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Rückhaltebecken in Duderstadt erstmals gefüllt

Neuer See am Stadtrand Rückhaltebecken in Duderstadt erstmals gefüllt

Seit Mittwoch pilgern zahlreiche Besucher zum Damm oberhalb des Duderstädter Osterfeuerplatzes. Das Brehme/Sandwasser-Rückhaltebecken ist fast bis zum Rand gefüllt. Am Nachmittag sei der Abfluss nach Rücksprache mit der Talsperrenaufsicht weiter geöffnet worden, so Bauamtsleiter Johannes Böning.

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Rückhaltebecken in Duderstadt.

Quelle: Franke

Duderstadt. „Das Becken ist seit 1989 in Betrieb“, sagt Duderstadts Bauamtsleiter Johannes Böning. Die aktuelle Wasserlage sei eine Premiere. Bislang habe es auch noch keinen formalen Probestau gegeben. „Dafür war einfach nicht genug Wasser da“, erklärt er. Zwar seien zu Zeiten des LNS-Baus mal 20 000 bis 30 000 Kubikmeter Wasser im Becken aufgestaut worden. Für einen Probestau benötige es aber die Menge von 130 000 Kubikmetern für die Dauer von zwei Tagen. Ohne eine solche Probe sei ungewiss, was am Wallfuß passiere, erklärt der Bauamtsleiter.

Die notwendige Menge Wasser für einen Probestau gebe es, wenn die Kennlinie 187,45 erreicht sei. Dieser sei nach Angaben von Böning am Mittwoch sogar überschritten worden. Der Pegel erreichte bereits die darüber liegende Eissperre. Und das Wasser stieg durch den Dauerregen stetig weiter und näherte sich immer mehr der Überlaufschwelle. „Uns beschleicht ein mulmiges Gefühl“, sagte Böning, der sich in regelmäßigen Abständen mit Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) über die Lage austauschte.

Zustimmung der Talsperrenaufsicht

Die Situation sei nicht ganz einfach, erläuterte Böning. Zunächst einmal könnten die Ventile ohne die Zustimmung der Talsperrenaufsicht weder geöffnet noch geschlossen werden. Die Abstimmung mit der Behörde habe am Dienstagmorgen aber problemlos geklappt, so dass die Stadt den Stauvorgang einleiten konnte. Am Mittwochvormittag besuchten Maike Lindemann und Christoph Wienecke vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Braunschweig, in dem die Talsperrenaufsicht angesiedelt ist, Duderstadt.Vor Ort verschafften sie sich zwischen 9.45 und 11.15 Uhr einen Überblick von der aktuellen Situation.

Der Dauerregen sorgte dafür, dass am Mittwoch mehr Wasser als tags zuvor über die Brehme und die Hahle flossen. Deshalb sei es schwierig Wasser abzulassen, da die Hahle bereits ausufere, sagte Böning am Mittwochmittag. Doch die Gefahr sei, dass das Wasser im Rückhaltebecken über die Höhe der Überlaufschwelle steige. „Wenn es überläuft, haben wir keinen Einfluss mehr“, sagt Böning. „Wir benötigen auf jeden Fall das richtige Fingerspitzengefühl.“ Zwar klinge es für Außenstehende zunächst einmal so, als ob große Mengen abfließen würden. „Es ist richtig laut, wenn man auf der Brücke steht“, sagt der Bauamtsleiter. Doch das täusche. Das Geräusch entstehe, wenn das Wasser auf die Zahnschwellen im sogenannten Tosbecken treffe.

Abfluss weiter geöffnet

Am Nachmittag um 16 Uhr fiel die Entscheidung, die Schleuse etwas weiter zu öffnen. „Wir haben uns mit der Talsperrenaufsicht abgestimmt und sie haben ihr Okay gegeben“, sagt Böning. Der Schritt sei auch deshalb möglich gewesen, weil sowohl der Hartmannkanal als auch die Hahle abschwellen würden. Bevor aber das Becken komplett abgelassen werden könne, müssten zunächst die hohen Wasserstände in den Flüssen abgeflossen sein, verweist Böning darauf, dass der See noch ein wenig Bestand hätte.

Erinnerungen an das Hochwasser von 1981

Das habe sie noch nicht erlebt, sagt eine Besucherin, die wie viele andere einen Spaziergang zu der neuen „Duderstädter Seenplatte“ unternahm. Bislang sei das Becken noch nie so hoch gefüllt gewesen. Sie erinnerte sich, wie andere Besucher auch, an das Hochwasser von 1981, das in Duderstadt große Schäden angerichtet hatte. Durch den ungebremsten Durchfluss hatte das Wasser über den Hartmannkanal zunächst das Steintor überflutet, ehe es weiter in die Stadt vordrang, erzählt ein anderer Besucher. Dass das Wasser unter anderem 1820 in den Stuben am Steintor gestanden habe und 1926 bei einem Wasserstand von 1,16 Metern in der Straße etwa 50 Häuser überflutet und dem Einsturz nahe waren, darüber informiert eine Infotafel neben dem Rückhaltebecken. Der Bau habe sich gelohnt, sind sich die „Seegäste“ einig. Und etwa drei Jahrzehnte nach seinem Bau habe es seine Bewährungsprobe bestanden.

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