Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Porträt: Notfall-Seelsorger und Feuerwehrmann Michael Böning

Erste Hilfe für die Seele Porträt: Notfall-Seelsorger und Feuerwehrmann Michael Böning

„Ich habe größte Hochachtung vor dem, was er für andere Menschen leistet“, beschreibt Duderstadts Ortsbrandmeister Thorsten Krone das Engagement seines Feuerwehrkameraden Michael Böning.

Voriger Artikel
Grenzpfahlbrunnen in Duderstadt: Labor-Ergebnis liegt vor
Nächster Artikel
Programm des Kultursommers kurzfristig erweitert

Seit seinem zehnten Lebensjahr in der Feuerwehr engagiert: Duderstadts erster Notfall-Seelsorger Michael Böning.

Quelle: Richter

Duderstadt. Der 29-jährige gebürtige Hilkeröder ist als erster Notfall-Seelsorger der Schwerpunktwehr Duderstadt im Einsatz. Und das nicht nur im Eichsfeld, sondern im gesamten Raum Osterode-Harzer Land bis nach Goslar oder Bad Harzburg.
„Die Bezeichnung Notfall-Seelsorger ist eigentlich im herkömmlichen Sinn nicht ganz korrekt.

Obwohl katholische und evangelische Geistliche im Rahmen der Notfall-Seelsorge engagiert sind, gibt es doch auch zahlreiche ehrenamtliche Laien in unseren Reihen“, sagt Böning. Der damalige Duderstädter Krankenhaus-Pfarrer Michael Kihm habe ihn kurz vor seinem Abschied aus Duderstadt angesprochen: „Pfarrer Kihm hat ebenfalls Notfall-Seelsorge praktiziert, ich habe das von ihm übernommen“.

Ganz so einfach war für den 29-Jährigen der Einstieg in das verantwortungsvolle Ehrenamt nicht, denn vor seinem ersten Einsatz standen erst einmal etliche Ausbildungsabende bei der evangelischen Kirchengemeinde Osterode, denn offiziell mit dem Amt beauftragt wurde Böning von Superintendenten des Kirchenkreises Harzer Land, Volkmar Keil.

Vielschichtige und psychisch belastende Aufgabe

Die Ernennung vor Ort erfolgte durch die Stadt Duderstadt und das Feuerwehr-Stadtkommando. „Nach der theoretischen Ausbildung folgten Praktika in einem Bestattungsinstitut sowie in einem Altenheim“, beschreibt Böning die Vorbereitung. Mittlerweile gehört er zu einem siebenköpfigen Team von Notfall-Seelsorgern, die – im Wechsel – jeweils 48 Stunden Bereitschaft haben. Alarmiert werden sie über Alarmempfänger von den Leitstellen der Feuerwehr und Polizei.

„Langfristige Begleitung der Feuerwehr-Einsatzkräfte, Begleitung der Kameraden bei belastenden Einsätzen, Betreuung von Opfern oder Geschädigten, Überbringen von Todesnachrichten“, umreißt Böning in Schlagworten seine Einsatzschwerpunkte. Dabei verbirgt sich hinter der nüchternen Aufzählung eine weitaus vielschichtigere  und meist auch psychisch belastende Aufgabe. Notfallseelsorger werden gerufen bei plötzlichen Todesfällen im häuslichen Bereich, bei Tod oder schweren Verletzungen von Kindern, Unfällen, Bränden, bei Suizid oder Gewaltverbrechen, um Betroffene in dieser Situation zu begleiten.

„Unser Ziel ist es, durch schnelles Eingreifen eine Stabilisierung und emotional und seelisch entlastende Begleitung der Betroffenen bei oder unmittelbar nach Unglücksfällen und Katastrophen zu ermöglichen und so einer drohenden Traumatisierung vorzubeugen.

Unterstützung aus den eigenen Reihen

Wir bieten quasi Erste Hilfe für die Seele“, erklärt der 29-Jährige. Menschen bräuchten Sicherheit und Grundvertrauen, diese Bedürfnisse würden aber durch Unglücksfälle und Gewalttaten tiefgreifend erschüttert. Bei der Unterstützung der Betroffenen arbeiten die Notfall-Seelsorger deshalb einerseits nach den Standards der weltweit anerkannten Krisenintervention und andrerseits auf der Basis eines christlichen Verständnisses von Seelsorge, beschreibt Böning.

Aber nicht nur Opfer und Hinterbliebene müssen in derartigen Ausnahmesituationen betreut werden, auch Helfer brauchen nicht selten selbst Hilfe, um belastende Einsätze auch verarbeiten zu können. „Nach dem verheerenden Brand am Ebertring beispielsweise haben wir abends einen offenen Gesprächskreis angeboten, bei dem alle noch einmal über das Erlebte sprechen konnten“, berichten Böning und Krone. Besondere Unterstützung bräuchten dann die jungen Einsatzkräfte: „Wir haben Aktive ab 16 Jahren in den Reihen der Feuerwehr, die teils noch keine große Erfahrung haben.“

Rund sieben bis acht Einsätze, von denen ihm noch alle im Gedächtnis sind, leistet der Notfall-Seelsorger pro Jahr. Die Stunden hat er nicht einmal gezählt: „Zeit spielt dann keine Rolle, Handy und Uhr werden zur Seite gelegt. So ein Gespräch kann auch mal vier Stunden dauern.“

„Wir sind froh, dass wir in unserer Wehr mit Michael Böning eine gravierende Lücke geschlossen haben“, sagt Krone dankbar, der aber auch weiß, wie wichtig Unterstützung aus den Reihen der Kameraden auch für Böning selbst ist.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Feuerwehrübung in Krebeck

©Richter