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Das alte Elend

Steffen Möller in Duderstadt Das alte Elend

Wenn zweimal sechzig Minuten Polnischkurs mehr als 200 Besucher in die Duderstädter St.-Ursula-Schule locken, muss dahinter mehr stecken als dröges Vokabeltraining und trockene Landeskunde. So auch am Freitag. Der Lehrer hieß Steffen Möller. Auf dem Programm: „Polnisch für Fortgeschrittene“.

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Polnisch lernen mit Steffen Möller.

Quelle: ne

Wer den Autor, vielleicht seit „Viva Polonia“, vielleicht aber auch seit seinem aktuellen Buch „Viva Warszawa“, kennt, weiß, wie er unterrichtet: Polenwitze, Deutschenwitze – ausgewogen eingesetzt, falls ein Journalist mitzählt, dazu Anekdoten aus seiner eigenen Vergangenheit und unterhaltsame Geschichten über die Eigenarten der Polen. So konnte Paul Schneegans, Vorsitzender des Deutsch-Polnischen Freundeskreises, den Autor und Kabarettisten mit reichlich Vorschusslorbeeren ins Rennen schicken.

Wenn er deutsche Lehnwörter aneinanderreihte oder vom „blühenden Pessimismus“ der Polen schwärmte – man sehe sich nur die ersten beiden Verse der polnischen Nationalhymne an! – erntete Möller zustimmendes Nicken, da sich unter das laute Lachen mischte. Denn nicht nur Polenfans waren gekommen, sondern auch Polen. Sogar aus Warschau! Das gebe nur selten jemand zu, der seine Abende besuche, sagte Möller anerkennend. Warschau bildete die zweite Station der Reise durch die Eigenwilligkeiten des polnischen Innenlebens.

„Polnischkurs in Krakau, 2 Wochen, 600 DM.“ Dieser Aushang in der Universität Berlin sei es gewesen, der ihn in die Stadt gebracht habe, die die erste Hälfte des Programms ausmachte: Krakau. Exotik. Ural. Asien, wie manche Freunde gedacht hätten, erzählte Möller. Ein Wort in der ersten Woche. Das sei das Ziel gewesen: „przepraszam“.

Und das hatte auch das Publikum in Duderstadt zu lernen. Und zwar auf Drei: „Wir sind hier schließlich in Deutschland.“ Phase zwei fürs Publikum: „Tag guten“ und „Stara bieda“, „Das alte Elend“. Damit seien jetzt alle gewappnet für eine typische Konversation auf einem polnischen Marktplatz.

Denn dorthin müsse nach dem Abend jeder reisen, erklärte Möller. „Nicht erst morgen. Heute Nacht noch!“ Tatsächlich machte er Lust auf Land und Leute. Aber die Sprache? Selbst in Piktogrammen ticken die Polen anders als der Rest der Welt. Das lernt das Publikum. Wie sonst ließen sich Dreieck und Kreis als Toilettenzeichen erklären?

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