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Schritt für Schritt zu Selbstbewusstsein

Otto Bock Schritt für Schritt zu Selbstbewusstsein

Ein strahlendes Lächeln überzieht das Gesicht San Myo Hais, als er eine Treppe nimmt, über eine Rampe läuft und einen Schritt nach dem anderen auf unebenem Untergrund platziert. Zum zweiten Mal haben ihm die Otto Bock Global Foundation und Luftfahrt ohne Grenzen die Anpassung einer Unterschenkelprothese ermöglicht.

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San Myo Hais beim Anprobieren seiner neuen Prothese.

Quelle: Richter

Duderstadt. Wäre sein Hosenbein bis auf seinen Schuh gezogen, wäre kaum zu bemerken, dass der kleine, zierlich gebaute Jugendliche aus Myanmar eine Unterschenkelprothese trägt. Welche Übung Ergotherapeutin Daniela Wüstefeld ihm auf Englisch und mit zahlreichen Gesten auch erklärt: San Myo macht sie, ohne nachzufragen, ohne sich an Technikern, Therapeuten und Journalisten um ihn herum zu stören. Vielmehr lächelt er bei jedem Schritt, blickt in die Augen der vielen Menschen um ihn herum oder versucht mitzubekommen, was auf dem Analyserechner im Trainingsraum passiert.

Schäden durch Fehlbelastung

Noch vor wenigen Wochen wäre das nicht möglich gewesen. Bei seiner Ankunft in Deutschland Mitte Juli trug San Myo ein Paar viel zu kleine Kinder-Turnschuhe. In einem von ihnen steckte die Unterschenkelprothese, die ihm 2012 in Duderstadt angepasst worden war - vor vier Jahren und rund zwanzig Zentimetern Körperlänge. „Die Ferse fehlte komplett“, beschreibt Wüstefeld den Zustand der Sneaker, die San Myo ebenfalls bei seinem ersten Besuch in Deutschland bekommen und seither vermutlich jeden Tag getragen hatte.

Die Muskulatur habe durch die permanente Fehlbelastung, die durch die unterschiedlich langen Beine entstanden war, gelitten, erklärt Wüstefeld. Auch hätte die Gefahr von Skelettschäden bestanden, wenn nicht eine neue Prothese angefertigt worden wäre. „Als ich ihn humpeln gesehen habe, bekam ich schon einen Schreck“, berichtet Frank Franke, Präsident von Luftfahrt ohne Grenzen, der San Myo zum zweiten Mal nach Deutschland geholt hat.

San Myo und seine Familie

Quelle: r

Selbstbewusstsein und Fußball spielen

Der Junge würde aus seiner Prothese herauswachsen, das war Karl-Heinz Burghardt von der Global Foundation und den Orthopädietechnikern sowie dem Helferteam von Luftfahrt ohne Grenzen 2012 schon klar. Doch im von Naturkatastrophen und Armut gezeichneten Myanmar habe es weder Werkstatt noch Techniker oder Ärzte vor Ort zur Versorgung des Jungen gegeben. Also mussten Flug, Unterkunft und Medizintechnik in Deutschland organisiert werden.

Eine vorläufige Prothese wird dem Jugendlichen gerade angepasst, die endgültige soll er Mitte des Monats bekommen. Dann soll sich der „Junge mit dem Wasserrohr“ wieder beinahe normal bewegen können. Den Beinamen hatte San Myo erhalten, nachdem sein Vater mit einem Abflussrohr die Behinderung auszugleichen versucht hatte. „Fußballspielen konnte er damit problemlos, berichtet Thomas Diedrich, der dem Jungen gemeinsam mit seiner Familie für die vier Wochen eine Herberge bietet. Aber erst die Prothese gebe dem Jugendlichen wieder Selbstbewusstsein.

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©Richter