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Quads und Motorräder: „Das ist ein Höllenlärm“

Beschwerden Quads und Motorräder: „Das ist ein Höllenlärm“

Geländegängige Quads erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, sei es als kleine Ausgabe für Kinder und Jugendliche oder als große Maschine für Erwachsene, mit der auch Rennen gefahren werden. Sei es auf eigens angelegten Strecken – oder in der freien Natur. In Mingerode verursachen die Motorräder auf vier Reifen und ihre zweirädrigen Verwandten zunehmenden Ärger.

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Wer reitet da durch Feld und Flur, mag sich mancher Mingeröder angesichts des anhaltenden Geknatters von Motoren gefragt haben. Dieses Erstaunen ist inzwischen dem Ärger gewichen. Zahlreiche Bewohner des Duderstädter Ortsteils fühlen sich durch Quad-Fahrer und Geländemotorräder belästigt, die über Feldwege und durch die Feldflur am Rande des Dorfes knattern.

Einer von ihnen ist Wolfgang Dannat. „Das geht schon seit Jahren so. Und jetzt zum Frühjahr legen sie wieder los“, sagt er erbost. „Sie fahren querfeldein, sind extrem laut und rücksichtslos“, schildert der Mingeröder, der am Rande des Ortes lebt. Besonders schlimm sei es in Richtung des Nachbardorfes Breitenberg. Er sei schon beschimpft worden, weil er beim Spaziergang mit seinem Hund im Weg gewesen sei, und auch auf Ansprache hätten die Motorsportfreunde höhnisch reagiert. Fünf oder mehr der Quads mit ihren Ballonreifen und geländegängige Motorräder seien unterwegs.

Neben dem Lärm, den man bis zu seinem Haus höre, wurmt den 62-Jährigen am meisten die Ungleichbehandlung: „Meinen Hund muss ich bis zum Sommer an der Leine halten, damit das Wild nicht aufgeschreckt wird. Aber diese Leute fahren quer durch die Botanik.“ Mit diesen Klagen ist er nicht allein. Auch andere Anwohner beschweren sich über die Belästigung. Einer von ihnen, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, beschreibt: „Gerade sonntags fahren die hier vier-, fünfmal vorbei, das ist ein Höllenlärm. Meine Frau haben sie fast umgefahren. Da muss man ja schon Angst haben.“

Der Mingeröder Günther Köhler, Leiter der regionalen Gruppe des Naturschutzbund (NABU), meint: „Die fahren auch am Wehr und am Mühlengraben, und das ziemlich wild. Gerade in der Feldflur ist das natürlich überhaupt nicht gut. Ich bin auch mal jung gewesen, doch es gibt Grenzen.“ Ortsbürgermeisterin Renate Schopferer (CDU) bestätigt: „Das ist wirklich sehr lästig.“ Franz Otto, Vorsitzender der Feldmarkgenossenschaft, der viele der befahrenen Wege gehören, ärgert sich ebenfalls, sieht aber keine Handhabe: „Auf Ansprache haben sie nicht reagiert und nur gesagt, dass dort keine Verbotsschilder stünden. Die sind mit 100 Sachen unterwegs. Wenn da einmal ein Kind davor läuft! Doch was soll man tun?“

Bei der Duderstädter Polizei sind bislang keine Beschwerden eingegangen. Die Sachlage sei je nach Landschaft unterschiedlich, erläutert Sabine Holste-Hoffmann vom Ordnungsamt der Brehmestadt. „Auch bei Quads handelt es sich um reguläre Fahrzeuge im Sinne der Straßenverkehrsordnung.“ Dementsprechend dürften sie nur auf befestigten Fahrbahnen fahren oder auf freigegebenen Wegen und speziellen Parcours. „Keinesfalls durch die Feldflur“, betont sie, „und Rennen schon gar nicht.“ Ähnliches lässt sich dem Niedersächsischen Wald- und Landschaftsgesetz entnehmen, jedenfalls hinsichtlich der sogenannten freien Landschaft. Zur freien Landschaft zählen beispielsweise Streifen zwischen zwei Äckern oder Fluren, Böschungen sowie Öd- und Brachflächen. Ausgenommen sind landwirtschaftlich genutzte Flächen. Eine Crossfahrt durch diese Landschaft erklärt das Gesetz zur Ordnungswidrigkeit, zu belegen mit einem Bußgeld bis zu 5000 Euro.

Schilder könnten helfen, das Treiben einzudämmen, schlägt die Ordnungsbeamtin Holste-Hoffmann vor. Doch die kosten 200 Euro das Stück, wie Franz Otto von der Feldmarkgenossenschaft sagt. „Das können wir uns nicht leisten. Und wollen wir einen Schilderwald?“ Ob diese in Metall geschlagenen Hinweise überhaupt etwas nutzen würden? Holste-Hoffmann ist skeptisch. „Wer hält sich heutzutage noch an Schilder?“

Von Erik Westermann

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