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Freund und Helfer? Nicht selbstverständlich

Polizei geht in Sprachlernklassen Freund und Helfer? Nicht selbstverständlich

„Die Polizei, Dein Freund und Helfer“, eine Floskel für Einheimische, bedeutet für Jugendliche, die gerade erst nach Deutschland gekommen sind, unter Umständen eine ganz neue Erfahrung. Um ihnen Vertrauen zu vermitteln, besuchen Polizisten unter anderem Schulen.

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Quelle: GT

Duderstadt. Die Mädchen und Jungen der Sprachlernklasse der Astrid-Lindgren-Schule, auf die Polizist Dierk Falkenhagen an diesem Vormittag trifft, sind erst seit kurzer Zeit in Duderstadt. Einige von ihnen seit wenigen Monaten, andere seit wenigen Tagen. Als er einen lachenden und einen grimmigen Smiley an die Tafel malt und fragt, wie die Polizisten in den Heimatländern der Jugendlichen ausgesehen hätten, zeigen einige Schüler auf das böse Gesicht. „Das ist in Deutschland nicht so“, erklärt Falkenhagen und grinst wie zum Beweis: „Hier gucken die meisten Polizisten so.“ Außer aber, sie hätten es mit Menschen zu tun, die Unrecht getan hätten. Dann, sagt Falkenhagen und setzt eine strenge Mine auf, müsse ein Polizist böse gucken.

Wenn auch nicht gleich: Am Ende der zwei Unterrichtsstunden schenken ihm die meisten Jugendlichen Glauben. Die vertrauensbildenden Maßnahmen seien Teil der Polizeiarbeit, erklärt Falkenhagen, der die Astrid-Lindgren-Schüler aus Rumänien, Lettland, Syrien und Afghanistan immer wieder darauf aufmerksam macht, sie könnten sich an die Polizei wenden.

Verkehrskontrollen, Führerscheinüberprüfungen oder Präsenz bei Veranstaltungen sei in Deutschland nichts, wovor man Angst haben müsse, wenn man sich nichts habe zuschulden kommen lassen, vermittelt Falkenhagen. Um Unfälle und Straftaten zu vermeiden, könnten die Jugendlichen der Polizei sogar bei der Arbeit helfen, macht er deutlich und erklärt, wie ein verkehrssicheres Fahrrad auszusehen hat. „Immer mit Mütze“, ergänzt eine Schülerin, was zur Verkehrssicherheit beitrage, und Falkenhagen lacht: „Mit Helm, genau“.

Sprachschwierigkeiten gibt es in seinen Unterrichtsstunden beinahe nicht. Der Polizist erklärt mit Händen und Füßen, die Schüler übersetzen gegenseitig. Spätestens als das Thema Mediensicherheit ansteht, hat Falkenhagen die volle Aufmerksamkeit: Name, Foto, Wohnort und Schule auf Facebook veröffentlichen? Keine gute Idee, sagt der Polizist und bläut den Kindern - mit Unterstützung von Comicfilmen - ein, dass niemand einen anderen einfach fotografieren dürfe und Fotos in knapper Bekleidung nichts im Netz zu suchen hätten. „Stellt nichts ins Internet, wofür Ihr Euch später einmal schämen müsst“, appelliert er an die Jugendlichen.

Als er sich verabschiedet und fragt, ob er noch einmal wiederkommen soll, nicken viele Schüler dem Polizisten zu. Einige blicken den Uniformierten skeptisch an. Offenbar sitzen die Erfahrungen tief.

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©Richter