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Pflegekooperation in Duderstadt

Berufsschule, Caritas, Krankenhaus und Malteser Pflegekooperation in Duderstadt

Viel Stress, wenig Geld. Pflegeberufe haben eine sichere Zukunft, aber ein Imageproblem. Der Bedarf wächst, das Interesse ist gering, händeringend werden Fachkräfte gesucht. Um dem Nachwuchsmangel entgegenzuwirken, haben in Duderstadt vier Einrichtungen ein Bündnis geschmiedet, das bundesweit Seltenheitswert hat.

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Berufsschule, Caritas, Krankenhaus und Malteser schmieden Bündnis für Pflegeberufe.

Quelle: Mahnkopf

Duderstadt. Mit einer gemeinsamen Initiative wollen sich der Caritasverband, die Malteser-Berufsfachschule für Pflegekräfte, die Gesundheits- und Krankenpflegeschule St. Martini und die Berufsbildenden Schulen (BBS) um Nachwuchs bemühen. Stichworte sind Berufsorientierung an Schulen, Informationen, Öffentlichkeitsarbeit, gemeinsames Auftreten, Kontakt untereinander und zu anderen Gremien.

„Wir wollen unsere Stärken bündeln und – auch auf politischer Ebene – dazu beitragen, die Arbeitsbedingungen weiter zu verbessern“, sagt BBS-Leiterin Sabine Freese. Der aktuelle Gesetzentwurf zur Pflegereform sei eine notwendige Anpassung, sind sich die Kooperationspartner einig. Berufsgruppen wie Ärzte und Pflegekräfte gegeneinander ausspielen will Caritas-Sozialstationsleiter Gerd Hegerkamp nicht, merkt aber an, dass der Pflegebereich vernachlässigt worden sei und die Dokumentation zu viel Zeit binde.

Das bestätigen junge Auszubildende ebenso wie ältere Quereinsteiger, die ihren Beruf dennoch lieben gelernt haben. „Der Alltag ist stressig, aber erfüllend“, sagt Philipp Nachtwey aus Nesselröden, der ursprünglich Fliesenleger gelernt hat. Silke Dix pflichtet ihm bei, spricht von Berufung, menschlicher Nähe und dem Gefühl, gebraucht zu werden: „Man ist auch ein Stück Familie.“

So idealistisch denken nicht alle, die Bewerbungen für Pflegeberufe sind rückläufig. Vor 20 Jahren habe es noch 350 bis 400 Bewerber gegeben, derzeit seien es nur noch 100, berichtet Pflegeschulleiterin Ulrike Otto (St. Martini). Hegerkamp bedauert, dass es kaum noch Interessenten für Altenpflegepraktika gebe: „Dabei müssten uns junge Leute eigentlich die Türen einrennen.“ An Argumenten, die für Pflegeberufe sprechen, mangelt es aus Sicht der Ausbilder nicht: vielfältige Beschäftigungsmöglichkeiten, Teamarbeit, Praxisanleitungen, Abwechslung, Aufstiegschancen, innere Zufriedenheit und Ausbildungsvergütungen, die sich durchaus sehen lassen könnten.

„Geld ist nicht alles, spielt aber dennoch eine Rolle“, meint Caritas-Chef Ralf Regenhardt und plädiert für ein gemeinsames Tarifwerk Soziales mit einheitlichen Vergütungen, das angesichts von rund 60 Prozent privater Träger von Pflegeeinrichtungen in Niedersachsen schwer durchsetzbar sei.

Interessenten für Pflegeberufe wird geraten, vor der Ausbildungsentscheidung ein Praktikum zu absolvieren – schon um zu sehen, ob man sich darauf einlassen kann. Zum Berufsfeld gehört schließlich auch, sich mit ethischen Fragen auseinanderzusetzen, Hilfe beim Toilettengang zu leisten, auf Tod und Sterben gefasst zu sein .

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