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Stille Hunde segeln durch die Stadtbibliothek zur Schatzinsel

Szenische Lesung mit Dehler und Huber Stille Hunde segeln durch die Stadtbibliothek zur Schatzinsel

„Johoho, und `ne Buddel voll Rum“, sang die etwa 60-köpfige Mannschaft auf der Hispaniola. Doch die Blicke des einbeinigen Schiffskochs Long John Silver alias Stefan Dehler streiften bedrohlich über das Publikum, das unter dem alten Gebälk im Bürgermeisterzimmer neben der Stadtbibliothek im Duderstädter Rathaus etwa so dicht gedrängt saß wie in einer Schiffskajüte.

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Kajüten-Flair unter Fachwerkbalken: Christoph Huber (links) mimt den Trunkenbold Bill Bones, Stefan Dehler Wirtssohn Jim Hawkins.

Quelle: Richter

Duderstadt. Und wenn Christoph Huber mit seinem langen Piratenmesser die Zuschauermeute einschüchterte, sangen diese nicht nur willig das düstere Piratenlied von der Kiste des toten Mannes, sie ruderten auch kräftig mit, um die  Schatzinsel zu erreichen.

Den berühmten Roman des schottischen Autors Robert Louis Stevenson setzte das Schauspieler-Duo „Die Stillen Hunde“ mit Huber und Dehler in beinahe allen maßgeblichen Rollen um. Wo Dehler zwischen dem zwielichtigen Long John Silver, dem besonnen Arzt Dr. Livesey oder dem Wirtssohn Jim Hawkins in den Charakteren jonglierte, konterte Huber als Trunkenbold Bill Bones, adeliger Trelawny, verrückter Ben Gunn oder gar als Jims Mutter, deren robuster Liebreiz das Publikum besonders entzückte.

„Wenn die gar nicht so Stillen Hunde in die Bücherei kommen, sind die Karten innerhalb weniger Tage ausverkauft”, erklärte Petra Böning, Leiterin der Bibliothek, den Andrang. Seit 17 Jahren ist das Göttinger Schauspieler-Duo auch in Duderstadt zu szenischen Lesungen quer durch die Weltliteratur vertreten. Die Veranstaltung wird durch die Initiative der südniedersächsischen Bibliotheken und der Stadt Duderstadt mitgetragen.

Nach der abenteuerlichen Schiffsreise von England in die Karibik sind alle schließlich wieder wohlbehalten im heimatlichen Rathaus angekommen. Die Heimkehr wurde mit einem eingelösten Versprechen Bönings gebührend gefeiert: Für die beiden Protagonisten gab es jeweils eine Flasche Heimatliebe. Wenn das Budget es im kommenden Jahr zulassen würde, könnte auch ein Six-Pack herausspringen, aber dann würde sich das Team der Stadtbibliothek an der  Feier beteiligen, verriet Böning verschmitzt.

Dabei dankte sie auch ihren Kollegen, die in der Pause selbst zubereitete Schnittchen servierten. „So ein Top-Team trägt natürlich auch diese Veranstaltung“, lobte die Büchereileiterin, während die Kollegen den  Piratenschatz in Form von Schoko-Goldtalern an das begeisterte Publikum verteilten.

Von Claudia Nachtwey

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