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Schleppjagd in Holzerode

Herbsttradition mit Master und Meute Schleppjagd in Holzerode

Alte Jagdtraditionen werden am Struthkrughof lebendig. Alljährlich, wenn das Laub sich färbt, lädt der Reit- und Fahrverein Holzerode zur Schleppjagd ein. Bis zum Halali folgten die Reiter im frischen Galopp der Meute über Wiesen, Felder und über Hindernisse.

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Die Equipage, berittene Begleiter der Böhmer-Harrier-Jagdhunde, und der Master (rechts) bereiten die Meute auf die Schleppjagd rund um Holzerode vor.

Quelle: Nachtwey

Holzerode. Nach der Hubertusmesse und dem anschließenden Stelldichein versammelte sich die Jagdgesellschaft auf dem großen Reitplatz, während die Parforcehornbläser der Jägerschaft Göttingen musikalisch auf die Jagd einstimmten.

Den Böhmer Harriern, deren Abstammung auf die älteste britische Laufhunderasse zurückzuführen ist, war die Aufregung anzumerken. Der Master (Anführer der Jagdgesellschaft) und seine Equipage (Begleitung der Hundemeute), allesamt in schoßlangen Reitröcken gekleidet, ermahnten die kläffenden Hunde, zusammenzubleiben.

Die Harrier blicken auch in Deutschland auf eine lange Geschichte. Bereits die Königlich Hannoversche Meute (1815 – 1866) bestand aus den englischen Jagdhunden. „Jagdreiten ist Bewahrung von Traditionen“, betonte Dr. Herbert Klengel, Vorsitzender des Reitvereins und als Jagdherr selbst im stilechtem Tweedjacket dabei.

Eine Schleppjagd sei zwar nur eine simulierte Jagd, habe aber trotzdem einen streng geregelten Ablauf. Der Master lenke das Feld der Reiter, ihn zu überholen sei verboten. Die Hunde folgten keinem Tier, sondern der Schleppe, einer künstlichen Duftspur.

„Wir haben auf der 16 Kilometer langen Strecke etwa 30 natürliche Hindernisse, die die Reiter im ersten Feld überspringen müssen, im zweiten Feld haben sie die freie Wahl zum Sprung“, erklärte der Jagdherr. Zudem gebe es ein Besucherfeld, das aus Reitern bestehe, die nicht an der Jagd teilnehmen, aber zu Pferde zuschauen.

Unterwegs sei eine längere Pause eingeplant, bei der die Reiter mit Erbsensuppe, die Tiere mit Wasser, versorgt werden. Und der „Bügeltrunk“, ein Schnäpschen in Ehren, gehöre natürlich auch dazu. „Für die Sicherheit sorgen eine Tierärztin, ein Rettungswagen, und die Feldführer dürfen entscheiden, ob jemand rausgeschickt wird, der zum Beispiel sein Pferd nicht unter Kontrolle hat“, sagte Klengel.

Rund um Holzerode donnerten dann die Hufe von etwa 30 Pferden, die Meute folgte mit Geläut (Bellen) der Schleppe. Zahlreiche Traktoren fuhren in sicherem Abstand zur Jagdgesellschaft über die Hügel, auf den Hängern saßen die Zuschauer dicht gedrängt und verfolgten das Geschehen.

Zum Ende der Jagd, dem Halali, wurde jedem Reiter der Bruch überreicht, „bei Jagden vor dem 3. November ein Eichenzweig, bei späteren Jagden ein Fichtenzweig“, so Klengel. Und die Hunde bekamen als Dank ihr Curée (Pansen).

Von Claudia Nachtwey

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