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Supertalente sind gefragt – Folge: Burn-out

Supertalente sind gefragt – Folge: Burn-out

„Gegen das Burn-out-Syndrom kann man etwas machen“, sagt Christian Beckmann. Zum Tag der seelischen Gesundheit referierte der Duderstädter Psychotherapeut zu diesem Thema in der Tagesstätte Trialog, die sich Hilfe und Unterstützung bei psychischen Erkrankungen auf die Fahnen geschrieben hat. 

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„Burn-out“: Viele Menschen fühlen sich in ihrem privaten oder beruflichen Alltag permanent überfordert und ausgebrannt.

Quelle: Grüning

Duderstadt. Trialog stellte seine Angebote und Arbeitsweisen bei einem Tag der offenen Tür vor, so dass sich etwa 30 Interessierte auch zum Vortrag über das Burn-out-Syndrom einfanden.

Beckmann stellte klar, dass Burn-out noch keine Depression sei, aber eine werden könne, wenn nicht rechtzeitig etwas gegen dauerhafte Überbelastung und deren psychische Folgen getan werde. Das Burn-out, zu deutsch Ausgebranntsein, unterscheide sich von der Depression darin, dass es sich meistens auf einen bestimmten Lebensbereich beziehe – eine Depression umfasse alle Lebensbereiche. „Beim Burn-out fühlen sich manche in ihrem Job ausgebrannt, andere bei der Kindererziehung oder bei der Pflege von Angehörigen“, nannte der Therapeut Beispiele. Betroffen seien alle Bevölkerungsschichten, der Manager und der Krankenpfleger ebenso wie die „Multitasking-Mutter“ oder das Kind in der Schule.

Schlaflosigkeit und Reizbarkeit erste Anzeichen

Erste Anzeichen für ein Burn-out seien Schlaflosigkeit, Reizbarkeit, nicht abschalten können. Gründe dafür gebe es viele, so Beckmann. „Eigener Perfektionismus, hoher Idealismus, aber auch Mobbing, Leistungsdruck oder schlechtes Zeitmanagement führen zu Überbelastung“, erklärte der Psychologe. Während ein vom Burn-out Betroffener oft als erfolgreiche Persönlichkeit wahrgenommen werde, würden einem depressiven Menschen eher die Attribute labil und schwach zugeordnet, so der Fachmann.

Um eine Überbelastung nicht zur Depression werden zu lassen, sei rechtzeitiges Erkennen und Vorbeugen gefragt. Beckmann schlug vor, die Bewertung von Situationen und die eigene Stressbewältigung zu verändern, sich selbst zu beobachten und sensibel dafür zu werden, was einem gut tut. „Die Selbstfürsorge wird zu oft vernachlässigt“, stellte der Psychologe fest.

Angebote in der Tagesstätte

Dass diese Ansätze für Betroffene nicht ganz leicht sind, bestätigte Beckmann: „Wir leben in einer Welt, in der überall Supertalente gesucht werden – nicht nur im Fernsehen, auch im Beruf, in der Schule, bei der Kindererziehung oder im Sport. Firmen legen mehr Wert auf Quantität statt auf Qualität. Der Leistungsdruck und die Angst, zu versagen sind hoch. Aber Menschen kann man nicht tunen. Niemand kann in immer kürzerer Zeit immer bessere Leistungen bringen“, stellte er klar. Die breite Zustimmung der Anwesenden bewies, dass diese Probleme weitgehend bekannt sind.

Dass es Hilfe gibt, wenn jemand psychisch wieder Fuß fassen will, zeigten die Trialog-Mitarbeiter. Besucher und Angehörige von Betroffenen interessierten sich für die Angebote, zu denen die Tagesstätte am Tag der offenen Tür umfassende Informationen bot. „Viele wissen noch nicht, dass es uns hier gibt“, bedauerte die Trialog-Leiterin Mechthild Diekmann. Sie betonte, dass Trialog keine psychotherapeutischen Maßnahmen biete, sondern psychisch Erkrankten bei der Eingliederung in ein selbstbestimmtes Leben helfe. Wie das funktioniere, hänge von den individuellen Gegebenheiten ab. Die Trialog-Angebote umfassten sowohl Ergo- und Sozialtherapie als auch lebenspraktisches Training und Freizeitgestaltung. „Wir leisten hier immer noch Pionierarbeit, um Akzeptanz in der Bevölkerung zu schaffen“, so Diekmann, die sich ebenso wie Abteilungsleiter Josef Mörz über die gute Besucherzahl am Tag der offenen Tür freute.

Von Claudia Nachtwey

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