Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Szenische Darstellung im Duderstädter Haus St. Georg

„Das Heilige Experiment“ Szenische Darstellung im Duderstädter Haus St. Georg

Am Ende haben die Ordensleute die 150 000 Guarani-Indianer, die sich ihnen in Paraguay anvertraut hatten, den Sklavenjägern ausgeliefert. Dieses bittere Ende des Jesuitenstaates setzen die beiden Schauspieler Johannes Arnold und Michael Pilbauer in dem Stück „Das Heilige Experiment“ mit Waffengetöse und gellenden Frauenschreien vom Band in Szene.

Voriger Artikel
Mehr als 300 Gäste bei Wollbrandshäuser Büttenabend
Nächster Artikel
Albert Ballhausen junior neuer Vorsitzender des MGV Brochthausen

Bekommen Applaus für ihre Inszenierung: die Schauspieler Johannes Arnold und Michael Pilbauer.

Quelle: Schauenberg

Duderstadt. 20 Zuschauer folgten im Duderstädter Haus St. Georg der Aufführung. „Das heilige Experiment“, dieses Motto hat Bischof Norbert Trelle für das Bistumsjubiläum gewählt. Er dachte dabei an die Jesuiten, die ihren Modellstaat in Südamerika so bezeichneten. Auf Trelles Anregung führt das Hildesheimer Theater 11. August das Stück in sieben Städten der Diözese als szenische Lesung auf.

Prediger und Sklavenhalter

150 Jahre hatte der Jesuitenstaat Bestand. Das Stück spielt am Ende dieser Zeit. Der König hat Don Mura, der abwechselnd von beiden Schauspielern dargestellt wird, als Visitator geschickt. Die Jesuiten, so ist es dem König zugetragen worden, seien der Krone gegenüber ungehorsam. Sie besäßen Silber- und Gold-Bergwerke und versklavten die einheimische Bevölkerung. Don Mura durchschaut die Vorwürfe schnell als Lügen.

Die Großgrundbesitzer, Arnold und Pilhauer stellen sie mit verspiegelten Sonnenbrillen dar, verleumden die Ordensleute. Ihnen laufen die versklavten Einheimischen in den Jesuitenstaat davon. Die Amtskirche ist verärgert, weil die Indianer nur auf die Jesuiten hören. Von Predigern, die mit den Sklavenhaltern gemeinsame Sache machen, wollen die Einheimischen nichts wissen. Zusätzlich erregt die wirtschaftliche Blüte des perfekt durchorganisierten Musterstaats Neid.

Doch der König will von dem sachlichen Bericht seines Visitators nichts wissen. Auf Druck der Anti-Jesuiten-Lobby befiehlt er die Auflösung des Gottesstaates. Der Pater Provinzial begehrt auf. Die Jesuiten haben zum Schutz ihres Reichs Indianer-Milizen aufgestellt. Sie könnten den Aufstand gegen die Krone wagen.

Mönche müssten ihre Grenzen erkennen

Doch ein geheimer Gesandter des Ordens bringt den Pater Provinzial wieder auf Linie. Der gesamte Orden wäre bei einer Rebellion in Gefahr. Die Mönche in Südamerika müssten ihre Grenzen, ja ihren Irrweg erkennen. Sie hätten sich von äußerem Erfolg verlocken lassen. Das Reich Gottes könne aber in dieser Welt nicht errichtet werden. So verraten die Jesuiten die Indianer und lassen sich deportieren. Die Schauspieler bekommen viel Applaus für ihre packende Inszenierung.

Von Michael Caspar

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Apfel- und Birnenmarkt in Duderstadt

©Richter