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Landflucht mit Rückkehrquote

Podiumsdiskussion in Heiligenstadt Landflucht mit Rückkehrquote

Was macht das Eichsfeld aus? Unter dem Titel „Wo selbst das Brot katholisch ist“ sind Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik in einer Podiumsdiskussion im Marcel-Callo-Haus den Besonderheiten des Eichsfelds auf den Grund gegangen. Stipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung hatten eingeladen.

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Politikwissenschaftler Raban Graf von Westphalen (l.) sieht die Überwindung der Enge als größte Herausforderung für das Eichsfeld.

Quelle: Arne Bänsch

Heiligenstadt. Kirche, Tradition, Handwerk und Landwirtschaft - mit diesen Begriffen sei das Eichsfeld verknüpft, meinten die Mitglieder der Göttinger Seminargruppe, bestehend aus etwa 20 jungen Leuten aus dem gesamten Bundesgebiet. Allerdings könnten diese Begriffe auch für andere Regionen stehen, ebenso wie demografischer Wandel oder Landflucht. Gibt es also Besonderheiten, die das Eichsfeld einzigartig machen? Gibt es eine Identifikation als Eichsfelder? Die gibt es, meinten die Gäste auf dem Podium: Raban Graf von Westphalen (Politikwissenschaftler), Thadäus König (Geschäftsführer des Kolping Bildungswerks Thüringen), Manfred Grund (CDU, Bundestagsmitglied) und Ulrich Harteisen (Professor für Regionalentwicklung an der Göttinger Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst).

„Identität wird gestärkt durch regionale oder geografische Abgrenzung“

„Identität wird gestärkt durch regionale oder geografische Abgrenzung“, sagte Harteisen. Historisch gesehen hatte das Eichsfeld durch seine jahrhundertelange Zugehörigkeit zum Kurfürstentum Mainz und der damit einhergehenden katholischen Prägung einen Inselcharakter in einem protestantischen Umfeld. Dass sich auch junge Menschen heute mit der Region identifizierten, zeige die überdurchschnittlich hohe „Rückkehrerquote“ nach Ausbildung oder Studium, betonte König.

Aber die Landflucht sei dennoch ein Problem: „Ein niedriges Lohnniveau, Fachkräftemangel und geringe Ausbildungsmöglichkeiten auf dem Land ziehen die Menschen in die Mittelzentren“, sagte Grund. Als größte Herausforderung bezeichnete von Westphalen die Überwindung der Enge und der geistigen Unbeweglichkeit. Dagegen sei die Digitalisierung eine Chance für manche Branchen und Unternehmen, auch auf dem Land ansässig zu werden. „Wer weltweit verkauft, kann auch auf dem Land sitzen, wo die Grundpreise deutlich geringer sind als in Ballungszentren.“

Wachsende gemeinsame Identität von Ober- und Untereichsfeld

Stimmen aus dem Publikum bezeugten eine wachsende gemeinsame Identität von Ober- und Untereichsfeld in Strukturen wie Vereinsleben, Partnerschaften und Wirtschaft. Kritisiert wurde, dass es Ober- und Untereichsfeld bisher nicht geschafft hätten, sich gemeinsam als Region nach außen darzustellen. Ein Entwicklungskonzept sei wünschenswert. Wie es mit der Identität nach den bevorstehenden Gebietsreformen aussehen mag, konnte nicht beantwortet werden.

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