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Rhume kehrt in altes Bett zurück

Gieboldehausen Rhume kehrt in altes Bett zurück

Vom Reichsarbeitsdienst ist die Rhume oberhalb Bilshausens in den 30er-Jahren begradigt worden. Jetzt soll der Fluss ohne Raum sich wieder ein wenig ausbreiten können. Die Reaktivierung von zwei Altarmen liegt dem Landkreis Osterode zur Prüfung vor.

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Abgehängt und vermoddert: Zwei Altarme zwischen Bilshausen und Gieboldehausen sollen wieder von der Rhume durchflossen werden.

Quelle: Richter

Gieboldehausen. Es geht nur um gut einen Kilometer Flussverlängerung, doch einfach ist das Verfahren zur Laufverlegung nicht. Bereits viel Vorarbeit hat der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) geleistet. Der Grunderwerb sei inzwischen abgeschlossen, sagt Projektleiter Thorsten Knoblauch und rechnet mit Baustart frühestens im Herbst 2016. Neben den beantragten EU-Fördermitteln, die erst im kommenden Jahr fließen können, ist noch eine weitere Stromschnelle zu nehmen: das wasserrechtliche Genehmigungsverfahren beim Landkreis Osterode. Der hat die Federführung sowohl für den rund 300 Meter langen Altarm südlich der Rhume in der Gemeinde Gieboldehausen als auch den rund 850 Meter langen nördlichen Altarm in der Gemarkung Hattorf übernommen.

 
Die Naturschutzmaßnahmen  werden von Knoblauch geplant, der sich von dem 2014 ins Fließgewässerprogramm des Landes aufgenommenen Projekt eine größere Artenvielfalt verspricht. Die Entschleunigung durch den wieder mäandrierenden Flusslauf wirke auch der Tiefenerosion der Rhume entgegen, schaffe Rückhalteräume für Sedimente und diene als Nebeneffekt dem Hochwasserschutz. „Wir wollen Flächen, die dem Wasserhaushalt abgetrotzt wurden, wieder ins Fließen bringen und die natürliche Entwicklung des Fließgewässers begünstigen“, sagt Knoblauch. Das begrüßen auch die Angler, bei denen die als Baronscher Teich und Schleienteich bekannten Altarme inzwischen als tote Steh- und Moddergewässer verschrien sind.

 
Die Fluss-Relikte werden von Regen- und Grundwasser gespeist, das gesamte Feuchtgebiet ist weitgehend drainiert, vor allem der nördliche Altarm immer mehr verlandet. Vollständig würden die Altarme nicht an den Flusslauf angeschlossen, sagt Knoblauch. Die Rhume kehre nur teilweise in ihr altes Bett zurück. Interessenkonflikte befürchtet der Projektleiter nicht. Das aus wasserwirtschaftlicher Sicht nicht unproblematische Mühlenwehr in Bilshausen sei in die Berechnungen einbezogen worden, das Verfahren mit Rhumeverband und Landwirten abgestimmt, das festgelegte Überschwemmungsgebiet ändere sich ebensowenig wie der Wasserspiegel. Da ohnehin viele Flächen in der Rhumeaue im Landesbesitz seien, habe es nur kleinere Zukäufe gegeben, die Arbeiten beschränkten sich auf den Erdbau, die rund 10 000 Kubikmeter Bodenaushub könnten im Rahmen der Gieboldehäuser Flurbereinigung verteilt werden, sagt Knoblauch. Das spare Deponiekosten. Der Behördenvertreter geht davon aus, dass sich die Arbeiten zwei Jahre lang hinziehen. Einige Baumfällungen seien für das Projekt ebenso notwendig wie Winter- und Baupausen in der Brut- und Setzzeit.

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