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Streit um Hartz IV und Jugendarbeit

Kritik Streit um Hartz IV und Jugendarbeit

Auf den Korridoren im Rathaus der Samtgemeinde ist es leer geworden: Der Kundenverkehr ist mit dem Exodus der Hartz-IV-Empfänger drastisch zurückgegangen. Nach dem Fallmanagement ist zum Jahreswechsel auch die Leistungssachbearbeitung für die rund 450 Bedarfsgemeinschaften in der Samtgemeinde abgezogen worden.

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Nach Abzug von Hartz IV verwaist: der Flur des einstigen Sozialamtes der Samtgemeinde.

Quelle: Mischke

Vier weitere Mitarbeiterinnen pendeln jetzt nach Duderstadt – von der Samtgemeinde abgeordnet oder mit befristeten Arbeitsverträgen des Kreises. Bis zuletzt hatte sich die Samtgemeinde gegen die Auslagerung gewehrt und damit den Unmut des Kreises geweckt.

Vor diesem Hintergrund scheint der langjährige Jugendpfleger der Samtgemeinde, Dieter Seliger, zum Spielball von Politik und Verwaltung geworden zu sein. Nach einem Interim als Hartz-IV-Fallmanager in Gieboldehausen wurden Seliger und zwei weitere Mitarbeiter 2007 vom Landkreis ins Jobcenter nach Duderstadt abgezogen. In Gesprächen sei immer wieder signalisiert worden, dass Seliger weiter als Fallmanager beim Kreis bleiben sollte, sagt Samtgemeinde-Bürgermeister Reinhard Grobecker (CDU). Das wäre auch in seinem Interesse gewesen, bestätigt Seliger. Doch es kam anders. Der Verwaltungsangestellte kehrte zum Jahresbeginn nach Gieboldehausen zurück. Dort hatte sich inzwischen Dirk Glowatz mit einer befristeten halben Stelle als Jugendreferent bewährt, die wegen des Personalwechsels nicht verlängert wurde.

Ohne Angabe von Gründen habe ihm der Kreis mitgeteilt, dass Seligers Tätigkeit als von der Samtgemeinde abgeordneter Fallmanager mit Ablauf des Jahres 2010 ende, ärgert sich Grobecker: „ Das bringt uns in eine schwierige Situation.“ Seliger arbeite sich jetzt wieder in sein altes Aufgabenfeld ein. Die Jugendarbeit werde mit dem 56-Jährigen fortgesetzt, bis die politischen Gremien über die weitere Vorgehensweise entschieden hätten. Gegenwärtig sehe er kein neues Aufgabenfeld. Mit dem würde auch der Personalkostenzuschuss des Kreises für die Jugendarbeit in Höhe von 30 Prozent entfallen. Die SPD-UW-Fraktion hat beantragt, dass die Samtgemeinde im Laufe des Jahres einen neuen Jugendreferenten mit mindestens einer halben Stelle einstellt. Mögliche neue Aufgaben für Seliger sieht die Fraktion in der Entwicklung von Strategien angesichts der demografischen Entwicklung.

Grobecker geht nicht so weit, die personalpolitische Entscheidung des Kreises als Retourkutsche zu bezeichnen, nennt sie aber unverständlich und sieht einen Zusammenhang mit seiner Weigerung, den Hartz-IV-Bereich abzugeben. Auf Kreisebene hat es eine SPD-Anfrage zum Übernahmeverfahren von Mitarbeitern der Heranziehungsgemeinden gegeben. In der Antwort wird verneint, dass Mitarbeiter ohne dienstliche Beurteilung nach mehrjähriger Tätigkeit für den Kreis nicht übernommen worden seien. Weder Grobe-cker noch Seliger wissen aber in diesem Fall von fachlichen oder persönlichen Gründen, die der Kreis genannt habe.

Nach wie vor hätte Grobe-cker die Aufgaben „im Interesse aller Beteiligten“ lieber vor Ort behalten, verweist auf eine entsprechende einstimmige Willenserklärung des Samtgemeinderates, Bürgernähe und Anfahrtswege und bezweifelt eine „tatsächliche Kosteneinsparung“. Nachdem die größte Gemeinde im Kreis als einzige die Leistungssachbearbeitung bis Ende 2010 behalten habe, sei jetzt der gesamte Sozialbereich weggebrochen: „Das klassische Sozialamt mit Bürgernähe, wie wir es über Jahrzehnte hinweg kannten, ist komplett liquidiert worden.“

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