Bevölkerung lebe in bundesweit 35 000 Dörfern, die Gesellschaft trage Verantwortung für dieses Kulturerbe. In dem Medien werde das Dorfleben eher problematisiert, die Dörfler sollten aber selbstbewusst mit ihrem Erbe umgehen.

 
„Das Bild vom schönen alten Dorf prägt bis heute die Vorstellung vom Dorf“, meint Harteisen. Einen Strukturwandel habe es auch in der Vergangenheit gegeben, typische Baukulturen und Formen des Soziallebens hätten sich aber erhalten, sagt der Wissenschaftler und spricht vom „Phänomen der Persistenz des Dorfes“. Nach jahrhundertelanger Kontinuität sei in der Nachkriegszeit die Einheit von Wohnen und Arbeiten durch berufliches Auspendeln ersetzt worden: „Wir leben multilokal.“ Nach Urbanisierungsprozessen, Modernisierungswellen und autogerechter Gestaltung bis in die 80er-Jahre hinein habe es ein Umdenken gegeben. Dörfliche Kulturlandschaft und Ökologie seien wiederentdeckt worden.

 
Wohlfühlfaktoren wie Natur, Naherholung, Garten, Vertrautheit und Gemeinschaft würden Menschen emotional ans Dorf binden und würden höher bewertet als die sich verschlechternden Rahmenbedingungen der Infrastruktur. Als Herausforderung für das 21. Jahrhundert nennt Harteisen „die Gestaltung des Weniger“ auf drei Ebenen: Ortsbild, Versorgungsstruktur und Sozialleben. Auch das Dorf als Unternehmensstandort müsse wieder ins Auge gefasst werden. Die Leader-Projekte würden dazu beitragen, wieder Leben in die Dörfer zu bringen – unter anderem durch Marketing, Kulturangebote, Dorfwerkstätten, Dorfmoderation und Dorfläden.

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