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Sanitäter und Christ im Zweiten Weltkrieg

Götz Hütt analysiert die Briefe Wilhelm Hebestreits Sanitäter und Christ im Zweiten Weltkrieg

In einem Referat hat Götz Hütt, Vorsitzender der Geschichtswerkstatt Duderstadt, an Wilhelm Hebestreit, Christ und Sanitäter im Zweiten Weltkrieg, erinnert. Dabei stellte er auch die Konflikte zwischen christlichem Glauben und nationalsozialistischer Gesinnung heraus.

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Götz Hütt

Quelle: Richter

Duderstadt. Der Ursprung für Hütts Recherche lag im Duderstädter Stadtarchiv. Über den ehemaligen Archivar Dieter Wagner ist er auf den gebürtigen Gerblingeröder Hebestreit, Soldat, KZ-Häftling und Journalist, aufmerksam geworden. „Heute kennt ihn niemand mehr in Gerblingerode“, weiß Hütt. Doch als Soldat im Sanitätsdienst an der Ostfront im Zweiten Weltkrieg hat Hebestreit zahlreiche Briefe verfasst und an verschiedene Adressaten aus ganz unterschiedlichen Bevölkerungsschichten geschickt, von wo aus sie weiter verbreitet worden sind. „Hebestreit leistete keinen Widerstand gegen den Nationalsozialismus, und er dachte nicht an Desertion aus der Wehrmacht, aber er war doch ein Schwimmer gegen den Strom des nationalsozialistischen Zeitgeistes“, so die Erkenntnisse Hütts nach der Analyse der Briefe. Seinen Lesern gab Hebestreit den Rat, auf das nicht Ausgesprochene zwischen den Zeilen zu achten. „Wir sehen nicht nur, wir wissen auch“, schrieb der Gerblingeröder, klagte über die Gewaltbereitschaft von Theologen im Krieg, berichtete über Kriegsverbrechen der Wehrmacht, „ohne sie jedoch als solche zu bezeichnen“, so Hütt, Hebestreit beschrieb das Leiden der zahlreichen Verwundeten, denen er als Sanitäter oft hilflos gegenüber stand. Selbst den Tieren brachte er Mitleid entgegen, schrieb über die verwundeten, wimmernden und getöteten Kriegspferde: „Allein um ihretwillen müssten die Kriege für alle Zeiten verflucht werden“.

Dass sich Hebestreit trotz seiner Erkenntnisse über die Unmenschlichkeit und vor allem Unchristlichkeit des Krieges nicht auflehnte, erklärte Hütt damit, dass er das Dienen und Leiden der Christen im Krieg als „Weg zu Gott“ verstand. „Hebestreit fasste den Sanitätsdienst als eine gegenüber Gott zu erfüllende Aufgabe auf, als einen Weg zum Seelenheil“, so Hütt. Dennoch habe Hebestreit zwischen Christentum und unfähigen Repräsentanten der christlichen Kirche unterschieden, letzteren in seinen Briefen die Befähigung zur Lehre christlicher Werte abgesprochen.

Die Briefe Hebestreits sind 1986 bei Herder erschienen, jedoch ist das Buch heute nur noch im Antiquariat zu finden. Das Vorwort dazu verfasste Wladyslaw Bartoszewski, einstiger polnischer Außenminister: „Als Mann des polnischen Widerstands, als ehemaliger Häftling in Auschwitz … lese ich heute solche Sätze, so paradox es klingt, voll Stolz auf einen Deutschen, der ein Mensch war“. Manuskripte Hebestreits sind im Duderstädter Stadtarchiv einzusehen.

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