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Schüler aus Duderstadt erinnern an Lampedusa

Lesung Schüler aus Duderstadt erinnern an Lampedusa

In weiße Overalls gehüllt, die Gesichter hinterm Mundschutz verborgen, haben Schüler des Eichsfeld-Gymnasiums (EGD) den Ankömmlingen Fragen zum Gesundheitszustand gestellt.

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Szenische Lesung mit Schülern des Eichsfeldgymnasiums „Ein Morgen vor Lampedusa“.

Quelle: Richter

Duderstadt. Irritiert, manchmal etwas hilflos, blinzelten die Besucher im Forum des Schulzentrums, als sie von diesen weißen, gesichtslosen Gestalten angesprochen wurden. So ähnlich ist also der erste Eindruck von Europa für Tausende Flüchtlinge. „Ein Morgen vor Lampedusa“ berichtet von den Menschen, deren völlig überladener Kutter am 3. Oktober 2013 vor Lampedusa gesunken ist.

366 Flüchtlinge sind allein an diesem Morgen ertrunken. Die Erinnerungen der Überlebenden, der Fischer, Retter und Einwohner von Lampedusa und die offiziellen Pressemeldungen der Küstenwache haben die Schüler des Kurses Darstellendes Spiel des Jahrgangs 11 dem etwa 200-köpfigen Publikum vorgetragen.

Idylle, Hilflosigkeit, Schweigen

Nach den Bildern von Bootstrümmern in einer Urlaubsidylle, nach der Beschreibung der Hilflosigkeit der Helfer bei solch einer Katastrophe, herrschte Schweigen in der großen Halle. Die Fragen, die in der Lesung gestellt wurden, sind immer noch hochaktuell: Wo war Europa, als die Mittelmeerinseln in Italien und Griechenland die Solidarität der Bündnispartner einforderten? Wo bleibt das Gesetz der Menschlichkeit?

Moderator Michael Osburg, Vorsitzender des Fördervereins des EGD, stellte einige Personen vor, die sich in ihrem Umfeld für Flüchtlinge einsetzen. Die beiden EGD-Schülerinnen Elisa Kellmann und Ronja Bleckert, die ehrenamtlich am Rosenthaler Hof Flüchtlingskinder betreuen, riefen zu weiterer Hilfe auf: „Es werden jederzeit Ansprechpartner für Flüchtlinge gebraucht.“ Propst Bernd Galluschke forderte ebenfalls mehr Solidarität.

"Herzen, Hände und Ohren öffnen"

Angela Merkels „Wir schaffen das“ solle nicht nur deutsch, sondern europäisch gedacht werden. Ralf Regenhardt, Geschäftsführer des Caritasverbandes für Stadt und Landkreis Göttingen, nannte die Flüchtlingskrise die größte Herausforderung in der Nachkriegsgeschichte und lobte, dass besonders viele junge Menschen Zivilcourage bewiesen. Integrationslotsin Lucia Kirscht koordiniert die Hilfe für Flüchtlinge am Rosenthaler Hof. „Wir haben die Flüchtlinge vor Ort, begegnen ihnen im Alltag.

Jeder kann sehen, was los ist. Wir müssen unsere Herzen, Hände und Ohren öffnen“, appellierte sie an die Gäste. Die Spenden, die nach der Lesung gesammelt wurden, kommen der Sprachlernklasse für Flüchtlinge am EGD zugute.

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©Richter