Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Sparkasse und Volksbank sind gegen Kontrollen

Europäische Zentralbank kündigt einheitliche Bankenaufsicht an Sparkasse und Volksbank sind gegen Kontrollen

Die EU-Kommission will in der kommenden Woche ihren Plan vorstellen, alle Banken unter dem Dach der Europäischen Zentralbank zentral unter Aufsicht zu stellen. Was halten die Vorstände der Volksbank Mitte und der Sparkasse Duderstadt davon?

Voriger Artikel
Urlaub vom Alltag machen und Natur erleben
Nächster Artikel
Fahrerflucht in Fleckenstraße

Duderstadt. Tageblatt-Redakteur Heinz Hobrecht hat nachgefragt. Übereinstimmendes Ergebnis: Nicht sinnvoll und nicht notwendig für Banken, die auf regionaler Ebene arbeiten.

Für systemrelevante Banken, die in der Regel nicht nur in ihrem Heimatmarkt, sondern grenzüberschreitend tätig sind, ist das sicher sinnvoll“, sagt Rolf Döring von der Volksbank Mitte. Es gehe darum, bei großen Instituten Probleme frühzeitig zu erkennen, um eine Unterstützung durch staatliche Intervention und damit durch den Steuerzahler gar nicht erst notwendig zu machen. „Für die regionalen Banken sehen wir darin keinen Sinn“, so Döring. „Die Sparkasse Duderstadt hält die Aufsicht der Deutschen Bundesbank und der Bafin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistung; Anm. d. Redaktion) für völlig ausreichend“, sagt Hermann Vorwald von der Sparkasse Duderstadt. Jährlich fänden eine Vielzahl von externen Prüfungen statt. Gerade Sparkassen und auch Volksbanken seien in der so genannten Finanzkrise eine große Stütze für die Sparer und ein sicherer Hafen für Geldanlagen. Deshalb sei kein erkennbarer Grund und die Notwendigkeit für die Aufsicht und Kontrolle auf dieser Ebene zu erkennen.

H. Vorwald

Quelle:

Durch eine Bankenaufsicht würde kein direkter Beitrag zur Stärkung der Währungsgemeinschaft geleistet, sind sich  Döring und Vorwald einig. Es gebe eher indirekte Wirkungen. „Strukturreformen müssen vorangetrieben werden, damit das Vertrauen bei den Investoren wieder einkehrt und wieder in Staatsanleihen investiert wird“, sagt Vorwald, der, ebenso wie Döring, das Problem der Europäischen Finanzkrise in der Verschuldung einzelner Staaten sieht. Eine Verbesserung der Haushaltssituation sei idealerweise über Sparmaßnahmen und durch eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum der jeweiligen Volkswirtschaft zu erreichen, so Döring. Durch eine qualitativ hochwertige Aufsicht für systemrelevante Banken unter einem europäischen Dach könne ein wichtiger Beitrag geleistet werden, dass diese Banken wieder in der notwendigen Form die Kreditversorgung wahrnehmen könnten.

Gerade die großen Banken, insbesondere in den Euro-Staaten mit hoher Verschuldung, hätten Probleme mit der Refinanzierung, da die Anleger ihnen nicht mehr das nötige Vertrauen entgegenbrächten, erklärt Döring. Die Europäische Zentralbank müsse deshalb die Liquiditätsversorgung dieser Banken im Moment übernehmen. Ein solcher Eingriff berge Inflationsgefahr. Eine veränderte Aufsicht wäre ein Beitrag, um das Vertrauen in diese Banken wieder zu stärken. Dann könnte sich die EZB langsam wieder aus der Funktion der Liquiditätsversorgung zurückziehen und sich stärker ihrer wichtigsten Aufgabe, der Sicherung der Geldwertstabilität, zuwenden.

Welche Konsequenzen hätte die zentrale Kontrolle für die örtlichen Banken? Zum einen, so Vorwald, müsse mit steigenden regulatorischen Anforderungen gerechnet werden, die weiteren administrativen  Aufwand auslösen würden. Zum anderen dürfte die Übertragung der Aufsicht auf die EZB in einem ersten Schritt zu einer gemeinsamen europäischen Bankenunion führen. In einem zweiten Schritt sei die Schaffung einer gemeinsamen  europäischen Einlagensicherung geplant. „Die Sparkassen haben ein eigenes stabiles Einlagensicherungssystem“, betont Vorwald. Künftig müssten demzufolge alle Institute in einen gemeinsam Fond einzahlen. Das würde dazu führen, dass solide, seriöse Kreditinstitute wie die Sparkasse für risikofreudige Institute mit nicht tragfähigen Geschäftsmodellen haften würden. Vorwald:  „Das kann es doch nicht sein.“

R. Döring

Quelle:

„Eine zentrale europäische Aufsicht führt zu keinem zusätzlichen Nutzen für unsere Kunden“, sagt Döring. Nach bisheriger Erfahrung werde  eine solche Veränderung der Aufsicht für die Volksbank Mitte mit Sicherheit zusätzlichen administrativen Aufwand bedeuten, der erhöhte Kosten zur Folge habe. „Schon heute müssen wir viel Energie darauf verwenden, administrative Anforderungen zu erfüllen, die für unser Geschäftsmodell aus unserer Sicht zumindest in Teilbereichen überzogen sind“, sagt Döring. Dieser Effekt würde sich bei einer zentralen europäischen Aufsicht sicher weiter verstärken. „Schon heute nehmen wir wahr, dass unser Geschäftsmodell auf europäischer Ebene kaum verstanden und damit nicht entsprechend berücksichtigt wird.“

Was sagen Sie dazu, dass die Europäische Zentralbank den Kauf von Staatsanleihen notleidender Euro-Staaten angekündigt hat? „Die EZB bewegt sich auf einem schmalen Grat. Positiv ist, dass sie den Ankauf an die Verpflichtung zur Einbindung in den Euro-Rettungsschirm und damit verbundene Reformen knüpft, sie keine Zinsobergrenze genannt und den Ausstieg für Länder angekündigt hat, die den Reformkurs verlassen“, sagt Volksbank-Vorstand Döring. So sei die Maßnahme eher als Unterstützung von ernsthaften Reformbemühungen zu bewerten. Auch dieser geldpolitische Eingriff führe jedoch zu Inflationsgefahr.

„Den Ankauf von Staatsanleihen hochverschuldeter Länder wie Spanien und Italien sehen wir grundsätzlich auch kritisch“, sagt Sparkassen-Vorstand Vorwald. Positiv dabei sei allerdings zu sehen, dass der Ankauf mit harten Auflagen und Bedingungen verbunden sei. „Für den aus dem Ankauf von Staatsanleihen befürchteten Anstieg der Inflationsrate wird es wichtig sein, dass die EZB die mit dem Ankauf in den Markt gegebene Liquidität an anderer Stelle wieder abschöpft.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Ausbau der Beratungsräume
In mehr Sicherheit investiert: Sparkasse Duderstadt.

520 000 Mal haben die Kunden der Sparkasse Duderstadt im vergangenen Jahr ihre Geldgeschäfte über die Automaten der Bank abgewickelt. 90 Millionen Euro Bargeld wurden maschinell ausbezahlt. Vor dem Hintergrund dieser Zahlen hat die Sparkasse im vergangenen Jahr in neue Technik investiert.

mehr
Herbstfest in Rhumspringe

©Richter