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Rätsel um das „blaue Männchen“ in Duderstadt gelöst

Himmel über Duderstadt Rätsel um das „blaue Männchen“ in Duderstadt gelöst

Das „blaue Männchen“ auf dem Stadtwall sorgt weiter für Spekulationen. Viele hatten auf Hans Georg Näder als Urheber der von einem Totholzstamm aus auf sein Elternhaus blickenden Skulptur getippt, manche gemutmaßt, der Ottobock-Chef wolle damit seiner Kindheit in Duderstadt ein Denkmal setzen.

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Gab Anlass zu Spekulationen: Das „blaue Männchen“ in Duerstadt.

Quelle: Thiele

Duderstadt. Nach Näders Dementi geht das Rätselraten um das kryptische Kunstobjekt weiter – nicht nur bei den Sextanern, die aus dem Kunstraum der Astrid-Lindgren-Schule aus auf den Rücken des Wall-Knaben blicken.

Ins Blaue geraten und ins Schwarze getroffen hat das Tageblatt und den Schöpfer des blauen Bengels aufgespürt. Es ist ein örtlicher Künstler, der sich zu der Aktion bekennt, die Duderstädter aber noch zappeln lassen und sich erst nach Weihnachten öffentlich outen will.

„Es handelt sich weder um eine Anspielung auf Näders Kindheit noch die Blue-Man-Group“, sagt der geistige Vater des blauen Knaben, räumt aber ein, bewusst eine falsche Fährte gelegt zu haben: „Wenn in Duderstadt irgendetwas Ungewöhnliches passiert, heißt es immer gleich, da stecke doch Näder hinter.“

Blaumännchen soll versteigert werden

Indirekt hat der blaue Junge, der wie Christo Rendentor über Duderstadt thront, mit raumgreifender Geste die Arme von sich streckt und Peter Pan nachzueifern scheint, dann aber doch wieder mit Näder zu tun. Der Künstler will das Blaumännchen meistbietend zugunsten des Tabaluga-Hauses versteigern – „ob es nun auf dem Wall stehen bleiben kann oder nicht.“  

„Die Baumleichen auf dem Wall haben förmlich nach Belebung geschrien“, begründet er die Standortwahl in lichter Höhe. Den 15 Kilo schweren Kunststoffknaben hat er vor zwei Wochen in einer Nacht- und Nebelaktion selbst auf den fast zehn Meter hohen Totholzstamm geschleppt und mit 40 Zentimeter langen Schrauben dort verankert.

Dafür bedurfte es mehrerer Anläufe mit einem Helfer, die erste Leiter war zu kurz. Erst als die blaue Stunde dämmerte und die zur Miniermottenbekämpfung auf dem Wall angesiedelten Blaumeisen zu zwitschern begannen, bemerkte der Wachdienst am Max-Näder-Haus das ungewöhnliche Objekt.

Und was will uns der Künstler mit der Figur sagen? Der Knabe  mit nacktem Oberkörper soll unbeschwerte Kindheit widerspiegeln und zugleich auf das Tabaluga-Projekt anspielen, das sich für Kinder in schwierigen Situationen einsetzt. Mit der blauen Lackierung wollte der zum Lokalpatrioten gewordene Wahl-Duderstädter sowohl eine Stadtfarbe als auch das Blau des Himmels aufgreifen.

„Die Figur ist standsicher, dient einem guten Zweck“

So heißt das Kunstwerk denn auch „Der Himmel über Duderstadt“. Der an den Wim-Wenders-Film „Der Himmel über Berlin“ angelehnte Titel ist in die Bodenplatte eingraviert.

Dass er für seine Guerilla-Kunst ein blaues Wunder in Form rechtlicher Konsequenzen erleben wird, befürchtet der Wallaktivist nicht: „Die Figur ist standsicher, dient einem guten Zweck, regt zu Diskussionen an, belebt die Kunstszene und sorgt für ein großes Medienecho.“

Tatsächlich stößt der blaue Knabe sowohl bei Näder als auch bei Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) auf Wohlwollen. „Von diesem Männchen geht keine Gefahr aus“, sagt Nolte: „Es ist akkurat angebracht“. Der Wall sei ohnehin Gegenstand künstlerischer Auseinandersetzung geworden, spielt Nolte auf das Schöpfungsprojekt des Kunstvereins Kontura an.

Als Privatmann betrachte er das blaue Männchen mit Humor, als Bürgermeister freue er sich, dass wieder einmal „in besonderer Weise der Blick auf Duderstadt gelenkt wird“. Der kreative Beitrag zur örtlichen Kulturszene sei aus seiner Sicht nicht als Sachbeschädigung zu werten und beeinträchtige keine Naturschutzbelange.

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©Richter