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Täglich 60 Untersuchungen in St. Martini Duderstadt

Medizinische Betreuung von Flüchtlingen Täglich 60 Untersuchungen in St. Martini Duderstadt

Sprechstunden im Rosenthaler Hof, täglich 60 Aufnahmeuntersuchungen im Krankenhaus St. Martini: Die medizinische Versorgung von Flüchtlingen ist eine erhebliche Zusatzbelastung für die ohnehin schon unter Volllast arbeitenden Ärzte in Duderstadt.

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Quelle: Schauenberg

Duderstadt. Seit im Januar die ersten Flüchtlinge im Rosenthaler Hof einquartiert wurden, wechseln sich dort sechs Hausärzte, vier davon aus Duderstadt, mit Sprechtagen ab. „Wir haben dort quasi ein kleines Dorf, das hausärztlicher Versorgung bedarf“, sagt Kreisbereitschaftsarzt Michael Osburg. Dankbar wäre er ebenso wie Stefan Gehrke als Vorsitzender des Duderstädter Ärztevereins für Unterstützung durch weitere Ärzte: „Wir mussten bei steigenden Flüchtlingszahlen auf einen Sprechtag pro Woche zurückgehen und können nicht tun, was wir eigentlich tun müssten.“

In der Anfangsphase herrschte noch Chaos. Flüchtlinge mit unbekannter medizinischer Vorgeschichte liefen ohne Unterlagen und ohne Übersetzer in Artzpraxen auf. Im Rosenthalter Hof gab es dann für die Sprechstunden nur ein leeres Zimmer, ihr Equipment mussten die Ärzte mitbringen. Inzwischen hat sich die Betreuung eingespielt. Die Mediziner bekommen ihre Arbeit nach dem Asylbewerber-Leistungsgesetz von der Landesaufnahmebehörde vergütet, abgerechnet von der Kassenärztlichen Vereinigung.

Auffällige oder ansteckende Krankheiten sind den Ärzten bislang nicht untergekommen. Auch in der Notaufnahme des Krankenhauses sind bislang nur wenige Flüchtlinge aufgeschlagen, stationär behandelt wurden Erkrankungen von der Blinddarmentzündung bis zu Abzessen. Allerdings gebe es pro Woche mehrere Notarzteinsätze, sagt Udo Iseke, Ärztlicher Direktor von St. Martini und Chefarzt der Chirurgie. Zum Großteil handele es sich um eher banale Fälle.

Aus einer unklaren Situation heraus werde der Notarzt gerufen, auch wenn er nicht nötig sei. „Die Krankheiten, mit denen wir konfrontiert werden, gehen häufig auf schwere seelische Traumata zurück“, sagt Osburg: „Einige Flüchtlinge haben erlebt, wie Familienmitglieder massakriert wurden.“ Als bedeutungslos entkräftet Osburg den Verdacht, dass Krankheiten simuliert würden, um bessere Chancen beim Anerkennungsverfahren und Aufenthaltsstatus zu haben: „Das ist irrelevant, weil inzwischen die Flüchtlinge hier fast ausschließlich aus Krisengebieten kommen und nicht um ihre Anerkennung bangen müssen.“

Auch Impfungen seien bislang kein Thema gewesen und schon wegen der hohen Fluktuation nicht das dringenste Problem, meint Osburg. Grundsätzlich hätten Asylbewerber auch Anspruch auf Impfungen. Das sei bisher aber nicht verlangt worden. Die Impfrate für Krankheiten mit Gefahrenpotenzial wie Masern und Polio hält Osburg in Syrien für nicht geringer als in Deutschland.

Interkulturelle Probleme zum Beispiel bei der Untersuchung weiblicher Patienten können Osburg und Iseke nicht bestätigen: „Die Situation erfordert Taktgefühl von beiden Seiten, die Kommunikation klappt aber.“

Syrischer Arzt erleichtert Verständigung

Duderstadt. Als Glücksfall für die Flüchtlinge im Eichsfeld und für St. Martini hat sich erwiesen, dass am Krankenhaus zum Jahresbeginn zwei syrische Ärzte für die neue Abteilung für Gefäßchirurgie eingestellt wurden. Seit Mitte August entlastet das Duderstädter Krankenhaus auf Bitte des Innenministeriums und des Durchgangslagers Friedland das Weender Krankenhaus bei der gesetzlich vorgeschriebenen einmaligen Aufnahmeuntersuchung von Asylbewerbern.

Seitdem kommen auch Busse aus Friedland, eine zusätzliche Arzthelferin wurde eingestellt. Der aus Homs stammende Oberarzt Abdul Maoula El-Tahhan führt täglich bis zu 60 Eingangsuntersuchungen in der Bereitschaftsdienstpraxis für den kassenärztlichen Notdienst  durch, zu denen Röntgen- und Blutuntersuchungen gehören. 

Mit den Patienten verständigt er sich in arabischer Sprache, kann  auch mal Kinder trösten und Vorgeschichten erfragen. „Das macht Vieles einfacher“, sagt Chefarzt Udo Iseke: „Die meisten Flüchtlinge kommen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan und können kein Englisch.“ Das Personal befolge die Hygiene-Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts, bis dato seien keine problematischen Krankheiten festgestellt worden: „Es gab nur einen Verdacht auf Tuberkulose, der sich nicht bestätigt hat.“

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©Richter