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Suchtpräventionstheater „Toxi.Man“ geht in Duderstadt unter die Haut

Mit ein paar Joints fing es an Suchtpräventionstheater „Toxi.Man“ geht in Duderstadt unter die Haut

Um Jugendliche vor Drogenmissbrauch zu warnen, hat der ehemalige Junkie Wolfgang Sosnowski sein Leben als Theaterstück verfasst. Die neunten Jahrgänge des Eichsfeld Gymnasiums (EGD) wurden Zeugen  einer dramatischen Entwicklung, deren Beginn jugendliche Neugierde und Sehnsucht nach Anerkennung waren.

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Wolfgang Sosnowski

Quelle: EF

Duderstadt. „Leben oder Tod – Du hast nur noch eine Chance!“, wusste  Sosnowski, als die Tür der psychiatrischen Klinik hinter ihm zufiel. Mit der Entscheidung für das Leben beendete er seine „Karriere“ als Polytoxikomane. Seit seiner Jugend hatte er alles in sich hineingepumpt, was auf dem Drogenmarkt zu kriegen war – bis zur Selbstzerstörung.

Nach Entzug, Psychiatrie und Strafvollzug ist Sosnowski seit einigen Jahren mit seinem Theaterstück „Toxi.Man“ in Sachen Suchtprävention an Schulen unterwegs. In Duderstadt hatten sich die Neuntklässler zur Vorstellung im Jugendgästehaus eingefunden. Mit dabei waren Philipp Rösener und Sabrina Richard von der Aufsuchenden Jugendarbeit des Landkreises Göttingen und Ulrich Schmalstieg von der Suchtberatungsstelle der Caritas Duderstadt. „Toxi.Man“ ist der wahre Lebenslauf Sosnowskis, den er selbst mit einer unter die Haut gehenden Intensität den Schülern vorspielte:   In einer Kiffer-WG begann das Dilemma mit Alkohol und ein paar Joints. Um das zu finanzieren, wurde gedealt. Die Sucht-Spirale kam in Fahrt, die Drogen wurden härter, es folgten der Verlust der Kontrolle, Verlust der Freunde, Verlust des Verstandes und der Würde.

„Glaubt nicht, dass man da locker wieder raus kommt. Ich hatte Glück und bin bei meinem Entzug gut begleitet worden. Alle anderen aus meiner Clique sind tot“, warnte Sosnowski die Schüler. In der anschließenden Fragerunde erklärte Schmalstieg: „Alkohol ist in der Suchtberatung nach wie vor Thema Nummer eins, aber auch im Eichsfeld ist längst alles angekommen, von Cannabis bis Crystal Meth.“ Zudem sei der THC-Gehalt im Haschisch heute um ein vielfaches höher als noch vor wenigen Jahren und Cannabis somit nicht mehr als „leichte Droge“ zu bezeichnen. Streetworker Rösener ergänzte: „In Duderstadt gibt es keine offene Szene, Drogenkonsum findet eher in Privatwohnungen statt. Da haben wir keinen Zugang.“ Daher appellierte er an die Jugendlichen, nicht wegzuschauen, wenn jemand in der Clique Drogenprobleme habe, wozu auch übermäßiger Alkoholkonsum gehöre. Sosnowski betonte, dass in einer Clique jeder mit verantwortlich für den anderen sei. Vorwürfe nützten allerdings nichts, nur die Botschaft: Wir machen uns Sorgen um dich. In der Pubertät seien viele Probleme zu bewältigen, aber keines ließe sich durch Drogen lösen. „Geht bei Problemen zu Leuten, die euch helfen können.“ Und er mahnte: „Drogenmissbrauch tut nicht nur einem selber weh, man tut dem ganzen Umfeld weh.“

Infos bei wolle-sos@web.de, beim Landkreis, Telefon 05 51 / 52 55 35 oder der Caritas unter Telefon 0 55 27 / 98 13 60.

Von Claudia Nachtwey

Mehr Drogentote
Die Zahl der Drogentoten in Deutschland ist 2014 um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Das gab Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, im April 2015 in ihrem Jahresbericht bekannt. 2013 gab es 1002 Drogentote, 2014 starben 1032 Menschen an den Folgen von Drogenkonsum, 2012 waren es 944. Die damit verbundene Rauschgift- und Beschaffungskriminalität stieg ebenfalls um zehn Prozent. Auch der Missbrauch der Methamphitamine, des sogenannten Crystal oder Crystal Meth, nahm um sieben Prozent zu. 2014 gab es 2750 Erstkonsumenten. Die Designerdroge Ecstasy hat einen Konsumentenzuwachs von 14 Prozent. ny
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