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Pilgerfahrt-Premiere für Menschen mit Einschränkungen

Wallfahrt mit Malteser-Großmeister Pilgerfahrt-Premiere für Menschen mit Einschränkungen

Die Wallfahrtswiese in Germershausen ist am Sonntag, 14. Juni, Schauplatz einer Premiere: Im Rahmen des Bistumsjubiläums wird dort erstmals eine Marienwallfahrt für Menschen mit Behinderung, Kranke und Ältere ausgerichtet.

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Anlaufpunkt für Pilger: Wallfahrtskirche Germershausen.

Quelle: Pförtner

Germershausen. Prominenter Gast ist Matthew Festing, Großmeister des im 11. Jahrhundert in Jerusalem gegründeten Malteserordens.

Um 11 Uhr gestaltet Propst Bernd Galluschke mit den Diakonen Norbert Koch (Hildesheim) und Martin Wirth (Göttingen) einen Gottesdienst auf der Wallfahrtswiese, musikalisch begleitet vom Gospelchor Duderstadt und Julius Ruben Napp an der Orgel. Die Kollekte ist für eine Wallfahrt nach Lourdes für Menschen mit Behinderungen bestimmt. Gelegenheit zum Gespräch bietet ab 12.30 Uhr ein Mittagessen in der Bildungsstätte, das Blasorchester Duderstadt gibt ein Platzkonzert. Um 14.30 Uhr schließt sich die ökumenische Schlussandacht mit dem Chor „Einigkeit“ aus Tiftlingerode und Möglichkeit zum persönlichen Segen an.

Anreisepunkt zum Aussteigen ist der zentrale Parkplatz, Parkgelegenheiten gibt es im Ort und auch auf der Wallfahrtswiese. Direkt am Parkplatz postieren sich mit einem Button gekennzeichnete Betreuer, um Wallfahrern zu helfen. Es stehen behindertengerechte Toiletten und – falls erforderlich – ein Wickelraum in der Bildungsstätte zur Verfügung. Alle Teilnehmer der Wallfahrt erhalten zur Erinnerung einen roten Bistumsschal, es wird ein Videofilm für die Bistumsseite gedreht, auch der NDR hat sich  angekündigt. Unterstützt wird die Wallfahrt von einem ehrenamtlichen Vorbereitungsteam aus Germershausen, von Maltesern, Caritas, Deutschem Roten Kreuz, Lebenshilfe und Feuerwehr.

Die Wallfahrt betrachtet Galluschke auch mit Blick auf die vielen jungen Helfer als „Inklusionsveranstaltung“. Viele Menschen seien wegen Bewegungseinschränkungen sonst von Wallfahrten ausgeschlossen, gerade ein Marien-Wallfahrtsort sei für Kranke ermutigend: „Wir wollen Menschen, die sonst am Rande stehen, in die erste Reihe setzen.“ Ein Teilnehmer werde sogar von den Maltesern aus Cuxhaven abgeholt.

„Gebete haben mir Kraft gegeben“

Tiftlingerode. Beeindruckt vom großen Engagement der vielen Helfer, die die erste Wallfahrt für Menschen mit Behinderung, Kranke und Ältere in Germershausen organisieren, ist Willi Klingebiel (68). Der Behindertenbeauftragte der Stadt Duderstadt ist seit einem Arbeitsunfall vor 28 Jahren querschnittsgelähmt. Seit seiner Kindheit ist Klingebiel, der Messdiener war und seit Jahrzehnten im Vorstand der Kolpingsfamilie Tiftlingerode aktiv ist, gläubiger Katholik.

Trotz seines Unfalls und weiterer Schicksalsschläge – sein Sohn Jens wurde vor zehn Jahren im Alter von 27 Jahren in Südafrika ermordet – hadert der passionierte Brieftaubenzüchter nicht mit Gott. „Sicher gerät man ins Grübeln“, räumt der Rollstuhlfahrer ein: „Gebete haben mir aber Kraft gegeben, Gott hat mich stets begleitet – bei positiven und negativen Lebenserfahrungen. Wie durch ein Wunder ist nach meinem, mit einer Amnesie verbundenen Unfall die Erinnerung zurückgekehrt, der Glaube hat mich in der Reha und beim behindertengerechten Hausumbau angespornt.“

Wenig behindertengerecht sind hingegen die meisten Wallfahrtsorte. Schon deshalb mache eine eigene Wallfahrt Sinn, sagt der passionierte Brieftaubenzüchter. Der Marienwallfahrtsort Germershausen biete dafür die besten Voraussetzungen: „Das Gelände ist ebenerdig, es gibt gute Parkmöglichkeiten und eine Infrastruktur von der Bildungsstätte bis zum Hotel.“ Wichtig seien auch gepflasterte Wege, da Kieswege und Rasen für Rolli-Fahrer nur mit erheblichem Kraftaufwand zu bewältigen seien.

Wichtig ist für den gebürtigen Ecklingeröder, der 1960 mit sechs Geschwistern, sechs Kühen und zwei Pferden über die innerdeutsche Grenze nach Duderstadt geflohen ist, auch, dass „Behinderte und Nicht-Behinderte aller Generationen die Wallfahrt gemeinsam gestalten“. Noch immer zeigten viele „Fußgänger“ Scheu vor Rolli-Fahrern, weil sie nicht wüssten, wie sie sich verhalten sollen. Die Wallfahrt trage dazu bei, die Akzeptanz und das Verständnis für Menschen mit Einschränkungen zu erhöhen und für ihre Alltagsprobleme zu sensibilisieren.

„Vieles hat sich bereits gebessert, auch aufgrund technischer Innovationen“, meint der gelernte Elektriker und lobt die Bemühungen Duderstadts für Barrierefreiheit. Gerade in einer Kleinstadt lasse sich auf kurzem Wege viel erreichen – in Duderstadt auch dank des Orthopädie-Weltmarktführers Ottobock.

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