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St. Raphael: Ein „Südniedersachsen-Spezial“

Serie, Teil 2 St. Raphael: Ein „Südniedersachsen-Spezial“

Seit vier Jahrzehnten werden in der Tagesstätte St. Raphael Kinder und Jugendliche mit Behinderungen betreut. Die Arbeit der Duderstädter Einrichtung, den Alltag in den verschiedenen Bereichen wie Kindergarten und Schule sowie den Wandel im Umgang mit Behinderten stellt das Tageblatt in einer Serie vor. Heute Teil 2: Geschichte und Entwicklung von St. Raphael.

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Genießen Frühlingssonne und Beschäftigungsmöglichkeiten im Außengelände: Marie-Theres Waning-Ernst mit Max.

Quelle: Blank

Eine angemietete, ehemalige Halle einer Schuhfabrik am Duderstädter Euzenberg, sechs ältere Kinder um die 13 Jahre und ein zweiköpfiges Mitarbeiter-Team unter der Leitung von Ilse Hellwig: Das waren die bescheidenen Anfänge der Tagesstätte St. Raphael, die am 16. März 1971 eröffnet wurde. „Gegründet wurde die Einrichtung auf Initiative der Lebenshilfe, namentlich Rudolf Ballhausen und Heinrich Engelhardt hatten sich intensiv dafür eingesetzt“, beschreibt die 51-jährige Marie-Theres Waning-Ernst, die seit 15 Jahren und als siebte Chefin seit Bestehen die Geschicke des Hauses leitet.

Das anfängliche Mietverhältnis hatte sich schnell erledigt, denn die Caritas als Träger der Tagesstätte erkannte, dass der Bedarf an Betreuungs- und Fördermöglichkeiten für Kinder mit Handicaps in der Region ebenso konstant wie groß war und kaufte das Gebäude.

Als zum Schuljahr 1978/79 die allgemeine Schulpflicht eingeführt wurde, stand die Caritas mit ihrer Tagesstätte vor einem Umbruch, denn das Gesetz bot auch bei Kindern mit Behinderungen keine Ausnahme. „Glücklicherweise, denn jedes Kind hat ein Recht auf Förderung und Bildung. Logischerweise stieg damit auch die Zahl der Kinder, die bei uns betreut und beschult werden sollten, sprunghaft an. So entstand das Südniedersachsen-Spezial: Die Kooperation eines Freien Trägers mit einer öffentlichen Schule“, erklärt Waning-Ernst. Fünf Konstrukte dieser Art gebe es in Niedersachsen, darunter auch die Tannenberg-Schule in Göttingen.

In Duderstadt fiel damals der Startschuss zur Zusammenarbeit mit der Pestalozzi-Förderschule, spezielle Lehrkräfte kamen stundenweise in die Tagesstätte. Gearbeitet wurde erst einmal nach den Rahmenrichtlinien des Bundeslandes Bayern. „Das Niedersächsische Kultusministerium hatte bis vor rund zwei Jahren keinen eigenen Lehrplan auf diesem Gebiet“, berichtet die 51-Jährige.

1989 reichte der Platz nicht mehr aus, die heilpädagogische Einrichtung erhielt neben einer Turnhalle auch Schulräume sowie Räume für Krankengymnastik oder Therapien. Im Jahr 2000 wurden im benachbarten Gewerbepark Euzenberg Räume für die Außengruppe der älteren Jugendlichen angemietet (Tageblatt berichtete). „Erst hieß es vorübergehend, jetzt läuft das schon elf Jahre“, blickt die Leiterin zurück.
Mit der Einrichtung der Frühförderung im Duderstädter Caritas-Haus habe dann logischerweise auch die Nachfrage nach heilpädagogischen Kindergartenplätzen eingesetzt. „Kinder mit Entwicklungsverzögerungen oder Behinderungen brauchen einfach viel mehr, als eine 25er Gruppe im Regelkindergarten leisten kann“, weiß Waning-Ernst.

Was diese Kinder und Jugendlichen brauchen, das bietet St. Raphael täglich von 8-15 Uhr in zwei Kindergartengruppen mit jeweils sechs Jungen und Mädchen im Alter von drei bis sechs Jahren und fünf Klassen mit jeweils sieben Schülern von sechs bis 18 Jahren. Und mit den 47 Kindern und Jugendlichen ist die Kapazität des Hauses auch voll ausgeschöpft. 20 bei der Caritas festangestellte Heilpädagoginnen und Heilerziehungspflegerinnen und Erzieherinnen im Alter von 23 bis 61 Jahren kümmern sich um die Schützlinge. Dazu kommen Fachkräfte aus freien Praxen für Sprach- und Ergotherapie sowie Krankengymnastik, Förderlehrkräfte, eine Psychologin, Busbegleiter, eine Sekretärin, der wahrscheinlich letzte Zivi, wechselnde Praktikanten und – nicht zuletzt – der „gute Geist“, Hausmeister Johannes Borchard. „Kein Tag ist wie der andere. Verschiedene Professionen und unterschiedlichstes Wissen kommen zusammen und müssen unter einen Hut gebracht werden. Das ist sehr spannend“, hat Waning-Ernst ihre Berufswahl nie bereut.

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Serie, Teil 1/ 40 Jahre in St. Raphael

Seit vier Jahrzehnten werden in der Tagesstätte St. Raphael behinderte Kinder und Jugendliche betreut. Die Arbeit der Duderstädter Einrichtung, den Alltag von Jugendlichen und Betreuern sowie den Wandel im Umgang mit Behinderten stellt das Tageblatt in einer Serie vor. Heute Teil 1: Seit 40 Jahren ist Jutta Jung Erzieherin in St. Raphael.

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