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Schülerfirma geht mit Kochen auf Erfolgskurs

Berufsbildenden Schulen Schülerfirma geht mit Kochen auf Erfolgskurs

Gökhan Güler schiebt den rappelnden Servierwagen über die Straße und hebt ihn am Bürgersteig vorsichtig an. Seine Mitschülerin Jennifer Schindler ist vor gelaufen und öffnet ihm die Küchentür am evangelischen Kindergarten. Hinter der Glasscheibe der Eingangstür drücken sich einige Kinder die Nase platt, um zu erraten, was da wohl heute Leckeres herein rollt.

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Nahrhaftes aus frischen Zutaten: Jasmin Lehmkuhl, Mandy Matle, Niklas Borchard und Jennifer Schindler (v.l.) beim Kochen.

Quelle: Thiele

Verschiedene Klassen aus den Bereichen Hauswirtschaft und Pflege der Berufsbildenden Schulen (BBS) Duderstadt kochen täglich für die Kinder des gegenüberliegenden Kindergartens ein gesundes Mittagessen und haben mit diesem Projekt eine Schülerfirma gegründet. „Wir machen alles selbst, nicht nur das Kochen, sondern auch den Einkauf, den Speiseplan und die Auslieferung pünktlich um 12 Uhr“, erklärt Gökhan. Gertraut Binder, Studiendirektorin für Hauswirtschaft und Pflege, ergänzt: „Die Schülerfirma hat einen Vertrag mit dem Kindergarten, an den sich die Schüler halten müssen, und ein eigenes Konto.“ Da die angehenden Hauswirtschafter ihr Essen an den Kindergarten preisgünstig verkaufen, sei kein großer Gewinn zu erzielen. Aber immerhin könne man mit den Überschüssen die anfallenden Hygiene-Schulungen bezahlen, und manchmal bleibe auch etwas Geld für einen Ausflug übrig, so Binder.

Neben den Lehrerinnen Ludmilla Welke und Ute Lohrengel ist Hauswirtschaftsmeister Andreas Schröder für die Ausbildung der Jugendlichen zuständig. Dass er stolz ist auf seine Schützlinge, merkt man ihm an: „Die arbeiten schon sehr selbstständig. Da sie Verantwortung für das Essen der Kinder tragen und immer pünktlich fertig sein müssen, haben sie eine enorme Motivation“, lobt er. Der theoretische Unterricht in Ernährungslehre an den BBS gebe eine gute Grundlage für das Wissen um gesunde Nahrung und Kreativität beim Erstellen des Speiseplans. Dieser enthält für jeden Tag ein Hauptgericht, wobei auf wenig Fett und ausreichend Vitamine geachtet werde, und eine Nachspeise. Oftmals ist ein frischer Salat dabei.

Niklas Borchard steht am Spülbecken und reinigt die großen Pfannen. „Das Kochen ist manchmal stressig, weil man das richtige Timing nicht verpassen darf und alles rechtzeitig fertig sein muss“, erklärt er. Dagegen sei das Spülen entspannend, weil der Zeitdruck wegfalle. Auf jeden Fall mache ihm die hauswirtschaftliche Ausbildung Spaß, und er plant, in der Lebensmittel-Branche zu bleiben und eine Lehre als Bäcker zu starten. Yasemin Lök bestätigt: „Es ist gut, diese Verantwortung für das Essen der Kinder zu haben. Dadurch strengt sich jeder an.“ Allerdings sei nicht nur das Kochen wichtig in einer Schülerfirma, auch die Buchhaltung muss erledigt werden. „Da wechseln wir uns ab. Bei der Buchhaltung sitzt man am PC, das ist nicht so anstrengend“, beschreibt Yasemin die Arbeitsteilung. Auf die Frage, ob man schon mal richtig Stress hatte in der Küche, grinsen sich Kevin Brünner und Mandy Matle an. „Einmal ist eine Platte mit 30 Schnitzeln herunter gefallen, gerade als wir ausliefern wollten. Dann mussten wir ganz schnell nochmal so viele Schnitzel machen“, schildert Kevin das Missgeschick. Aber man sei trotzdem noch einigermaßen pünktlich bei den Kindern gewesen.

Auch Heike Seerig-Stahl lobt als Kindergartenleiterin die Zusammenarbeit mit den BBS-Schülern. „In der Hauswirtschaft müssen die Jugendlichen ganz unterschiedliche Zubereitungsarten lernen. Daher ist das Essen für die Kinder sehr abwechslungsreich und immer frisch“, freut sie sich. Sie beobachtet, dass diese Abwechslung die Kinder neugierig mache und alle auch mal Dinge wie Sauerkraut oder Grünkohl probieren würden – und meistens feststellten, dass es schmeckte.

Das Koch-Projekt für den Kinder garten lief probeweise ein halbes Jahr und wurde nun dank des Erfolges auf ein Jahr verlängert. Dann müsse man mit den nachfolgenden Hauswirtschaftsklassen neu verhandeln, „aber ich sehe da wenig Probleme“, prophezeit Schröder zuversichtlich.

Von Claudia Nachtwey

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