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Täglich in zwei Welten gelebt

Erzählcafé Täglich in zwei Welten gelebt

In der Bildungsstätte am Grenzlandmuseum hat ein Erzählcafé zum Thema „Das Leben in der DDR“ stattgefunden. Nicht etwa in „ostalgischen“ Erinnerungen schwelgende DDR-Bürger trafen hier zusammen, sondern geschichtsinteressierte Menschen jeden Alters aus Ost und West.

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Generationsübergreifend: Gespräche am Grenzlandmuseum.

Quelle: SI

Malte Spielmann ist zufällig dabei, da er im Rahmen des „Zukunftstages“ die Bildungsstätte am Grenzlandmuseum besuchte. Im Geschichtsunterricht stand die DDR noch nicht auf dem Lehrplan, aber der Achtklässler des Duderstädter Eichsfeldgymnasiums (EGD) hat schon ein Buch über den ehemaligen deutschen Staat gelesen. Auch Inga Müller besucht das EGD und hat die DDR selbst nicht mehr miterlebt. Staunend hören sich die beiden Schüler die Erzählungen der Älteren an, die auf beiden Seiten des Zaunes ihre Jugend verbrachten. 

Druck und Kontrolle

Der Unterricht in den Schulen der DDR war geprägt von „ML“, bestätigen einige der Anwesenden, also von „Marxismus-Leninismus“ und von Staatsbürgerkunde. Hubert Salbach war schon zu SED-Zeiten Lehrer und beschreibt anschaulich sein damaliges Berufsleben, das einerseits geprägt war von Kontrolle und Druck durch Vorgesetzte und Staat, andererseits viel Zeit in Anspruch nahm mit dem „Organisieren“ von Dingen für Haus, Garten und das tägliche Leben. „Wenn vor dem Kaufhaus eine Schlange stand, stellte man sich an, auch wenn man gar nicht wusste, was es gab. Man wusste nur, dass es das morgen nicht mehr geben würde“, berichtete er. Wenn ein Ehepaar zusammen ein Einkommen von 1000 Mark hatte, habe man davon gut leben können, wenn man für Miete 33 Mark und für ein Brötchen fünf Pfennig bezahlen musste, so Salbach. Allerdings habe eine Waschmaschine das ganze Monatseinkommen von zwei Personen gekostet – wenn es Waschmaschinen gab.

Auch Manfred Körner empfand seine Jugend in der DDR als einen Zwiespalt: „Man lebte täglich in zwei Welten. In der privaten konnte man ehrlich sein, die offizielle war geprägt von Vorsicht und Misstrauen.“ Diskrepanzen habe es gegeben, als nach der Grenzöffnung alle höheren Posten in Staatsdienst, Justiz und Wirtschaft durch Westdeutsche besetzt wurden, und der Begriff des „Besser-Wessis“ entstand.

Den beiden EGD-Schülern fallen Vorstellungen schwer, im Unterricht für das Militär angeworben oder beim Trampen von der Stasi einkassiert und unter dem Verdacht der „Republikflucht“ verhört worden zu sein. Ebenso schwer gefallen sei den damaligen Jugendlichen in der DDR die Vorstellung von einem Leben im Westen.

                                                                                                                                      ny

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