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615 Taler und Bier für Kirchenbau

Immingeröder Kirche St. Johannes Baptist 615 Taler und Bier für Kirchenbau

Eine illustre Runde hat sich am 20. April 1717 in Immingerode getroffen, um den Vertrag zum Bau von St. Johannes Baptist zu unterzeichnen. Mit dabei waren der Kommissarius Herwig Böning, der Pfarrer, der Schulheiß und zwei Maurermeister. 2017 wird das 300-jährige Kirchen-Jubiläum gefeiert.

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Ortsheimatpfelger Bernd Klingebiel und Frau Marie-Therese Rathswohl vom Kirchenvorstand.

Quelle: Wenzel

Immingerode. Der markante, 15 Meter hohe Turm des barocken Schmuckstücks im Ortskern gilt als eines der Wahrzeichen Immingerodes, Dass heute hier Schleiereulen nisten können, ist ebenso der Initiative des Ex-Ortsheimatpflegers Bernd Klingebiel zu verdanken (ein Nachfolger wird gesucht) wie die Sammlung von Bildern und Akten zur Kirchengeschichte. Der Kirchenbau selbst ist recht ausführlich dokumentiert.

So sollten die beiden Duderstädter Maurermeister Marcus und Christoph Frankenberg glatte, quadrierte Steine benutzen, und auch weitere Bauanweisungen sind im „Actum Immingeroda“ vom 20. April 1717 erhalten. Zur Kasse gebeten wurden die Immingeröder: 615 Taler und 400 Liter Bier sollten sie für den Kirchenbau hergeben. „Jede Familie hatte die beträchtliche Summe von rund 15 Taler aufzubringen“, sagt Klingebiel, der recherchiert hat, dass ein ganzer Hof in damaliger Zeit weniger als 100 Taler im Jahr für den Lebensunterhalt übrig hatte.

Älter als die Kirche selbst

Im Inneren der Kirche strahlt ein barocker Prachtaltar, der beinahe etwas zu groß wirkt für das nur acht Meter breite Gotteshaus. „Der stammt wahrscheinlich aus der Klosterkirche in Teistungenburg und trägt die Jahreszahl 1745“, erklärt Klingebiel. Die Kirche birgt weitere Geheimnisse. „Die Evangelienglocke trägt keine Inschrift, wurde aber vom Beauftragten des Bistums Hildesheim schon genau untersucht. Sie stammt wohl aus dem 12. Jahrhundert und ist somit eine der ältesten Glocken im Eichsfeld“, sagt Klingebiel. Und auch die Madonna von Immingerode ist viel älter als die Kirche selbst. Die spätgotische (um 1450 geschaffene) zierliche Marienstatue mit Goldfassung trägt Zepter und Krone, womit sie als Himmelskönigin dargestellt ist.

Festwoche zum Kirchenjubiläum

Die Festwoche zum 300-jährigen Bestehen der Kirche St. Johannes Baptist wird vom 27. August bis zum 2. September gefeiert. Marie-Theres Ratswohl gibt dazu mit den Frauen der Pfarrgemeinde ein „Himmlisches Kochbuch“ mit regionalen Rezepten heraus. Das Programm der Festwoche beginnt mit dem Festgottesdienst am Sonntag, 27. August, um 10.30 Uhr.

Es singen der kirchliche Gesangverein Desingerode und der Gesangverein Einigkeit. Anschließend gibt es Grillgut, Erbsensuppe, Vorstellung des Kochbuchs, Kaffee, Musik, Kinderspiele und Besichtigung der Kirche mit Bernd Klingebiel. Dienstag, 29. August: 9 Uhr Messe, anschließend Frühstück für die Mitglieder aller Kirchenorte und Diavortrag von Bernd Klingebiel über die Renovierung des Kirchturms.

Donnerstag, 31. August: 14.30 Kaffeetrinken für die Mitglieder aller Kirchenorte. Diakon Gerd Blank zeigt einen Film über die Immingeröde Matthäuspassion aus den 80-er Jahren. Freitag, 1. September: 17 Uhr Jugendkonzert in der Kirche mit Melanie Scholz, anschließend Beisammensein. Sonnabend, 2. September: Kindernachmittag, um 17 Uhr Jugendmesse mit Pfarrer Braun. Anschließend Grillen. ny

Bereits im Jahr 1261 wurde der erste Pfarrer Bruno in Immingerode erwähnt. Das lässt ebenso wie das Alter der Glocke und das der Marienstatue vermuten, dass es einen Vorgängerbau der Immingeröder Kirche gegeben haben muss. „Leider wissen wir heute nicht, wo der war“, bedauert Klingebiel. Es gebe Vermutungen, dass er auf dem Baseuber gestanden haben könnte, verlässliche Hinweise wurde jedoch bisher nicht gefunden.

Die Orgel in St. Johannes Baptist konnte 1845 durch Spenden der Gemeinde angeschafft werden. In den 1970-er Jahren wurden die Kirchenbänke und der Beichtstuhl erneuert, in den 1980-er Jahren die Technik. Bis Dezember 2011 war Immingerode eine eigenständige Pfarrgemeinde. Heute gehört der Ort mit zur Seelsorgeeinheit Nesselröden, wofür Pfarrer George Velooparampil zuständig ist.

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©Richter