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Peter Prange liest in Duderstadt aus seinem neuen Roman

Vom toten Kaiser lebendig erzählt Peter Prange liest in Duderstadt aus seinem neuen Roman

Maximilian ist müde. Mit nichts anderem hätte der Kaiser seinen Tross, der ihn im Januar 1519 seit dem Aufbruch in Innsbruck begleitete, mehr überraschen können als damit. Vom Kreuzzug gegen die Türken hatte er zuvor geträumt, doch wovon hätte er ihn bezahlen sollen?

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Kerzen und Fachwerk: Im Couphus des Rathauses stellt Peter Prange seinen neuen Roman über Kaiser Maximillian vor.

Quelle: Richter

Duderstadt. Und nun steht der Priester nachts bei ihm, der letzte Kampf, den der einst kraftstrotzende Herrscher zu kämpfen hat, ist der gegen den Tod: 

„Ich bin gescheitert, nicht wahr?“, fragt er am Sterbebett. Das Reich bröckelt, Enkel Karl ist noch nicht gewählt. Am Totenbett sieht sich Max seinem Scheitern gegenüber. „Der Kaiser ist tot“, wird schließlich verkündet.

Peter Prange, der am Mittwochabend im Couphus des Rathauses in Duderstadt seinen neuen Roman „Ich, Maximilian, Kaiser der Welt“ vorgestellt hat, rollt in seiner Lesung die Geschichte des ewig im Schatten seines Enkels stehenden Kaisers von hinten auf – und zieht damit von der ersten Minute an die Zuhörer in seinen Bann.

Dieser Mann ist tatsächlich so gestorben

„Die Sterbeszene habe ich mir nicht aus den Fingern gesogen. Dieser Mann ist tatsächlich so gestorben“, bricht Prange die während der düsteren Szene entstandene Stille im Publikum. Der Prolog „Der Tod des Kaisers“ sage viel aus darüber, wie der Charakter des Herrschers  beschaffen war: Gottergeben bis ins Mark, zugleich hochmütig bis hin dazu, dass er sich selbst das Strafmaß beimisst, als er vor seinen Schöpfer trifft.

Ein europäisch denkender Mensch, der schon damals Friede, Wohlstand und Freiheit als seine Ziele definierte. Letzter Ritter des Mittelalters, erster Kaiser der Neuzeit, Machtmensch und Prachtmensch, Freund von Künstlern und Philosophen und ein Mann zwischen zwei Frauen.

Da ist Rosina, das „süße, verbotene Mädchen“. Sie steht ihm zur Seite, als er die Insignien seiner Macht beiseite legt und fordert „Bringt meinen Sarg.“ Ein eigener Entwurf, den er seit vier Jahren bei allen seinen Reisen bei sich trägt. Als Sühne und Strafe verlangt er, den Schädel rasiert zu bekommen, nicht gesalbt zu werden, die Zähne herausgerissen zu bekommen und in einem Sack unter dem Altar festgemacht zu werden, damit der Priester, wenn er die Messe hält, auf seinem Herz herumtrampele.

Schlabbernder Vater, fassförmiger Onkel

Die zwei Jahre ältere Frau ist seine Mätresse, die ihn mit 14 Jahren in die Geheimnisse der Liebe eingeführt hatte und deren Herz er mit einem Turniersieg für sich gewann. Für sie hatte sich Max als junger Mann entschieden – gegen den Willen des meloneschlabbernden Vaters, seines Kanzlers und den des Onkels, der den begründeten Beinamen „das Weinfass“ trug.

Die strategisch denkenden Herren hatten bereits Marie von Burgund als Braut für den Sprössling auserwählt, den „begehrtesten Zankapfel von ganz Europa“, so Prange in einem seiner Einschübe, in denen er zwischen den gelesenen Passagen unterhaltsam die historischen Zusammenhänge erläuterte.

Die begehrte Braut ist alles andere als das schwindsüchtige, hässliche Geschöpf, das Maximilian nach Schilderungen vom französischen Hof erwartet hatte. „Gott muss gelächelt haben, als er sie erschuf.“

Während der Vater die Auswahl einer Ehefrau anhand eines Stammbaumes und der zu erwartenden finanziellen Vorteile trifft, ist Max ein Mann der Emotionen und der Ehre. Auch als Herrscher hält er nicht viel von seinem Vater. „Er hat keinen Zauber“, stellt er an seinem Vater fest. Anders Herzog Karl der Kühne mit seiner Größe, seinem Reichtum, seinem Charisma. Wie er will er sein.

1000 Jahre Geschichte in zehn Romanen

Prange reißt sein Publikum mit, wie Maximilian seine Entourage mitreißen könnte. Bis zur letzten Minute zieht er die rund 100 Gäste in seinen Bann, wenn er liest und wenn er plaudert. Dabei gelingt es ihm, eine Nähe zum Publikum aufzubauen. Dazu tragen kleine Duderstadt-spezifische Anekdoten bei.

„Ganz kurz ist mir das Herz stehengeblieben“, sagt er beispielsweise, nachdem Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) in seiner Begrüßung die nicht vorhandene Duderstädter Bahnstation erwähnt hatte – mit dem Hinweis „Das wird wohl nichts mehr.“ Was wäre, wenn Duderstadt wieder an das Bahnnetz angeschlossen wäre? „Was würde ich diese Stunde Fahrt, kreuz und quer durch die Pampa vermissen“, sagte Prange und hatte die Lacher auf seiner Seite.

Erst recht begeisterte er, als er schilderte, dass er Lesungen in drei Städten brauche, um das Gefühl zu haben, ein Buch sei abgeschlossen: In seiner Heimatstadt, der Stadt, in der er als Sohn von Betten Prange berühmt ist. In Tübingen, dem jetzigen Wohnort – „und ich spreche noch immer kein Schwäbisch.“ Und in Duderstadt.

Dort wolle er noch dreimal auftreten, bis er sein „ungeplantes Lebenswerk“ vollendet habe: 1000 Jahre Geschichte in zehn historischen Romanen zu erzählen. „Danach kann ich beruhigt in die Grube fahren.“

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