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Trennendes und Gemeinsamkeiten

Politikwissenschaftler über Juden, Christen und Muslime Trennendes und Gemeinsamkeiten

Über „Judentum, Islam und Christentum – Gemeinsames und Trennendes“ hat am Mittwoch Wolfgang Borchardt in der Familienstätte auf dem Pferdeberg gesprochen. Mehr als 100 Untereichsfelder Kolpingsenioren hörten interessiert dem Vortrag des früheren Mariaspring-Heimvolkshochschulleiters zu.

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Referent Wolfgang Borchardt beim Vortrag.

Quelle: GM

Duderstadt. „Dieser Kreis steht unter Beobachtung“, sagte Johannes Jäschke mit einem Augenzwinkern. Der Hildesheimer Seniorenobmann des Kolping-Diözesanverbandes hegte bereits seit längerer Zeit den Wunsch, das „Erfolgsmodell Seniorenstammtisch“ auf dem Pferdeberg zu besuchen und wichtige Impulse mit in den Verband zu nehmen. Beisammensein, lernen und diskutieren – mehr als 100 Senioren aus den 16 Kolpingfamilien des Untereichsfeldes waren auch an diesem Mittwoch auf den Pferdeberg gekommen, um sich von Wolfgang Borchardt über ein viel diskutiertes Thema informieren zu lassen: Die Beziehungen von Judentum, Islam und Christentum.

Die älteste der drei monotheistischen Religionen, das Judentum, stelle eine Basis der anderen dar. Zugleich aber sei auch im Judentum selbst vieles umstritten. Der kleinste gemeinsame Nenner sei das Glaubensbekenntnis: „Höre Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig.“ – Ein Satz, der sich so ähnlich auch in den anderen beiden Religionen wiederfinden lasse. Zugleich stelle er aber eine Unterscheidung zur christlichen Lehre Gottes Dreieinigkeit dar. „Eine Ökumene im engeren Sinne ist so mit Juden nicht möglich, aber auch von deren Seite nicht gewünscht“, so der Politikwissenschaftler.

Doch selbst bei der Beurteilung Jesu gäbe es im Judentum unterschiedliche Auffassungen: Während orthodoxe Richtungen diesen streng ablehnten, sei seine Rolle im liberalen Judentum durchaus mit Wohlwollen diskutiert worden. „Uns eint der Glaube von Jesus und uns trennt der Glaube an Jesus“, zitierte Borchardt den Rabbiner Schalon Ben-Chorin, der in Jesus seinen „jüngeren Bruder“ sah.

Moses, Jesus und Mohammed

Auf der anderen Seite sah Borchardt den Islam. Dieser lehne wie das Judentum die Triniät ab, erwähne zugleich jedoch Jesus neben Mose als bedeutende Propheten im Koran. So seien Juden und Christen zwar in die Irre geleitet, denn Mohammed sei der letzte Prophet Gottes gewesen, als Inhaber der Buchreligionen (Thora und Bibel) durchaus geachtet.

Auch, dass Allah ein barmherziger und gnädiger Gott sei, lasse sich sowohl im Christentum als auch im Judentum wiederfinden. Die häufig in den Medien vorkommenden Islamisten stellten indes nur eine kleine, nicht repräsentative Gruppe des Islam dar.

Viel Gemeinsamkeiten in Detailfragen

„Im Grundverständnis sind sich alle ähnlich und in einigen Details gibt es viele Gemeinsamkeiten“, so Borchardt. So ließen sich, auf unterschiedlichen Wegen, alle drei Religionen auf den biblischen Abraham zurückführen. Zum Schluss hielt Borchardt ein Plädoyer, dass sich in den westlichen Ländern ein aufgeklärter Islam durchsetze, der nicht die Konfrontation, sondern die Zusammenarbeit mit den beiden älteren Religionen Christentum und Judentum suche. gm

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