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TU Kaiserslautern nimmt Duderstadt unter die Lupe

Stadtentwicklung ohne Hierarchien TU Kaiserslautern nimmt Duderstadt unter die Lupe

Leerstände, demografischer und struktureller Wandel, fehlende Gelder – mit diesen Problemen kämpfen viele deutsche Städte. Der Fachbereich Raum- und Umweltplanung der Technischen Universität (TU) Kaiserslautern ist unter Leitung des Professors Holger Schmidt zu einer Exkursion zum Thema „Kleine Städte – große Projekte“ in neun deutsche Gemeinden aufgebrochen, darunter auch Duderstadt.

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Erläutert Baukonzepte: Architekt Michael Schmutzer.

Quelle: Thiele

Duderstadt. Bei der Besichtigung der Städte wurden Fragen vor Ort gestellt: nach Maßnahmen zur Innenstadtbelebung, nach Kreativität der Verantwortlichen und nach möglichen Kooperationen.

„Die Arbeit der Gesellschaft Duderstadt 2020 hat im Vergleich zu anderen Städten ein Alleinstellungsmerkmal. Das hat uns interessiert“, nannte Schmidt einen der Gründe für den Besuch in der Brehmestadt. Sebastian Tränkner, Geschäftsführer der Gesellschaft, führte Studenten und Mitarbeiter der TU, aber auch externe Gäste aus anderen Städten durch die Duderstädter Altstadt, wobei Architekt Michael Schmutzer verschiedene Baukonzepte erläuterte.

Tränkner umriss dabei die Schwerpunkte von Duderstadt 2020: Vernetzung zwischen Bürgern, Unternehmen, Stadtverwaltung, Kirchen und Institutionen, Entwicklung von Zukunftsperspektiven, Initiativen für den Wirtschaftsstandort und Jugendförderung.

Flyer oder Einladungen ins Rathaus funktionieren nicht

„Über Hierarchien funktioniert Stadtentwicklung nicht mehr“, fasste Schmidt nach intensiven Diskussionen in der Gruppe seine Erfahrungen auch mit Konzepten in anderen Städten zusammen. Motivation der Eigentümer werde nicht durch weitere Bestimmungen erreicht, sondern durch ein positives Image der Stadt und mit dem Ziel, Eigentümer als Partner auf Augenhöhe zu gewinnen.

In kleinen Städten sei zudem die Stadtverwaltung dichter an den Bürgern. Auch in der durch soziale Medien zunehmend vernetzten Welt würden Entwicklungen nur durch den persönlichen Kontakt der Beteiligten vorangetrieben werden, bestätigte Thomas Fischer als Schmidts Assistent. Ein Umdenken werde von der Denkmalpflege sowie von Stadtverwaltungen erwartet.

„Flyer oder Einladungen ins Rathaus funktionieren nicht mehr, um die Eigentümer zu motivieren“, stellte Gernot Lindemann, Eigentümermoderator aus Halle, fest. Die Eigentümer bräuchten die Einbindung in die städtische Strategie, wobei die Stadt aber Herr des Verfahrens bleibe, so sein Vorschlag.

Frische Impulse bringen Bewegung

Im Exkursionsreader wurden auch die Konzepte anderer Gemeinden zur Stadtförderung aufgezeigt: Erweiterungen von sozialen und kulturellen Angeboten, Barrierefreiheit, Förderprogramme der Kommunen oder Revitalisierung von großen Leerständen durch Umstrukturierung in Einkaufspassagen mit kleineren Einzelhändlern.

Im Vergleich wurde an Duderstadt 2020 kritisiert, dass durch scheinbar zu viele unterschiedliche Aufgabenfelder das eigentliche Profil der Gesellschaft für den Bürger nicht erkennbar sei. Eingeräumt wurde jedoch auch, dass diese Institution eine Vorreiterrolle innehabe und eben nicht „irgendwo abschreiben“ könne.

Tränkner nahm das Feedback dankend an: „Frische Impulse bringen Bewegung. Wir sind aus einem Experiment entstanden und müssen unsere Erfahrungen machen.“ Fischer betonte: „Entscheidend ist doch trotz des Angebot-Potpourris, dass es die Gesellschaft hier gibt. Andere Städte haben keinen, der den Dialog führt.“ Fazit der Beteiligten war die wichtige Rolle der Kooperation zwischen Verwaltungen, Denkmalschutz, Wirtschaft, Bürgern und Förderprogrammen.

Von Claudia Nachtwey

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