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Prozess um fingierten Überfall in Teistungen geht weiter

Duderstadt Prozess um fingierten Überfall in Teistungen geht weiter

Die Aussagen im Verfahren um einen möglichen Tankstellenüberfall 2013 in Teistungen werden immer widersprüchlicher. Zum Ende des Prozesstages am Donnerstag machte Richter Michael Pietzek  deutlich, was er von den Aussagen einiger Beteiligter hielt: Er fragte einen Zeugen, welchen Wahrheitsgehalt er seiner Aussage auf einer Skala von Null bis Zehn zumessen würde.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Duderstadt. Der Zeuge, der in dieser Sache bereits zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war, antwortete zunächst mit „Zehn“, korrigierte sich dann auf „Neun“ – und das, nachdem er zwei Tage zuvor eine Falschaussage gemacht hatte. Am Donnerstag gab der junge Mann schließlich zu, seine erste schriftliche Aussage nicht selbst auf eigene Initiative hin verfasst zu haben. Vielmehr sei es so gewesen, dass ihn die Mutter des seinerzeit in Untersuchungshaft sitzenden Täters gebeten habe, ein Schriftstück aufzusetzen, in dem er die Tat einräume – und zugleich die 22 Jahre alte Angeklagte als Mittäterin beschuldigte. Er habe dies getan, um seinen Freund aus dem Knast und für sich selbst eine mildere Strafe herauszuholen, sagte er aus. Damit widersprach er dem, was die Mutter des zweiten Täters ausgesagt hatte. Sie behauptete, der junge Mann sei Hilfe suchend zu ihr gekommen. „An meinen Sohn habe ich in dem Moment gar nicht gedacht.“

 
In dem Brief hatte der junge Mann den Vorfall so beschrieben, dass auf den Hinweis der Tankstellenkassiererin hin die Männer am 29. August 2013  maskiert und mit vorgehaltener Soft-Air-Pistole einen Überfall vorgetäuscht hätten, bei dem sie rund 6500 Euro und Zigaretten erbeuteten. Anschließend habe das Trio die Beute geteilt.

 
Demgegenüber steht eine frühere Aussage der jungen Frau, die von einem tatsächlichen Überfall berichtete. Ihre Version stützte am Donnerstag deren Ex-Freund, den sie am Überfall-Abend zur Tankstelle bestellt hatte. Er habe sie „hysterisch“ angetroffen. Sie habe nicht nur an diesem Abend Angst gehabt, sondern auch an den folgenden, weshalb er sie regelmäßig von der Spätschicht abgeholt habe.

 
Außerdem habe sie ihm einen Vorfall mit seinem Nebenbuhler, einem der Mittäter, geschildert: Er soll sie, nachdem sie belastendes Material bei ihm gefunden hatte, gewürgt und bedroht haben. Er habe ihr daraufhin geraten, zur Polizei zu gehen.

 
Weitere Verhandlungstage sollen nun zusätzliche Erkenntnisse liefern. Bis dahin hat Pietzek noch einiges  vor sich: Die Angeklagte hatte mit einem der Täter regen Chat-Kontakt. Ob sich in den mehr als 15 000 Nachrichten aus 20 Tagen Verwertbares zur Wahrheitsfindung herausfiltern lässt, wird sich zeigen. Die Anzahl könnte sich noch erhöhen: Auch mit dem Verflossenen, der nicht am Überfall beteiligt war, hatte die Angeklagte Nachrichten ausgetauscht. Dessen Handy soll ebenfalls ausgelesen werden. Den Aufwand will Pietzek auch betreiben, weil sich die Beteiligten aus diesem Verfahren mit Personen in einem anderen laufenden Verfahren überschneiden. Dabei geht es um eine Schlägerei beim Seulinger Schützenfest.

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©Richter