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Schwere Entscheidungen

Duderstädter Arzt gibt Ratschläge Schwere Entscheidungen

„Angehörige haben in medizinischen Fragen nicht automatisch das Sagen, wenn ein Patient nicht mehr selbst über seine Angelegenheiten entscheiden kann“, warnt der Duderstädter Allgemeinmediziner Dr. Ulrich Rendenbach (73). Jeder Erwachsene müsse selbst einen Betreuer benennen.

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U. Rendenbach.

Quelle: EF

Duderstadt. „Ein medizinischer Eingriff stellt, juristisch gesehen, eine Körperverletzung dar“, erläutert Rendenbach, der zu diesem Thema am Mittwoch, 13. April, um 18 Uhr einen Vortrag im Duderstädter Zentrum für Kirchenentwicklung, Kardinal-Kopp-Straße 31, hält. Ein Arzt, so der Duderstädter, müsse daher immer den Patienten über Risiken des Eingriffes aufklären und eine Einverständniserklärung einholen. Anderenfalls mache er sich strafbar. Sei der Patient nicht mehr in der Lage, selbst zu entscheiden, müsse der Arzt einen Betreuer konsultieren.

„Ein Erwachsener kann mit einer Vorsorgevollmacht eine Person, der er bedingungslos vertraut, als seinen gesetzlichen Vertreter bestimmen“, führt Rendenbach aus. Die Person könne dann auch über das Vermögen des Patienten entscheiden. Geringer seien die Kompetenzen einer Person, die der Betroffene mit einer Betreuungsverfügung zum Betreuer ernenne. Habe der Patient dagegen keine Vorsorge getroffen, setze das örtliche Gericht einen Betreuer ein.

Rendenbach, der seit 46 Jahren als Arzt tätig ist, weiß um viele schwere Entscheidungen bei unheilbar erkrankten Menschen, die nicht mehr ansprechbar sind. Er hatte Patienten, die im Wachkoma lagen und einen bei tatenlosem Abwarten tödlich verlaufenden Darmverschluss bekamen. Rendenbach betreute Personen mit schwerer Demenz, die eine lebensbedrohende Lungenentzündung bekamen. Es gab altersschwache Menschen, die nichts mehr aßen oder tranken und zum Weiterleben eine Magensonde benötigten. Sollte er in solchen Situationen weiterbehandeln oder den Patienten in Würde sterben lassen?

„Wenn jemand seine Wünsche nicht im vornherein detailliert niederlegt und eine Person zur Durchsetzung dieser Vorgaben eingesetzt hat, entscheiden am Ende Dritte“, stellt der Arzt klar. Einige seiner Kollegen therapierten sicherheitshalber weiter, um nicht später wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen verklagt zu werden. Viele Patienten fürchten sich jedoch vor einem solchen, in ihren Augen, unwürdigen Dahinvegetieren.

„Bei Kindern bis 18 Jahren sind die Eltern die Betreuer“, sagt Rendenbach. Jugendliche hätten allerdings ab etwa 14 Jahren ein Veto-Recht. Sie könnten dann, auch gegen den Willen der Eltern, Behandlungen ablehnen.

Anmeldung zum Vortrag bis 7. April unter Telefon 0 55 27 / 84 74 19.

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