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Rund 140 syrische Flüchtlinge im Rosenthaler Hof untergebracht

Unerwartete Gäste Rund 140 syrische Flüchtlinge im Rosenthaler Hof untergebracht

Stockdunkel ist es an diesem Donnerstagabend, Regen schlägt unangenehm kalt ins Gesicht. Die glänzenden Lämpchen vieler kleiner Lichterketten an der Außenfassade des Rosenthaler Hofes bilden einen warmen Kontrast zu der tristen Atmosphäre an diesem Januarabend.

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Ankunft in Bussen: Syrische Bürgerkriegsflüchtlinge erreichen am Donnerstagabend den Rosenthaler Hof.

Quelle: Thiele

Westerode. Die Menschen, die in einer kleinen Gruppe im Außenbereich des Hotels stehen, um eine Zigarette zu rauchen, schlingen die Arme eng um ihre Körper. Freundlich, aber zurückhaltend erwidern die Männer einen Gruß.  

Rund 140 syrische Bürgerkriegsflüchtlinge sind im Eichsfeld eingetroffen. In einer gemeinsamen Presseerklärung von Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) und Landrat Bernhard Reuter (SPD) heißt es, Landkreis Göttingen und Stadt Duderstadt hätten davon am späten Vormittag erfahren und auf Nachfrage eine Bestätigung des Innenministeriums bekommen.

Entsprechend spät dürfte auch der Betreiber des Hotels, das sich auf einem früheren landwirtschaftlichen Aussiedlerhof befindet, über die Anzahl der Gäste informiert worden sein. „Wir sind immer auf Vollbetrieb eingestellt“, erklärt Eckhard Melz.

Die Männer, Frauen und Kinder seien als Hotelgäste eingecheckt. Damit dürften sie einen großen Teil, wenn nicht gar alle 100 Zimmer des Hotels belegt haben – für den Betrieb offenbar kein Problem. „Wir halten Betten, Personal und Verpflegung vor“, so Melz.

„Wir müssen in den Erstaufnahmelagern immer aufnahmebereit sein“

Die Aufnahme in Duderstadt sei eine Übergangslösung, sagte Matthias Eichler, Sprecher des niedersächsischen Innenministeriums. Bevor beispielsweise syrische Kontingentflüchtlinge in Deutschland aus dem Flieger stiegen, müsse in den Erstaufnahmelagern Platz geschaffen werden. Im Sommer habe es eine ähnliche Situation gegeben, als in Braunschweig eine Turnhalle angemietet worden sei.

Nach Angaben der Landesaufnahmebehörde in Braunschweig handelt es sich um 54 Flüchtlinge unterschiedlicher Nationalität aus dem Erstaufnahmelager Braunschweig und 85 aus Bramsche. Das Hotel solle als Puffereinrichtung genutzt werden, sagte Behördenleiter  Norbert Heine auf Anfrage. „Wir müssen in den Erstaufnahmelagern immer aufnahmebereit sein, rund um die Uhr.“

In den Standorten, zu denen auch das Durchgangslager in Friedland gehört, seien derzeit jeweils bis zu 1200 Flüchtlinge untergebracht gewesen, so der Behördenleiter. „Wir sind insgesamt überlastet.“ Heine erwartet, dass die Flüchtlinge etwa zwei Wochen in Duderstadt untergebracht werden, bis Plätze in niedersächsischen Kommunen gefunden sind. In der Mitteilung des Landkreises und der Stadt Duderstadt war hingegen von vier bis sechs Wochen die Rede.

Die Flüchtlinge sind vor einem schrecklichen Bürgerkrieg geflohen

Reuter und Nolte begrüßen die Aufnahme der Flüchtlinge ausdrücklich: „Die Flüchtlinge sind vor einem schrecklichen Bürgerkrieg geflohen. Wir heißen sie hier willkommen“, betont Reuter. Nolte ergänzt: „Es ist selbstverständlich, Menschen, die dringend Hilfe benötigen, diesen Schutz zu gewähren.“

Reuter wie auch Nolte hätten sich jedoch eine frühere Information gewünscht: „Wir erwarten, dass wir nicht durch Zufall von solchen vorübergehenden Unterbringungen erfahren“, so Nolte. Reuter wies zudem darauf hin, dass insbesondere eine unvorhergesehene Situation eine enge Abstimmung mit den Verantwortlichen vor Ort nötig mache, um alles Notwendige zu organisieren.

Dazu gehöre jetzt eine umfassende Betreuung der Flüchtlinge. Davon gehen Reuter und Nolte aus, die beispielhaft Sprachkurse nennen. Über ergänzende Hilfe vor Ort werde man sich jetzt abstimmen.

Von Nadine Eckermann und Gerald Kräft

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