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Samtgemeinde Gieboldehausen verkürzt Liegezeiten

Bestattungskultur im Wandel Samtgemeinde Gieboldehausen verkürzt Liegezeiten

Dem rasanten  Wandel der Sepulkralkultur trägt die Samtgemeinde Gieboldehausen mit einer Neufassung der Satzung über das Friedhofs- und Bestattungswesen Rechnung. Rund 70 Beerdigungen jährlich gibt es auf den kommunalen Friedhöfen der Samtgemeinde.

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Neue Friedhofssatzung: Mehr Bestattungsarten, kürzere Ruhezeiten, geänderte Gebühren.

Quelle: dpa

Gieboldehausen. Die Zahl der Feuerbestattungen ist innerhalb von fünf Jahren von 20 auf 50 Prozent angestiegen, die Wünsche nach kürzeren Liegezeiten und die Anträge auf vorzeitiges Abräumen von Grabstätten mehren sich.

Immer häufiger gibt es keine Hinterbliebenen mehr vor Ort, die die Grabpflege gewährleisten können. Die deshalb überarbeitete Friedhofssatzung, deren Beratung viele Sitzungen in die Länge gezogen hat, ist jetzt vom Samtgemeinderat einstimmig verabschiedet worden. Und macht deutlich, dass auch und gerade der Tod ein hohes Maß an bürokratischem Aufwand und akribischen Regelungen erfordert.

Mit der Satzungsänderung hat es sich die Samtgemeinde nicht leicht gemacht. Vorangegangen sind Gesprächsrunden mit Bürgermeistern der Mitgliedsgemeinden und Unternehmen sowie eine Bürgerbefragung mit 115 Rückmeldungen. Dabei wurde auch der Wunsch ansprechender Gestaltung und intensiver Pflege der Friedhöfe geäußert.

„Leider ist nicht alles möglich, was wünschenswert ist“, sagt Samtgemeinde-Bürgermeisterin Marlies Dornieden (CDU) mit Blick auf die Kosten: „Unsere Friedhöfe sind generell überdimensioniert.“

Ermittlung der Verwesungszeit

Künftig gibt es in der Samtgemeinde zehn Arten von Grabstätten. Neu hinzugekommen sind Rasenreihengrabstätten mit Sargbestattungen unterm Rasen, Urnengemeinschaftsanlagen und Wahlgrabstätten, bei denen die Liegezeit beliebig verlängert werden kann. Ansonsten wurde die Ruhezeit für Leichen von 30 auf 25 Jahre verkürzt, die Ruhezeit für Aschen beträgt 20 Jahre.

Die Verkürzung der Liegezeit für Leichen erfordert laut Aussage des Gesundheitsamtes im Zusammenhang mit der Vererdung Bodenuntersuchungen, die bei den acht Friedhöfen der Samtgemeinde mit rund 12 000 Euro zu Buche schlagen.

Ein Problemfall sind die sogenannten Wachsleichen. Dass Stoffe eingesetzt werden, die die Verwesung verzögern, ist zwar noch eine Ausnahme. Vorsorglich wurde in die Satzung aber eine Passage aufgenommen, nach der die Verwesung verhindernde oder verzögernde Maßnahmen der Genehmigung der Samtgemeinde bedürfen. Nach Ermittlung der Verwesungszeit durch das Gesundheitsamt müssten dann die Gebühren festgesetzt werden.

„Wann ist es denn soweit?“

Neben den Grabarten regelt die Satzung auch das Verhalten auf Friedhöfen, Bestattungsvorschriften, die Größe und das Material von Särgen, Umbettungen, die Gestaltung von Grabmalen, die Grabpflege, die Benutzung von Leichenhallen und vieles mehr. Als nächster Schritt müssen jetzt die Gebühren neu kalkuliert werden. Das Haushaltssicherungskonzept sieht kostendeckende Gebühren für das Friedhofswesen vor.

Bei der Kostendeckung sieht Dornieden schwarz. Man müsse aber zu einer sachgemäßen Kalkulation kommen. Auch die 40 Jahre alten Regelungen mit den Mitgliedsgemeinden seien überholungsbedürftig.

Trotz des todernsten Themas gab es auch heitere Momente bei der Debatte über die neue Satzung. Der Zwischenruf „Wann ist es denn soweit?“ bezog sich auf die Gebührenfrage, sorgte aber als unfreiwilliges memento mori für Gelächter im Rat.

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©Richter