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St. Georg Nesselröden erhält vor 111 Jahren neuen Zeitmesser

Uhr vom päpstlichen Hoflieferanten St. Georg Nesselröden erhält vor 111 Jahren neuen Zeitmesser

Einer der bekanntesten Turmuhrenhersteller seiner Zeit, die Recklinghäuser Firma Bernard Vortmann, hat vor 111 Jahren die Kirchenuhr in Nesselröden installiert. Die Mechanik des im Originalzustand erhaltenen Zeitmessers funktioniert bis heute einwandfrei.

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Blick ins Uhrwerk der Nesselröder Kirchturmuhr mit Schild der Firma Vortmann.

Quelle: Richter

Nesselröden. Ganz verloren steht der mannshohe Holzkasten auf dem großen Dachstuhl der Kirche St. Georg. In dem Kasten wurde die Kirchenuhr 1905 angeliefert.

Er schützt deren massive Zahnräder seither vor Staub und Dreck. „Vom Kasten aus läuft quer durch den Raum ein 27 Meter langer Transmissionsriemen, der die Kraft zum Bewegen der Uhrzeiger überträgt“, erläutert Ortsheimatpfleger Josef Engelke.

Das 1,6 Meter lange Pendel des Uhrwerks wird von einem 75 Kilogramm schweren Gewicht angetrieben. Ein genauso schweres Gewicht ist für das Schlagwerk vorhanden. An Seilen hängend schweben sie im Laufe von neun Tagen im Kirchturm elf Meter hinab in die Tiefe.

Damit die Seile immer ausreichend gespannt sind, muss Peter Hellmold jede Woche die Gewichte wieder nach oben ziehen. Selbst für den Maurer ist das eine schweißtreibende Aufgabe. „In vielen Gemeinden findet sich dafür niemand mehr“, weiß Engelke. Deshalb würden mittlerweile viele Turmuhren elektrisch betrieben.

Einer der bekanntesten Turmuhrenhersteller seiner Zeit, die Recklinghäuser Firma Bernard Vortmann, hat vor 111 Jahren die Kirchenuhr in Nesselröden installiert. Die Mechanik des im Originalzustand erhaltenen Zeitmessers funktioniert bis heute einwandfrei. © Richter

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Hellmold hat die Aufgabe von seinem Vater Ignaz übernommen, der früher als Küster für die Uhr zuständig war. Auch unter dem neuen Küster, Friedel Wind, kümmert sich Hellmold um das Aufziehen.

Die Uhr läuft recht genau. „Im Hochsommer geht sie im Laufe einer Woche eine halbe Minute vor“, berichtet Hellmold. Im Winter, wenn es richtig kalt wird, geht sie eine Minute nach. Der Wartungsaufwand hält sich in Grenzen. Die Herforder Elektromotoren-Werke (HEW), die regelmäßig nach dem Antrieb der Glocken schauen, kümmern sich auch um die Kirchenuhr. Außer ein wenig Öl braucht sie allerdings in der Regel nichts.

Der Zeitmesser stammt aus der Firma, die der 19-jährige Uhrmacher Bernard Vortmann 1851 auf dem elterlichen Bauernhof gegründet hatte. Bereits als Junge hatte Vortmann beim Kühehüten aus Scheiben getrockneter Runkelrüben Zahnräder geschnitzt. Nach sieben Jahren Selbstständigkeit hatte er mit Bau und Handel von Uhren soviel Geld verdient, dass er in der nahen westfälischen Kleinstadt Recklinghausen ein zweieinhalbstöckiges Haus erwerben konnte.

Die Firma verkaufte ihre Turmuhren bis nach China und in die USA. 1922 ernannte der Heilige Vater Pius XI. das Unternehmen zum päpstlichen Hoflieferanten. Ilse Reimold, eine geborene Vortmann, die den Betrieb 1958 in vierter Generation übernahm, gab 1967 auf. Das in der Innenstadt gelegene Grundstück erwarb die Kaufhausgruppe C&A Brenninkmeyer, erzählt Ortsheimatpfleger Engelke.

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