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Schwimmen in der „Thermoskanne“ Seeburger See

Neujahrsschwimmen Schwimmen in der „Thermoskanne“ Seeburger See

„Ich hab´s gemacht. Und ich hab´s doch nicht gemacht.“ Das ist mein Gefühl nach dem Neujahrsschwimmen am Seeburger See. 39 Schwimmer haben sich in diesem Jahr ins Wasser gewagt, ich war einer davon – im Neoprenanzug. Doch wenn es eine Kleiderordnung gäbe, hieße sie Badehose für die Herren, für die Damen Badeanzug oder Bikini.

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Abgehärtete Schwimmer steigen bei drei Grad Wassertemperatur in den Seeburger See.

Quelle: Pförtner

Seeburg. „Ein Grad, vielleicht auch zwei oder drei“ betrage die Wassertemperatur, verkündet Dieter Arend, Vorsitzender der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) Eichsfeld als Ausrichter des Events, als er die Schwimmer zum Umziehen aufruft. Zwei Zelte, gut beheizt, sind aufgebaut. Lauter Männer blicken mir aus einem entgegen.

„Kein Problem“, beruhigen sie mich, hier gibt es keine Geschlechtertrennung. Und schon im Zelt - nein, seit ich mich entschlossen habe, das Neujahrsschwimmen einmal mitzumachen – kommen mir Zweifel, ob es richtig ist, mit Neopren ins Wasser zu steigen. Egal, seit Stunden habe ich kalte Füße. Und ein Gesprächsfetzen bestärkt mich: Wenn man schon friere, solle man nicht mit ins Wasser gehen, sagt Dirk Thiele vom DLRG beim Umziehen zu einem Zeltgenossen. 

Dann gibt Arend das Zeichen zum Abmarsch ins Wasser. Unter Applaus der vielen Zuschauer gehen die Mutigen los und steigen oder – Hut ab – springen ins Wasser. Rund 400 Menschen sind gekommen, um den Schwimmern zuzusehen. Und während den anderen 38 die Kälte jede Faser ihres Körpers zusammenzieht, erschrecke ich darüber, dass mir gar nicht kalt wird. Wie in einer Thermoskanne bin ich isoliert. Das bisschen Wasser, was eindringt, ist gut auszuhalten.

Soll ich beim nächsten Mal vielleicht auch „nackig“ mitgehen?

Nur an den Händen spüre ich, was die anderen am ganzen Körper erleiden. Ist doch gut, dass ich den Anzug vom Tauchlehrer meiner Tochter ausgeliehen habe. Auch Füßlinge hat Klaus Hellberg mir gegeben. Nur die Handschuhe habe ich nicht angezogen. Zu plötzlich kam der Start ins Wasser.  Soll ich beim nächsten Mal vielleicht auch „nackig“ mitgehen?

Nach vielleicht einer Minute im Wasser klettern die Wagemutigen wieder aus dem See und stürmen ins Warme, in die Zelte. Arend bittet die Zuschauer auf dem Steg, den Schwimmern Platz für den rituellen Sprung in den See zu machen. Wer das nicht mehr will, bleibt gleich im Zelt, die anderen springen auf Kommando. Der Weg ans Ufer fällt vielen schwer, ihre von der Kälte geplagten Muskeln lassen ihnen kaum Raum zu atmen.

Dann ist es geschafft. Schnell ab ins Warme! Seine Zehen werde er erst in zwei Stunden wieder spüren, sagt einer beim Anziehen im Zelt. Vielleicht will ich das auch einmal erleben. Die 56-jährige Reinhild Müller aus Rhumspringe jedenfalls ist seit dem ersten Mal dabei. Noch heute bewahrt sie die Erinnerungstasse aus dem Jahr 2002 auf.

Von Ute Lawrenz

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