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Leidensweg in purer Schönheit

Braga-Passion im Ursulinenkloster Leidensweg in purer Schönheit

Ein herausragendes Konzert in einer ebenso außergewöhnlichen Inszenierung hat ein kleines Publikum in der Liebfrauenkirche erlebt. Die jungen Musiker des Ensembles Seconda Pract!ca, Stipendiaten des Förderprojektes eeemerging, stellten die Ergebnisse ihres Workshops vor: Die Braga-Passion von 1558.

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Duderstadt. Was an diesem Abend zu erwarten wäre, wusste keiner der Gäste. Seconda Pract!ca hat sich der Alten Musik verschrieben, doch was die internationalen Musiker in nur zehn Tagen im Ursulinenkloster erarbeitet hatten, verrieten sie erst wenige Minuten vor Konzertbeginn: Die Braga-Passion stammte aus dem ersten Messbuch, das in Portugal gedruckt wurde. „Wir präsentieren sie im Einklang mit dem altehrwürdigen Ritus, der für die portugiesische Diözese Braga entwickelt wurde“, gaben die Musiker in ihrem Programmblättchen bekannt.

Beim Einlass waren die Gambe von Julie Stalder und das Cembalo von Fernando Aguado zu hören. Dann erklangen Chor-Stimmen im Hintergrund, die aus einer anderen Welt zu kommen schienen. Sopran, Alt, Tenor und Bass füllten auf das Feinste aufeinander abgestimmt jeden Winkel der kleinen Kirche. Angeführt von Nuno Atalaia, der auch die künstlerische Leitung innehatte, zogen die sechs Sänger ein und wechselten dem alten Ritus entsprechend auch im weiteren Verlauf der Aufführung mehrmals ihre Plätze, standen vor dem Marienaltar oder mit dem Rücken zum Publikum vor dem Kreuz. Mit bedächtigen Bewegungen nahmen die Musiker ihre eigene Person weitgehend zurück, machten mit Verbeugungen vor dem Altar keinen Hehl daraus, wem zu Ehren diese Werke komponiert worden waren.

Tobias Wolff, Intendant der Internationalen Händel Festspiele Göttingen, die den Workshop im Rahmen des europäischen Stipendienprogramms eeemerging unterstützen, gab nach der Aufführung dem Publikum Gelegenheit, Fragen zu stellen. „Wir brauchten die zehn Tage, um die Musik in ihrem Kontext sowohl philosophisch als auch liturgisch zu erfahren“, fasste Atalaia die Arbeit im Workshop zusammen. Der musikalische Leiter Jonatan Alvarado erklärte unter anderem, dass in der portugiesischen Passion der Leidensweg vor der Erlösung im Mittelpunkt stehe. Die Mönche hätten in der Liturgie nicht für ein Publikum gesungen, Seconda Prakt!ka habe die Gratwanderung versucht, die Atmosphäre einer klösterlichen Liturgie in einer Aufführung vor Publikum einzubringen. Das Urteil vieler Gäste: Etwas ganz Besonderes wurde hier geboten - Gänsehaut pur. ny

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