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Streit um Naturschutz für Auengebiete am Seeburger See

Landwirte fürchten Einschränkungen Streit um Naturschutz für Auengebiete am Seeburger See

Die Auengebiete um den Seeburger See, an Retlake, Suhle und Aue, sollen als Naturschutzgebiet (NSG) ausgewiesen werden. Landwirte fürchten, in der Bewirtschaftung ihrer Flächen künftig eingeschränkt zu werden.

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Natur-Idyll mit Konfliktpotenzial: der Seeanger. 1988 hat der Landkreis das Projekt gestartet, der Aue wieder mehr Raum zu lassen.

Quelle: Richter

Seeburg.. Unmut herrscht auch darüber, dass der Landkreis Informationveranstaltungen für Betroffene aus Zeitdruck unterlässt. Landrat Bernhard Reuter (SPD) verweist auf ein drohendes Vertragsverletzungsverfahren der EU gegen die Bundesrepublik und appelliert, aus der Frage Landschaftsschutz oder Naturschutz keinen ideologischen Streit zu machen.

In einer Versammlung des Landvolkverbandes mit mehr als 100 Besuchern in Seeburg warb Geschäftsführer Achim Hübner dafür, noch konkrete Einwände im Verfahren vorzubringen und auch dem Landvolk zur Verfügung zu stellen: „Wenn genug kommt, bewegt sich auch etwas.“ Betroffene Grundstückseigentümer können noch bis zum 4. März Einwände beim Kreis vorbringen, Träger öffentlicher Belange bis zum 27. März.

In Seeburg beklagten sich Landwirte, dass die vorgesehene NSG-Grenze unmittelbar an Hofstellen liege und quer durch Weiden ginge. Winterfütterung wäre dann nur noch auf einem Teil der Weide möglich. Andere äußerten die Befürchtung, dass Kinder im Dorf nicht mehr am Ufer spielen könnten, da im Naturschutzgebiet nur Wege benutzt werden dürften. Landwirte forderten Landtauschmöglichkeiten. Nur die Hälfte der Flächen gehört dem Landkreis. Der Landkreis sage, alles was bisher möglich gewesen sei, sei auch in Zukunft möglich. „Das kann man glauben, oder auch nicht.“

Die Flächen für das neue NSG, 415 Hektar, liegen in den Gemeinden Landolfshausen, Seulingen, Rollshausen, Seeburg, Ebergötzen, Krebeck und Wollbrandshausen. Es ist das bereits vor Jahren - damals noch rund 20 Hektar weniger - an Brüssel gemeldete Flora-Fauna-Habitat-(FFH)-Gebiet 139. Vorgabe des Landes ist, alle FFH-Gebiete bis Ende 2017 nach nationalem Recht zu sichern.

Grund der Eile ist ein von der EU-Kommission gegen die Bundesrepublik wegen der Defizite bei Umsetzung der FFH-Gebiete eingeleitetes Pilotverfahren. Strafzahlungen drohen. Reuter hatte beim Kreislandvolktag auf ein Gutachten des Landes verwiesen, nach dem Naturschutz dringend geboten sei. Der Kreis sei in der Pflicht, FFH-Gebiete möglichst schnell unter Schutz zu stellen. „Wir stehen unter erheblichem Druck.“

FFH-Schutzgebiete

Im Landkreis Göttingen gibt es 19 FFH-Gebiete und ein Vogelschutzgebiet als Bestandteil eines europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000. Seit 2008 ist der Landkreis für die Ausweisung von Naturschutzgebieten zuständig.

Die FFH-Richtlinie wurde 1992 in Brüssel beschlossen. FFH steht für Fauna = Tierwelt, Flora = Pflanzenwelt und Habitat = Lebensraum. Ziel ist, die biologische Vielfalt zu erhalten.

Der Verordnungsentwurf des Landkreises für das FFH-Gebiet „Seeanger, Retlake, Suhletal“ liegt noch bis zum 4. März bei den Samtgemeinden Radolfshausen und Gieboldehausen sowie beim Landkreis Göttingen zur Einsichtnahme aus und ist auch auf der Internet-Seite der Samtgemeinde Radolfshausen einsehbar.

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