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Seeburger See bleibt Sperrzone

Taucher-Einsatz nach Granatenfunden Seeburger See bleibt Sperrzone

Der Seeburger See bleibt weiterhin Sperrgebiet. Die durch Granatenfunde bei Bernshausen ausgelöste Suche nach Munition aus dem zweiten Weltkrieg wird noch bis kommende Woche andauern, der Freibadbetrieb in Seeburg kann aber – unter Vorbehalt – voraussichtlich zum Wochenende wieder aufgenommen werden.

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Froschmänner im Freibad: Mitarbeiter einer Kampfmittelbergungsfirma suchen den Uferbereich des Seeburger Sees ab.

Quelle: Thiele

Seeburg. Dort hat eine Tauchergruppe der Schollenberger Kampfmittelbergung GmbH mit der Nachsuche begonnen, nachdem ein mit Sonden gespicktes Spezialboot mehr als 160 Punkte im See markiert hat.  Die Sonden reagieren auf jedes Metallobjekt, das größer als sieben Zentimeter ist. „Bislang haben wir nur Nägel und Dosen gefunden“, sagt Einsatzleiter Jens Conrad: „Das Ergebnis ist nicht absehbar, da nur Magnetwerte angezeigt werden.“

 

Vier amerikanische Mörsergranaten sind bereits geborgen worden, gesichtet hatten Angler fünf Granaten. Möglicherweise hat es sich bei der vermeintlichen fünften Granate aber auch nur um eine Spiegelung gehandelt. Dass die Taucher wegen der Sichtverhältnisse im See und des verschlammten Untergrunds im Trüben fischen, beeinträchtigt die Suche nicht. „Wir sind es gewohnt, im Dunkeln zu arbeiten – schließlich gibt es ja die Technik.“ Die Froschmänner arbeiten sich zunächst an Stegen und dem Uferbereich von Seeburg nach Bernshausen vor. Jedes Objekt wird freigespült, identifiziert und geborgen, der überwiegend zwei bis zweieinhalb Meter tiefe See als Nebeneffekt von Metallmüll entrümpelt. 

Auf einen raschen Abschluss der Tauchgänge hoffen alle, die den See nutzen – Gemeinde, Angler, Segler, Badegäste und Betreiber von Freizeiteinrichtungen. „Eigentlich wäre die Bude voll“ sagt Kiosk-Betreiberin Angela Kunz und beklagt Umsatzeinbußen. Zurzeit verirren sich nur vereinzelte  Sonnenbader ins Freibad mit abgesperrter Uferzone – zum  ermäßigten Eintrittspreis. Auch  Seeburgs Bürgermeister Harald Finke (CDU) hofft, dass der Betrieb im gemeindeeigenen Naturschwimmbad so schnell wie möglich wieder anläuft. Saisonkarten seien bislang nur vereinzelt verkauft worden – anders als in den Vorjahren, als es zu Saisonbeginn stets einen Run auf die Karten gab. Von einer „sehr unglücklichen Situation“ spricht Oliver Heine-Bartels, Vorsitzender der Segler-Vereinigung. Nach den Schnupperkursen im Mai falle es schwer, den Nachwuchs bei der Stange zu halten, Training sei zurzeit nicht möglich, und am 20./21. Juni soll eine Regatta starten: der Graf-Isang-Cup als Jugend-Landesmeisterschaft.

 

Noch ungeklärt ist die Kostenfrage der von der Samtgemeinde Radolfshausen als Gefahrenabwehrbehörde angeordneten Suchaktion. Verwaltungsvertreter Frank Wilde rechnet mit rund 20 000 Euro für den Einsatz der Spezialfirma. Die Realgemeinden Bernshausen und Seeburg als Eigentümer des Sees seien unverschuldet in diese Situation geraten, mit Landkreis, Land und Bund würden Gespräche geführt, um sie zu entlasten, sagt Wilde: „Wir lassen keinen im Regen stehen.“  Dass sich der Bund beteiligt, bezweifelt Conrad allerdings. Der komme nur für deutsche, aber nicht für Munition der Alliierten auf.

Panzerketten und Munitionsfunde

Wie sind die Granaten in den See gelangt? Diese Frage wird wohl unbeantwortet bleiben. In der Seeburger Ortschronik von Günther Meinhardt  wird lediglich berichtet, dass am 9. April 1945 starke amerikanische Panzerkräfte durch Seeburg rollten – „wo man selbstverständlich nicht an Verteidigung dachte“.

Der Bernshäuser Achim Raabe hat als Zehnjähriger beobachtet, wie die Amerikaner zwischen Seeburg und Bernshausen Munition abgeladen haben. Kampfhandlungen habe es nicht gegeben. Raabe vermutet, dass Kinder Granaten gefunden und nach Hause geschleppt, sie selbst oder ihre Eltern die brisanten Funde dann in den See geworfen haben.

„In der Nachkriegszeit gab es häufig Munitionsfunde im und am See“, berichtet Raabe. Wenige Tage vor dem Einmarsch der Amerikaner hätten zudem deutsche Tiefflieger auf den See gefeuert. Die Ketten der amerikanischen Panzer hinterließen dann völlig zerfahrene Straßen. Das Problem hat die Seegemeinde auch heute wieder: Die vom Freizeitverkehr ruinierte Seestraße wird in diesem Jahr saniert.

ku

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