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Tagespflege in der Kirche?

Gerblingerode Tagespflege in der Kirche?

Eine neue Dimension bekommt die Diskussion über die Zukunft der Kirche mit sanierungsbedürftigem Glockenturm in Gerblingerode. In Kirchenvorstand und Kirchengemeinderat gibt es Überlegungen zu einem erweiterten Nutzungskonzept für das Gebäude.

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Prägt das Ortsbild: der in den 70er-Jahren errichtete Glockenturm in Betonoptik.

Quelle: Oliver Thiele

Gerblingerode. In St. Mariä Geburt könnte die Geburtsstunde eines Modells schlagen, das wegen der demografischen und kirchlichen Entwicklung Schule machen könnte. Angedacht ist eine Doppelnutzung des Kirchengebäudes für Gottesdienste und soziale Zwecke. „Wir wollen neue Wege beschreiten und haben den Beschluss gefasst, Kontakt mit potenziellen Investoren aufzunehmen, um die Möglichkeit einer zusätzlichen Nutzung zu prüfen“, sagt Pfarrgemeinderatsvorsitzender Manfred Bause.

Vorstellbar sei, dass ein Gemeinderaum für die Kinder-, Jugend- und Seniorenarbeit bleibe, der Kirchenraum verkleinert und ein Teilbereich einer sozialen Nutzung zugeführt werden könnte. Es gebe vage Überlegungen, dort beispielsweise eine Tagespflege oder ein Hospiz einzurichten, sagt Bause. Eine Herausforderung sei es auch, dafür eine architektonische Lösung zu finden. „Entscheidend ist, dass wir uns bewegen - auch unter dem Zwang, den Glockenturm zu sanieren, “ betont der Gerblingeröder und sieht in dem Modell eine Chance, die Kirche samt Glockenturm zu bewahren und in die Zukunft zu führen: „Wir haben Platz für 550 Gottesdienstbesucher, die aber nicht mehr da sind.“

Die Kirche mit dem ortsbildprägenden 34 Meter hohen Glockenturm in typischer Beton-Architektur der 70er-Jahre wurden vor mehr als vier Jahrzehnten nach dem Abriss der alten Backsteinkirche errichtet. Der Turm wurde von der Pfarrgemeinde gegen den Willen des Bistums gebaut. Auch für die Sanierung wird es keinen Zuschuss geben. Die ist mit rund 150 000 Euro veranschlagt, ein Abriss mit 100 000 Euro. Weil sich Risse gebildet haben und der Beton bröckelt, ist der Glockenturm aus Sicherheitsgründen umzäunt worden. Bei einer Gemeindeversammlung im vergangengen Jahr war man sich einig, dass die Glocken im Ort nicht verstummen dürfen.

„Der Förderverein würde sich nur an einer Sanierung beteiigen, nicht an den Kosten im Falle eines Abrisses“, sagt Bause. Zurückgreifen könne man auf 80 000 Euro der Rücklage, die beim Turmbau für künftige Sanierungen gebildet wurde. „Wir erarbeiten zurzeit ein Gesamtkonzept für den Kirchort, zu dem auch der Glockenturm gehört“, sagt Propst Bernd Galluschke, kündigt eine weitere Gemeindeversammlung voraussichtlich im Frühjahr an und tritt bereits kursierenden Gerüchten entgegen: „Aus der Kirche wird kein Supermarkt gemacht.“

Überlegungen, kulturelle Veranstaltungen oder caritative Organisationen in die auch einen besonderen Platz in der Lebensbiographie der Menschen einnehmenden Kirche zu holen, gibt es auch andernorts. Die Kreuzeskirche in Essen beispielsweise wird an Wochenenden für Konzerte und Tagungen vermietet.

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